Neue Welten. DE + AT Kunst 1890-1940

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34,80 EUR

ISBN: 9783832158811  

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Beschreibung

Renée Price (Hrsg.)
Neue Welten
Deutsche und österreichische Kunst 1890-1940

Dieser Katalog, die erste Ausstellungspublikation der Neuen Galerie in New York, beleuchtet die bildende und die dekorative Kunst in Deutschland, Österreich und der Schweiz zwischen 1890 und 1940. Er bietet eine Übersicht über Werke von 26 bildenden und 18 kunsthandwerklich arbeitenden Künstlern und dokumentiert die Rezeption ihrer Arbeiten im Amerika des 20. Jahrhunderts.

Der chronologische Blick beginnt mit dem kulturellen Klima Wiens um 1900, als Maler wie Klimt, Schiele, Gerstl und Kokoschka ebenso wie die funktionale Eleganz der Kreationen aus den Wiener Werkstätten Kunst und Kunstgewerbe zu frühen herausragenden Positionen der Moderne führten. Kokoschka ist das Bindeglied zum deutschen Expressionismus, der in Dresden von den Künstlern der Brücke, in München vom Blauen Reiter ausgeht. Der Geist des Aufbruchs, der sich im Expressionismus erstmals manifestiert, setzt sich fort in Dada und Neuer Sachlichkeit, in der Merzkunst von Schwitters und in den vielschichtigen Aktivitäten des Bauhauses. Die Verfemung der Moderne im Dritten Reich führte viele österreichische und deutsche Künstler der Avantgarde in die Neue Welt, und nicht zuletzt durch ihren Einfluss gehen nach dem Zweiten Weltkrieg von Amerika wichtige Impulse auf den europäischen Kontinent aus.

Unter anderem sind folgende Künstler enthalten: Peter Behrens, Vassily Kandinsky, Paul Klee, Gustav Klimt, Oskar Kokoschka, Wilhelm Lehmbruck, Adolf Loos, Egon Schiele und Otto Wagner.

Katalog der Neuen Galerie in New York zur Ausstellung 16. November 2001 bis 18. Februar 2002.

 

Vorwort

Oft werden wir nach dem Ursprung des Namens unseres neu eröffneten Museums gefragt. Man kann diesen Namen auf verschiedene deutsche Institutionen des 19. Jahrhunderts zurückführen, zum Beispiel auf die 1877 eröffnete Neue Galerie Kassel. Eine besonders enge geistige Verwandtschaft verbindet die Neue Galerie New York jedoch mit dem kulturellen Milieu Mitteleuropas der Jahrhundertwende. Dort lag damals der Akzent überall auf dem Neuen. So taten sich 1909 Egon Schiele und mehrere seiner Künstlerkollegen zusammen, um die Neukunstgruppe zu bilden, und Schiele verfasste seinen Aufsatz "Neukünstler". Im selben Jahr lösten sich in München Wassily Kandinsky, Alfred Kubin und Alexej Jawlensky von der Münchner Sezession und gründeten die Neue Künstlervereinigung.

Die künstlerische Umbruchstimmung fand vor allem in die Namen kommerzieller Kunstgalerien Eingang. Ein wichtiger Vorreiter in dieser Hinsicht war Siegfried Bings 1885 in Paris gegründete Galerie "L'Art Nouveau". "Neue Kunst" war der Name der von Hans Goltz eröffneten Münchner Galerie, die Egon Schiele vertrat. 1923 gründete Otto Kallir die "Neue Galerie" in Wien, die die erste wichtige postume Schiele-Ausstellung zeigte. Kallirs Galerie - die unter allen Namensvettern unserem Museum in programmatischer Hinsicht am ähnlichsten war - repräsentierte auch Oskar Kokoschka und Alfred Kubin und zeigte regelmäßig Arbeiten von Gustav Klimt. (Kallir migrierte später nach New York, wo er die Galerie St. Etienne gründete. Den Künstlern, die er in Wien gefördert hatte, blieb er sein Leben lang verbunden. Sein Erbe ist von seiner Enkelin Jane Kallir und seiner früheren Mitarbeiterin Hildegard Bachert auf vorbildliche Weise weitergeführt worden.) Um die Liste der "Neuen Galerien" abzurunden, sollten noch zwei österreichische Museen erwähnt werden: die 1941 gegründete Neue Galerie Graz und die 1947 mit einer großen Alfred-Kubin-Ausstellung eröffnete Neue Galerie der Stadt Linz.

