Glaslandschaft zwischen Alme und Weser
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Beschreibung
Dr. Norbert Börste
Glaslandschaft zwischen Alme und Weser
Glashütten, Glasfunde und Glassammlungen zwischen Paderborn und Höxter
Am 11. und 12. Dezember 2004 trafen sich zahlreiche Glasforscher aus NRW, Hessen und Niedersachsen zum Herbsttreffen des Westfälischen Glasforums. Am 11.8.2000 gegründet, wurde in diesem Jahr 2004 die Geschäftsführung nach Schloß Neuhaus in das Historische Museum im Marstall verlegt. Geschäftsführer dieser überregionalen Vereinigung ist nun Dr. Norbert Börste.
Die Erzeugnisse der Glashütten im Paderborner Land sind sehr lange kaum fassbar gewesen. Erst in den letzten 15 Jahren hat die Forschung hier erhebliche Fortschritte gemacht, so dass man nun eine größere Anzahl sehr qualitätvoller Gläser kennt, die zwischen Eggegebirge und Weser geblasen und mit Schliff, Schnitt und Vergoldungen dekoriert wurden. Voraussetzung dieser Einsichten war die vergleichende Betrachtung der Glasproduktion im ganzen Oberwesergebiet einerseits und die Recherche einheimischer Glasbestände, bei denen die Herkunft aus lokaler Produktion wahrscheinlich gemacht oder durch Archivquellen bestätigt werden konnte.
Die Vorbereitungen zur Ausstellung über die Paderborner Glaskunst des 18. Jahrhunderts und die Glashütte Emde im Jahre 2000, insbesondere aber das Zusammenwirken zahlreicher interessierter Museen an der Sicherung möglichst großer Teile des Glasbestandes aus der Hinnenburg für Museen in Ostwestfalen, haben bewiesen, wie viele Kunsthistoriker, Archäologen, Sammler und Wissenschaftler an der Erforschung der älteren Glasherstellung in Westfalen interessiert sind. Es zeigte sich ein großer Wunsch an einem Verbund, der die interdisziplinäre Forschung intensiviert und den Aufbau bzw. den Ausbau von Sammlungen koordiniert. Es entstanden kollegiale Kooperationen, die aktuell dazu geführt haben, dass die Ausstellung im Historischen Museum im Marstall, „Ferdinand von Fürstenberg – Friedensfürst und Guter Hirte“ (18.9.04 – 9.1.05) auch mit großartigen Beispielen der Glaskunst aus der zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts bereichert werden konnte.
Das Historische Museum im Marstall hat mit der Sammlung von Hans-Joachim Nachtmann, der über 600 Schank- und Trinkgefäße aus Glas- und Keramik vom Mittelalter bis zur Neuzeit als Stiftung der Stadt Paderborn übergeben hat, ein besonderes Glanzlicht und einen neuen thematischen Schwerpunkt erhalten. Die Stadt Paderborn kann daher wesentliche Teile seiner Sammlung in einem eigenen Museumsbereich im Marstall seit Dezember 2002 dauerhaft präsentieren. Die Sammlung beinhaltet nicht nur den größten Gräftenfundkomplex Westfalens mit zahlreichen Alltagzeugnissen des 13. -20. Jahrhunderts, sondern auch Paradebeispiele von Gläsern der Region; sie bietet weit darüber hinaus einen hervorragenden Querschnitt deutscher und europäischer Glasproduktion. Hier ist in den nächsten Jahren ein umfassender Katalog zu erwarten, der in Kooperation mit dem Westfälischen Glasforum entsteh.
In der Heimatkundlichen Schriftenreihe der Volksbank Paderborn Höxter erschien dazu jetzt auch das Heft „Glaslandschaft zwischen Alme und Weser, Glashütten, Glasfunde und Glassammlungen zwischen Paderborn und Höxter“, herausgegeben von Dr. Norbert Börste, dem Geschäftsführer des Westfälischen Glasforums und Kurator des historischen Museums im Marstall. Das 56seitige farbig illustrierte Heft mit zahlreichen hervorragenden Beispielen der Glaslandschaft zwischen Alme und Weser ist den Filialen der Volksbank Paderborn- Höxter erhältlich.
