Die Sammlung Nachtmann: Antiken - Glas - Keramik
|
|
Beschreibung
Dr. Norbert Börste und Dr. Gerd Dethlefs
Die Sammlung Nachtmann
Antiken - Glas - Keramik
"Es ist kein dröger Katalog, sondern ein lebendiges Werk über die Glaskultur der Region." Mit diesen Worten umschrieb Dr. Norbert Börste die Neuerscheinung "Die Sammlung Nachtmann" aus dem Paderborner Bonifatius-Verlag. Börste, der mit Dr. Gerd Dethlefs gemeinsam Herausgeber des Werkes ist, stellte dies gemeinsam mit Bürgermeister Heinz Paus, Dr. Friedrich Gerhard Hohmann vom Altertumsverein Paderborn, Dr. Michael Ernst, Verlagsleiter der Bonifatius GmbH, sowie weiteren an der Arbeit Beteiligten jetzt vor.
In der Reihe des Altertumsvereins "Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte" ist das mehr als 300 Seiten starke Werk erschienen. Es gilt nicht nur als Katalog für die seit 2002 im Neuhäuser Marstall gezeigte Sammlung Nachtmann, sondern auch als wissenschaftliche Dokumentation dieser Sammlung. Die dort gezeigten Objekte aus fast 2500 Jahren stammen aus einem Bereich, der sich vom nördlichen Afghanistan im Osten bis zur italienischen Halbinsel im Westen und vom Rheinland im Norden bis zum nördlichen Afrika im Süden erstreckt.
Mitgearbeitet an dem Nachschlagewerk für die Sammlung Nachtmann haben neben den beiden Herausgebern die Autoren Dr. Sveva Gai, Dr. Andreas Neuwöhner, Marianne Moser, Judith Strahl, Dr. Bernd Steinbring, Robert Gündchen, Dr. Uta Halle, Dr. Hildegard Wiewelhove und Dr. Oliver Brehm. Die Fotos stammen von Ansgar Hoffmann.
Wie Herausgeber Dr. Gerd Dethlefs bei der Vorstellung des Buches sagte, verzeichne man in der letzen Zeit ein verstärktes Interesse am Glas. Das gelte nicht nur für Spitzenstücke, sondern auch für Gebrauchsglas oder verziertes Glas. Nicht zuletzt auch dank der Sammlung Nachtmann bleibe Glas für den Paderborner Raum identifikationsfähig.
Die Erstellung des Katalogs wurde unter anderem gefördert mit Unterstützung des Förderkreises Historisches Museum im Marstall.
Zur Ausstellung im Historisches Museum im Marstall
Im Dezember 2002 wurden die Museen im Marstall durch die Glas- und Keramiksammlung Nachtmann erweitert. Die Sammlungen von Bürgern, Vereinen oder privaten Institutionen stellen in vielen Museen den Grundstock des Bestandes dar. So ist es auch bei den Museen im Marstall, die 1994 im Rahmen der Landesgartenschau eröffnet wurden. Die Funde aus dem Schlossgraben, die mangels spärlicher schriftlicher Überlieferung einen ganz besonderen kulturhistorischen Wert darstellen, konnten dank der jahrelangen Arbeit von Hans Joachim Nachtmann dem Museum frühzeitig eingegliedert werden.
1980 fand der Sammler im Schlossgraben von Schloß Neuhaus zufällig den Fußteil eines Topfes aus dem 15. Jahrhundert. Das löste 13 Jahre lange Ausgrabungen in der Gräfte (Schlossgraben) aus und mündete im größten Gräftefund Westfalens. Nachtmann hat das Material sortiert, zum größten Teil selbst restauriert und 1994 dem Historischen Museum im Marstall übergeben. Es ist der Initiative von Hans Joachim Nachtmann zu verdanken, dass die übergebene Sammlung nunmehr das kulturelle Angebot im Hochstift Paderborn bereichert.
Nachtmanns Sammlungsbestand macht einen Teil des verloren gegangenen Inventars der fürstbischöflichen Residenz Neuhaus wieder sichtbar, denn er fand in dem Schlossgraben zahlreiche Alltagskulturgegenstände und hochwertige Glas- und Keramikfragmente der ehemaligen Residenzbewohner.
Darüber hinaus sammelte er im Laufe von Jahrzehnten komplette Gläser und keramische Gefäße, die zum Teil zu den Fragmenten passen. Neben Exponaten internationaler Provenienz finden sich darunter zahlreiche Objekte aus dem ostwestfälischen Raum ( z.B. Glashütte Emde bei Driburg ) sowie den berühmten Produktionsstätten Europas, wie Venedig, Böhmen, Schlesien, Thüringen und den Niederlanden.
Die Sammlung Nachtmann umfasst in ihrem Kern einige hundert Einzelobjekte. Sie gehört damit zu den bedeutendsten Privatsammlungen ihrer Art in Westfalen. Den Rundgang eröffnen die Funde aus dem nahe liegenden Schlossgraben. In den anschließenden Räumen kann der Besucher die Geschichte der Keramik- und Glaskunst von der Antike bis zur Neuzeit an herausragenden Einzelstücken nachvollziehen.
500 Jahre lang - bis 1802/03 -diente Neuhaus als Residenz der Fürstbischöfe von Paderborn. Ab 1851 wurde die alte Residenz preußische Garnison und aus bischöflichen Einrichtungen wurden militärische.