Der Name unseres Museums bringt somit eine zweifache Verbundenheit zum Ausdruck: zum einen mit der Stadt, die es beherbergt, und zum anderen mit der mitteleuropäischen Kultur, dem Hauptakzent seiner Sammlung und Ausstellungen. Um diese zwei Identitätskomponenten zu vereinen und zu betonen, liegt ein Schwerpunkt des Katalogs, der zur Eröffnung des Museums erscheint, auf der amerikanischen Rezeption der österreichischen und deutschen Kunst im 20. Jahrhundert. Nie zuvor ist dieser Bereich derart eingehend untersucht und dargestellt worden, und ich möchte an dieser Stelle den vielen Autoren meinen Dank und meine Anerkennung für ihre überaus wertvollen Beiträge aussprechen. Ebenso danke ich Karin Thomas für das aufwendige Lektorat, das der Katalog erforderte.

Die Erforschung der Beziehungen zwischen amerikanischer und deutscher beziehungsweise österreichischer Kultur im eben erst vergangenen Jahrhundert ist eine wichtige wissenschaftliche Aufgabe, der weiterhin beträchtliche Bemühungen gewidmet werden müssen. Schon in den Jahren nach 1920 gab es in Amerika ein ausgeprägtes Interesse an diesen beiden Kulturen. Die politischen Ereignisse im Zuge des Zweiten Weltkriegs ließen dieses jedoch auf ein Minimum sinken. Es ist eines der Ziele der Neuen Galerie New York, dieses Interesse neu zu wecken, Informationsdefizite auszugleichen und herausragende Beispiele dieser Kulturen dem amerikanischen Publikum - und nicht nur diesem - unter wissenschaftlichen und ästhetischen Gesichtspunkten zu präsentieren.

Am Beginn dieses chronologisch aufgebauten Katalogs steht eine Auswahl der bildenden Kunst Österreichs, die Patrick Werkner in seinem Aufsatz über das gesellschaftliche und künstlerische Klima Wiens um 1900 in einen historischen Kontext stellt. Ergänzt wird diese Darstellung durch Biografien der ausgestellten Künstler. Den Anfang macht der belgische Bildhauer und Grafiker George Minne, der sich schon früh an den Ausstellungen der Wiener Secession beteiligte und unbestreitbar einen starken Einfluss unter anderen auf Oskar Kokoschka und Egon Schiele ausübte. Die erste Abteilung schließt mit Kokoschka, der als ein Bindeglied zu Deutschland und dessen damaligen künstlerischen Entwicklungen betrachtet werden kann. (Kokoschka war zwar gebürtiger Österreicher, hatte aber seine erste Ausstellung 1910 in Berlin und hielt sich dort und später in Dresden häufig auf.) Der der deutschen bildenden Kunst gewidmete Teil des Katalogs beginnt mit Arbeiten Wilhelm Lehmbrucks und Lovis Corinths und findet seinen Abschluss mit Werken der Künstler, die mit der Brücke, dem Blauen Reiter, der Neuen Sachlichkeit und dem Bauhaus assoziiert, werden. Die zweite Hälfte des Katalogs ist schließlich der angewandten Kunst Österreichs und Deutschlands gewidmet. Während der österreichische Teil das Hauptgewicht auf das Wiener Kunstgewerbe um 1900 legt mit Beispielen von Otto Wagner, Adolf Loos und Künstlern, die im Rahmen der Wiener Werkstätte tätig waren, konzentriert sich der deutsche Teil auf die Bedeutung von Peter Behrens und des Bauhauses für die moderne Formgebung des 20. Jahrhunderts. Jeder biografische Essay wird mit einer Abbildung eingeleitet, die entweder die Einladungskarte oder den Katalogumschlag zur ersten Einzelausstellung oder - falls dies nicht gegeben war - zur ersten Beteiligung an einer Gruppenausstellung in den Vereinigten Staaten zeigt. Die Auswahl der Künstler in diesem Katalog ist nicht enzyklopädisch umfassend, sondern sie ist das Ergebnis einer langjährigen, nach persönlichen Kriterien aufgebauten Sammlung. Bedeutende Künstler wie Otto Mueller, Alexej Jawlensky, Paula Modersohn-Becker, Käthe Kollwitz und Ernst Barlach sind in der Sammlung zum Beispiel noch nicht vertreten. Da die Sammlung des Museums sich jedoch im steten Aufbau befindet, ist es durchaus möglich, dass sie in einem künftigen Katalog der Neuen Galerie zu finden sein werden.