Der Band ist Frucht der Aktivitäten des Westfälischen Glasforums, worin sich folgende Beiträge finden:
Dr. Sveva Gai „...und auf den Tischen bauchen sich die goldnen Krüge mit Falerner.“ Die karolingische Glasproduktion in der Pfalzanlage Karls des Großen in Paderborn
Marianne Moser / Judith Stahl, „Scherbenlese. Glaskomplexe aus Grabungen der letzten zehn Jahre in der Paderborner Innenstadt“, Robert Gündchen, „Gefäßformen eines hochmittelalterlichen Glashüttenstandortes im Eggegebirge bei Willebadessen“, Dr. Andreas Neuwöhner, Glashütten im frühneuzeitlichen Hochstift Paderborn, Dr. Gerd Dethlefs,
„Spitzenprodukte der Glaskunst aus dem Paderborner Land. Die Gläser der Hinnenburg und die Glashütte Emde.“
Zur Ausstellung im Historisches Museum im Marstall
Im Dezember 2002 wurden die Museen im Marstall durch die Glas- und Keramiksammlung Nachtmann erweitert. Die Sammlungen von Bürgern, Vereinen oder privaten Institutionen stellen in vielen Museen den Grundstock des Bestandes dar. So ist es auch bei den Museen im Marstall, die 1994 im Rahmen der Landesgartenschau eröffnet wurden. Die Funde aus dem Schlossgraben, die mangels spärlicher schriftlicher Überlieferung einen ganz besonderen kulturhistorischen Wert darstellen, konnten dank der jahrelangen Arbeit von Hans Joachim Nachtmann dem Museum frühzeitig eingegliedert werden.
1980 fand der Sammler im Schlossgraben von Schloß Neuhaus zufällig den Fußteil eines Topfes aus dem 15. Jahrhundert. Das löste 13 Jahre lange Ausgrabungen in der Gräfte (Schlossgraben) aus und mündete im größten Gräftefund Westfalens. Nachtmann hat das Material sortiert, zum größten Teil selbst restauriert und 1994 dem Historischen Museum im Marstall übergeben. Es ist der Initiative von Hans Joachim Nachtmann zu verdanken, dass die übergebene Sammlung nunmehr das kulturelle Angebot im Hochstift Paderborn bereichert.
Nachtmanns Sammlungsbestand macht einen Teil des verloren gegangenen Inventars der fürstbischöflichen Residenz Neuhaus wieder sichtbar, denn er fand in dem Schlossgraben zahlreiche Alltagskulturgegenstände und hochwertige Glas- und Keramikfragmente der ehemaligen Residenzbewohner.
Darüber hinaus sammelte er im Laufe von Jahrzehnten komplette Gläser und keramische Gefäße, die zum Teil zu den Fragmenten passen. Neben Exponaten internationaler Provenienz finden sich darunter zahlreiche Objekte aus dem ostwestfälischen Raum ( z.B. Glashütte Emde bei Driburg ) sowie den berühmten Produktionsstätten Europas, wie Venedig, Böhmen, Schlesien, Thüringen und den Niederlanden.
Die Sammlung Nachtmann umfasst in ihrem Kern einige hundert Einzelobjekte. Sie gehört damit zu den bedeutendsten Privatsammlungen ihrer Art in Westfalen. Den Rundgang eröffnen die Funde aus dem nahe liegenden Schlossgraben. In den anschließenden Räumen kann der Besucher die Geschichte der Keramik- und Glaskunst von der Antike bis zur Neuzeit an herausragenden Einzelstücken nachvollziehen.
500 Jahre lang - bis 1802/03 -diente Neuhaus als Residenz der Fürstbischöfe von Paderborn. Ab 1851 wurde die alte Residenz preußische Garnison und aus bischöflichen Einrichtungen wurden militärische.
Es änderte sich so auch die Ess- und Trinkkultur, was an den ausgestellten Gefäßen nachvollzogen werden kann. Eine Inszenierung zeigt eine Schlossküche und Teile der fürstbischöflichen Tafel, die andere die Offizierstafel und Teile einer Husarengaststätteneinrichtung ("Waldlust"). Diese Darstellungen geben einen realistischen Einblick in die Lebensgewohnheiten der ehemaligen Schlossbewohner.
Zur Sammlung Nachtmann ist im Bonifatius-Verlag ein Buch erschienen. Er gilt als lebendiges Werk über Glaskultur der Region.
