GROPIUS Die neue Architektur und das Bauhaus

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Beschreibung

Walter Gropius
Die neue Architektur und das Bauhaus
Grundzüge und Entwicklung einer Konzeption

Die Reihe umfasst Wiederauflagen alter „Neue Bauhausbücher“, die programmatisch gültig geblieben oder historisch besonders bedeutungsvoll sind und neue Werke aus dem Ideenkreis des Bauhauses, in denen sich dessen lebendiges Weiterwirken erweist.

„Die neue Architektur und das Bauhaus“ erschien erstmals 1935 in englischer Sprache. Die vorliegende Ausgabe beruht jedoch auf dem in deutscher Sprache verfassten Originalmanuskript. Gropius stellt hier ein Jahr nach seiner Emigration nach England die Ideen des in Deutschland geschlossenen und verbotenen Bauhauses einem angelsächsischen und amerikanischen Publikum vor. Das Buch hatte wesentlichen Anteil daran, dass Gropius schon bald – v.a. in den USA – zum gefeierten Architekten aufstieg und das Bauhaus auch in Amerika zum Begriff wurde. „Als er 1937 nach Harvard kam, verwies er zwar in seinen ersten Vorträgen auf die vorbildliche amerikanische Bauwirtschaft, die unübertroffen sei, aber er betonte auch, dass er die Amerikaner nicht lehren wolle, wie amerikanische Architektur aussehen solle, und dass er schon gar nicht einen europäischen Stil einführen wolle. Genau das versuchte und tat er natürlich doch, denn es war ja seine Lebensüberzeugung, dass Architektur die Kräfte der Gegenwart ausdrücken müsse, so wie es die Vertreter des Neuen Bauens und er selbst an der Spitze in den zwanziger Jahren vorgeführt hatten.“ (Nerdinger). Worauf das hier angesprochene Selbstbewusstsein gründete, zeigt der vorliegende Band, in dem der Architekt auf sein Schaffen in Weimar und Dessau zurückblickt.

 

Vorwort

Diese Veröffentlichung leitet die Reihe der "Neuen Bauhausbücher" ein, in der die Idee und die Substanz der früher edierten "bauhausbücher" weiterleben soll. Die ursprüngliche Reihe war von Walter Gropius und Laszlo Moholy-Nagy um die Mitte der zwanziger Jahre begründet worden; sie haben, bis die Weltwirtschaftskrise und die politische Katastrophe in Deutschland ihre Herausgeberarbeit zwangsweise beendete, vierzehn Bände herausgebracht: wichtige und wesentliche Bücher und doch nur ein Weniges, gemessen an dem, was auf weitere Sicht geplant worden war. Auf breiter geisteswissenschaftlicher Basis haben Gropius und Moholy-Nagy schon in ihrem ersten Programm-Entwurf eine Reihe von über fünfzig Titeln geplant.

Die neue Reihe setzt die alte sinngemäß fort. Von den nun schon geschichtlich gewordenen Büchern übernimmt sie, um sie neu aufzulegen, außer den unverändert lebens- und aussagekräftigen auch einige, die als Dokumente ihrer Zeit (und somit einer Vorstufe zum Heute) aufschlußreich sind. Die neuen Beiträge werden sowohl unter historisch-kritischem wie auch, und dies vor allem, unter aktuellem Aspekt ausgewählt.

Das Buch "Die neue Architektur und das Bauhaus " ist die Aufzeichnung eines Erkenntnisweges. Von der Grundkonzeption, zu der Gropius um 1910 - höchst bemerkenswert früh - gelangt ist, führt dieser Weg der Reifung zum Bauhaus und hin zu den Postulaten, die zu objektivieren und auszusprechen es ihn am Beginn seiner Emigrantenzeit drängte; es sind dies Forderungen an den Gestalter unserer Umwelt, die im Entscheidenden gültig geblieben und zu erfüllen sind. Trotz der Situationsbezogenheit der Überlegungen geben wir sie hier wieder, wie Gropius sie seinerzeit in England gedacht und geschrieben hat, als eine Manifestation, die heute wie damals für sich stehen konnte und daher nicht der aktualisierenden Ergänzung bedarf.