Es änderte sich so auch die Ess- und Trinkkultur, was an den ausgestellten Gefäßen nachvollzogen werden kann. Eine Inszenierung zeigt eine Schlossküche und Teile der fürstbischöflichen Tafel, die andere die Offizierstafel und Teile einer Husarengaststätteneinrichtung ("Waldlust"). Diese Darstellungen geben einen realistischen Einblick in die Lebensgewohnheiten der ehemaligen Schlossbewohner.
Zur Sammlung Nachtmann ist im Bonifatius-Verlag ein Buch erschienen. Er gilt als lebendiges Werk über Glaskultur der Region.
Über Hans Joachim Nachtmann
Die Neugierde, die Lust zum Suchen und das Talent zum Finden waren ihm wahrscheinlich schon in die Wiege gelegt worden. Kaum, dass der in Düsseldorf 1935 geborene Hans Joachim Nachtmann in die Fahrradpedale treten konnte, erkundete er die alten römischen Stätten im Rheinland und begann historische Funde aus dieser Zeit zu sammeln, Gläser, Keramiken und Münzen. Die Leidenschaft war geweckt, sie ließ ihn nicht mehr los.
Von Anfang an wollte er aber nicht nur sammeln, sondern möglichst alles auch über die Dinge wissen, die er zusammentrug. Früh nahm er Kontakt zu Museen auf, und die erkannten rasch seine Begabung. Mit dem Restaurator des Hetjen Museums konnte er an Ausgrabungen in der Düsseldorfer Altstadt teilnehmen, und schon 1962 stellte er seine Sammelstücke beim Henkel-Konzern aus.
In den Jahren 1961 bis 1965 studierte Hans Joachim Nachtmann an der Düsseldorfer Werkkunstschule. Was er dort über Stilkunde und Architektur lernte, machte ihn auf Ägypten neugierig. Eine Reise per Motorrad durch das Land der Pharaonen 1963 wurde ihm zum Schlüsselerlebnis. Seit dem faszinierte ihn die Kulturgeschichte der benachbarten Wüstenvölker und besuchte immer wieder die Saharaländer. Schier unglaubliche Mengen an Fossilien, Werkzeugen Schmuck- und Kulturgegenständen, bis zurück zur Steinzeit, hat er dort gefunden, getauscht und schließlich katalogisiert. Hans - Joachim Nachtmann verfügt über eine profunde Kenntnis seines Sammlungsgebietes und weiß darüber Spannendes zu berichten.
Sein Beruf führt Hans Joachim Nachtmann 1966 nach Paderborn. Ein Jahr später gründete er den Münzverein Paderborn und ist seitdem dessen Vorsitzender. Münzsammler können sich dort auch kompetenten Rat holen und ihre Stücke einordnen lassen.
Im Sommer 1971 organisierte er gemeinsam mit der Volksbank Paderborn eine Ausstellung römischer Münzen und Kunsthandwerk aus dieser Zeit. Anlässlich des Katharinenmarkts in Delbrück bereitete er ein ähnliches Thema für die dortige Stadtsparkasse auf und 1983 für das Tabakmuseum in Bünde.
Im Schlossgraben von Schloß Neuhaus fand er 1980 zufällig den Fußteil eines Topfes aus dem 15. Jahrhundert. Das löste 13 Jahre lang Ausgrabungen in der Gräfte aus. Bis 1993 kamen dort hauptsächlich Scherben zutage, die insgesamt 140 Kisten füllten. Nachtmann hat sie alle gesichtet, sortiert, zum größten Teil selbst restauriert und 1994 dem Historischen Museum im Marstall übergeben.
1996 gab es eine umfangreiche Ausstellung von Schank- und Trinkgefäßen aus vier Jahrtausenden im Marstall Museum von Schloß Neuhaus. Danach wanderte sie für viele Monate in das Museum der Glashütte Süßmuth in Immenhausen.
1998 folgte die Ausstellung über die Paderborner Fürstbischöfe von der Renaissance bis zum Spätbarock, die an mehreren Orten gezeigt wurde.
Es ist der Initiative von Hans - Joachim Nachtmann zu verdanken, dass diese Ausstellung heute das kulturelle Angebot im Hochstift Paderborn bereichert.
Über Dr. Norbert Börste
Dr. Norbert Börste, geb. 1947, Kunsthistoriker; seit 1994 zuständig für das Historische Museum im Marstall von Schloss Neuhaus. Konzeption verschiedener Ausstellungen zur Kunst-, Kultur- und Zeitgeschichte.
Über Dr. Gerd Dethlefs
Dr. Gerd Dethlefs, geb. 1958; seit 1996 Leiter der Abteilung Landesgeschichte am Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster. 1998 Promotion, seit 1977 zahlreiche Publikationen und Ausstellungskataloge über Bild- und Sachquellen und deren historische Interpretation.
Details
Autoren: Dr. Norbert Börste und Dr. Gerd Dethlefs
Verlag: Bonifatius Verlag, Paderborn
Auflage: Erstauflage
Jahr: 15.11.2008
Seitenanzahl: 336 Seiten
Buchart: Gebunden
Abbildungen: Durchgehend illustriert, davon 64 Seiten vierfarbig
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-89710-383-4
ISBN 13: 978-3-89710-383-2
Größe: ca. 235 x 295 x 30 mm
Gewicht: ca. 1.800 Gramm
Zustand: neu, ungelesen
Besonderheiten: wissenschaftliche Aufbereitung zum Thema
Besonders interessantes weiteres Buch zu dem Thema:
Glaslandschaft zwischen Alme und Weser - Glashütten, Glasfunde und Glassammlungen zwischen Paderborn und Höxter