Über Hans Joachim Nachtmann
Die Neugierde, die Lust zum Suchen und das Talent zum Finden waren ihm wahrscheinlich schon in die Wiege gelegt worden. Kaum, dass der in Düsseldorf 1935 geborene Hans Joachim Nachtmann in die Fahrradpedale treten konnte, erkundete er die alten römischen Stätten im Rheinland und begann historische Funde aus dieser Zeit zu sammeln, Gläser, Keramiken und Münzen. Die Leidenschaft war geweckt, sie ließ ihn nicht mehr los.
Von Anfang an wollte er aber nicht nur sammeln, sondern möglichst alles auch über die Dinge wissen, die er zusammentrug. Früh nahm er Kontakt zu Museen auf, und die erkannten rasch seine Begabung. Mit dem Restaurator des Hetjen Museums konnte er an Ausgrabungen in der Düsseldorfer Altstadt teilnehmen, und schon 1962 stellte er seine Sammelstücke beim Henkel-Konzern aus.
In den Jahren 1961 bis 1965 studierte Hans Joachim Nachtmann an der Düsseldorfer Werkkunstschule. Was er dort über Stilkunde und Architektur lernte, machte ihn auf Ägypten neugierig. Eine Reise per Motorrad durch das Land der Pharaonen 1963 wurde ihm zum Schlüsselerlebnis. Seit dem faszinierte ihn die Kulturgeschichte der benachbarten Wüstenvölker und besuchte immer wieder die Saharaländer. Schier unglaubliche Mengen an Fossilien, Werkzeugen Schmuck- und Kulturgegenständen, bis zurück zur Steinzeit, hat er dort gefunden, getauscht und schließlich katalogisiert. Hans - Joachim Nachtmann verfügt über eine profunde Kenntnis seines Sammlungsgebietes und weiß darüber Spannendes zu berichten.
Sein Beruf führt Hans Joachim Nachtmann 1966 nach Paderborn. Ein Jahr später gründete er den Münzverein Paderborn und ist seitdem dessen Vorsitzender. Münzsammler können sich dort auch kompetenten Rat holen und ihre Stücke einordnen lassen.
Im Sommer 1971 organisierte er gemeinsam mit der Volksbank Paderborn eine Ausstellung römischer Münzen und Kunsthandwerk aus dieser Zeit. Anlässlich des Katharinenmarkts in Delbrück bereitete er ein ähnliches Thema für die dortige Stadtsparkasse auf und 1983 für das Tabakmuseum in Bünde.
Im Schlossgraben von Schloß Neuhaus fand er 1980 zufällig den Fußteil eines Topfes aus dem 15. Jahrhundert. Das löste 13 Jahre lang Ausgrabungen in der Gräfte aus. Bis 1993 kamen dort hauptsächlich Scherben zutage, die insgesamt 140 Kisten füllten. Nachtmann hat sie alle gesichtet, sortiert, zum größten Teil selbst restauriert und 1994 dem Historischen Museum im Marstall übergeben.
1996 gab es eine umfangreiche Ausstellung von Schank- und Trinkgefäßen aus vier Jahrtausenden im Marstall Museum von Schloß Neuhaus. Danach wanderte sie für viele Monate in das Museum der Glashütte Süßmuth in Immenhausen.
1998 folgte die Ausstellung über die Paderborner Fürstbischöfe von der Renaissance bis zum Spätbarock, die an mehreren Orten gezeigt wurde.
Es ist der Initiative von Hans - Joachim Nachtmann zu verdanken, dass diese Ausstellung heute das kulturelle Angebot im Hochstift Paderborn bereichert.
Über den Herausgeber
Dr. Norbert Börste, geb. 1947, Kunsthistoriker; seit 1994 zuständig für das Historische Museum im Marstall von Schloss Neuhaus. Konzeption verschiedener Ausstellungen zur Kunst-, Kultur- und Zeitgeschichte.
Details
Herausgeber: Dr. Norbert Börste
Verlag: Volksbank Paderborn-Höxter, Paderborn
Auflage: Erstauflage
Jahr: 2004
Seitenanzahl: 56 Seiten
Buchart: geheftet
Abbildungen: viele, meist farbige Abbildungen
Sprache: Deutsch
ISBN: ohne
Größe: ca. 200 x 210 x 3 mm
Gewicht: ca. 200 Gramm
Zustand: neu, ungelesen
Besonders zu empfehlen:
Die Sammlung Nachtmann: Antiken - Glas - Keramik (ISBN: 978-3-89710-383-2)