Gropius hat das Manuskript in seiner Muttersprache abgefaßt, und P. Morton Shand hat es in vorzügliches Englisch übersetzt. Unter dem Titel "The New Architecture and The Bauhaus" kam es in Buchform 1935 bei Faber & Faber in London heraus, eine amerikanische Ausgabe wurde im folgenden Jahr vom Museum of Modern Art in New York vorgelegt, an dessen Stelle bei einer späteren Auflage der Verlag Charles T. Branford in Boston trat. Als Unterlage für die gegenwärtige-erste-deutsche Ausgabe ist, soweit möglich, die Originalfassung des Manuskripts verwendet worden; Teile, die in Verlust geraten waren, wurden aus dem Englischen zurück übersetzt. Die Bebilderung entspricht ungefähr derjenigen der angelsächsischen Ausgaben, die übrigens nicht wenig dazu beigetragen haben dürften, daß Gropius auch in den Gastländern, vor allem in Amerika, innerhalb kürzester Zeit als einer der führenden Repräsentanten des "neuen Bauens" allgemein bekannt geworden ist.

Mehr und mehr hat der Gedanke sich präzisiert, daß Arbeitsgemeinschaften angestrebt werden müssen, in denen Künstler miteinander wie auch im Verein mit Praktikern wirken sollen, und daß dies Spiel der Kräfte die Leistungen aller Beteiligten steigern kann. Auch ist es uns heute klar, daß der Begriff der Funktionsgerechtheit mindestens ebenso vom Psychologischen wie vom Praktisch-Technischen her bestimmt werden muß. Das war aber nicht immer selbstverständlich. Es ist eines der denkwürdigen Verdienste von Walter Gropius, beispielhaft gezeigt zu haben, daß Gestaltungsarbeit eine humane Aufgabe, ein elementarer Dienst am Menschen und nur so in der ganzen Tiefe ihrer Bedeutung zu verstehen ist.

HANS M. WINGLER

Inhaltsverzeichnis

Inhalt Seite
VORWORT (HANS M. WINGLER) 7
DIE NEUE ARCHITEKTUR
- STANDARDISIERUNG
- RATIONALISIERUNG
9
DER WEG ZUM BAUHAUS 20
DAS BAUHAUS 22
IDEE UND AUFBAU DES STAATLICHEN BAUHAUSES
- DIE VORLEHRE
- DIE WERKLEHRE UND DIE FORMLEHR E
- DIE BAULEHRE
- DIE BUHNE
28
DIE WIRKUNG DES BAUHAUSES 62
DIE NEUE BAUKUNST 65

Über Walter Gropius

Walter Adolf Georg Gropius (* 18. Mai 1883 in Berlin; † 5. Juli 1969 in Boston, Massachusetts) war ein deutscher Architekt und der Gründer des Bauhauses. Neben Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier gilt er als Mitbegründer der modernen Architektur.

1903 begann Gropius ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule München, das er später an der Technischen Hochschule Charlottenburg fortsetzte, 1907 aber ohne Diplom abbrach. Im gleichen Jahr trat er in das Büro von Peter Behrens ein, in dem neben ihm auch andere später berühmt gewordene Architekten gearbeitet hatten, unter anderen Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier. Nach dreijähriger Mitarbeit bei Behrens machte sich Gropius 1910 als Industriedesigner und Architekt selbständig. Als Formgestalter entwarf er Inneneinrichtungen, Tapeten, Serienmöbel, Autokarossen und eine Diesellokomotive. Seine erste bedeutende architektonische Arbeit war das Fagus-Werk in Alfeld an der Leine, das er zusammen mit Adolf Meyer baute. Dieser Fabrikbau gilt mit seiner Stahl- und Glasarchitektur als richtungsweisendes Werk der später sogenannten „Modernen Architektur“, die in den 1920er-Jahren unter der Bezeichnung „Neues Bauen“ oder „Neue Sachlichkeit“ zum allgemeinen Begriff wurde.

Für die Ausstellung des Deutschen Werkbundes 1914 in Köln baute Gropius mit Meyer zusammen eine Musterfabrik, die sich später ebenfalls als bedeutender Beitrag zur modernen Architektur erweisen sollte. Die Besonderheit dieses Baus waren rund verglaste Treppentürme, die als neues gestalterisches Motiv später, in den 1920er-Jahren, bei Erich Mendelsohn in seinen Warenhäusern häufige Verwendung fanden.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Gropius zum Begründer des Bauhauses: Er wurde 1919 auf Vorschlag Henry van de Veldes als dessen Nachfolger zum Direktor der Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar (Thüringen) ernannt und gab der neuen Schule den Namen „Staatliches Bauhaus in Weimar“. Gropius hatte das Amt des Direktors (zunächst in Weimar bis 1926 und danach in Dessau) inne. 1928 übergab er es an den Schweizer Urbanisten Hannes Meyer, der bereits 1930 aus politischen Gründen entlassen wurde (Ludwig Mies van der Rohe führte es bis zur Schließung 1933).

Ab 1926 beschäftigte er sich intensiv mit dem Massenwohnbau als Lösung der städtebaulichen und sozialen Probleme und trat für die Rationalisierung des Baugewerbes ein. Er entwarf zahlreiche Wohnbauprojekte wie die Siedlung Dessau-Törten (1926–1931), Dammerstock (1928/1929), Wohnblocks in der Siemensstadt in Berlin (1929/1930) und das Projekt Wannsee-Uferbebauung, ebenfalls in Berlin (1930/1931).

1934 emigrierte Gropius nach Angriffen der Nationalsozialisten auf das Bauhaus als der „Kirche des Marxismus“ nach England und 1937 weiter in die USA nach Cambridge, wo er als Professor für Architektur an der „Graduate School of Design“ der Harvard University tätig war.
Von 1941 bis 1948 arbeitet Gropius eng mit Konrad Wachsmann, der durch das Haus Dr. Estrich in Jüterbog (Brandenburg) und das Sommerhaus von Albert Einstein in Caputh bei Potsdam seine Architektenkarriere als freier Architekt begann, zusammen. Sie entwickelten und produzierten unter anderem das bekannte General-Panel-System.

1946 gründete Gropius die Gruppe The Architects Collaborative, Inc. (TAC) als Vereinigung junger Architekten, die für ihn zugleich ein Manifest seines Glaubens an die Bedeutung der Teamarbeit werden sollte. Ein Werk dieses Teams ist das Graduate Center der Harvard University in Cambridge (1949/1950).

In seinen letzten Lebensjahren war Gropius wieder häufig in Berlin tätig, wo er unter anderem 1957 im Rahmen der Interbau einen neungeschossigen Wohnblock im Hansaviertel errichtete. Die konkave Südfront und das offene Erdgeschoss gilt bei diesem Gebäude als typisches Beispiel einer sog. späten Moderne. Bereits 1929 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule Hannover verliehen und später unter anderem von der Freien Universität Berlin (1963).

Details

Autor: Walter Gropius
Herausgeber: Hans M. Wingler
Verlag: Gebr. Mann Verlag, Berlin
Auflage: 3. unveränderte Auflage
Jahr: 07/2003
Seitenanzahl: 74 Seiten
Abbildungen: 37 Abbildungen
Buchart: Leinen
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-7861-1457-9
ISBN 13: 978-3-7861-1457-4
Größe: ca. 257 x 187 x 12 mm
Gewicht: ca. 500 Gramm
Zustand: neu, ungelesen