Meine Beschäftigung mit der in der Neuen Galerie New York vertretenen Kunst geht auf meine langjährige Zusammenarbeit mit Serge Sabarsky zurück. Ich lernte Serge 1977 als Studentin am Barnard College der Columbia University in New York kennen. Davor hatte ich an der Wiener Universität Kunstgeschichte studiert. Er entwaffnete mich vom ersten Augenblick an mit seinem verschmitzten Humor und seinem Wiener Charme. Im Laufe der sieben Jahre, die ich an seiner Seite arbeitete, lernte ich seine ernsteren Charakterzüge kennen und bewundern, insbesondere seinen hingebungsvollen Einsatz für die deutsche und österreichische Kunst des frühen 20. Jahrhunderts. Serge ließ diese Kunst für mich lebendig werden.

In den letzten fünfzehn Jahren seines Lebens war Serge darum bemüht, in New York ein kleines Museum zu realisieren, das der Kunst, die er am meisten liebte, gewidmet sein sollte. Es ist für mich eine Ehre gewesen, an der Verwirklichung eines derart ehrgeizigen Projekts teilhaben zu können. Gerwald Sonnberger, mein geschätzter, lieber Kollege aus Österreich, hat mir in allen Entwicklungsphasen dieses Museums mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Ich möchte ihm und den vielen hilfsbereiten Freunden und Kollegen, die mir großzügig ihre Zeit und ihre Sachkenntnis bei diesem spannenden Unternehmen zur Verfügung gestellt haben, meinen tief empfundenen Dank aussprechen. Zu besonders großem Dank verpflichtet bin ich Ronald S. Lauder, unserem Mitbegründer und Präsidenten, für sein grenzenloses Vertrauen und für seine vorbehaltlose Ermutigung und Unterstützung.

Renée Price
Direktorin der Neuen Galerie New York
New York City
8. Juni 2001

Inhaltsverzeichnis

Autor Inhalt Seite
  DANK 7
Ronald S. Lauder Zum Geleit 8
Renée Price Vorwort 10
  WIEN UM 1900  
Patrick Werkner Die Wiener Moderne und ihre Künstler 14
Olaf Peters GEORGE MINNE 32
Jane Kallir ALFRED KUBIN 40
Marian Bisanz-Prakken GUSTAV KLIMT 48
Jane Kallir RICHARD GERSTL 68
Jane Kallir EGON SCHIELE 76
Keith Holz OSKAR KOKOSCHKA 104
  KOMMENTIERTES VERZEICHNIS DER EXPONATE 126
  DEUTSCHLAND NACH 1900  
Peter Selz Expressionismus und Nach-Expressionismus in der deutschen Malerei 136
Olaf Peters WILHELM LEHMBRUCK 146
Maria Makela WILHELM LEHMBRUCK 154
  DIE BRÜCKE  
Reinhold Heller ERNST LUDWIG KIRCHNER 164
Tayfun Beigin ERICH HECKEL 176
Rose-Carol Washton Long KARL SCHMIDT-ROTTLUFF 186
Keith Holz HERMANN MAX PECHSTEIN 194
Olaf Peters EMIL NOLDE 204
  DER BLAUE REITER  
Serge Sabarsky Deutsche Quelle der Moderne: Entstehen und Bestehen des Expressionismus 214
Reinhold Heller GABRIELE MUNTER 218
Vivian Endicott Barnett WASSILY KANDINSKY 230
Olaf Peters FRANZ MARC 244
Olaf Peters AUGUST MACKE 252
Pamela Kort Die Mythen des Expressionismus in Amerika 260
  DADA UND NEUE SACHLICHKEIT  
Olaf Peters MAX BECKMANN 296
Olaf Peters OTTO DIX 310
Olaf Peters CHRISTIAN SCHAD 320
Barbara McCloskey GEORGE GROSZ 326
Karin Orchard KURT SCHWITTERS 340
  BAUHAUS  
Magdalena Droste LASZLO MOHOLY-NAGY 352
Barbara McCloskey LYONEL FEININGER 360
Christine Hopfengart PAUL KLEE 370
Kann von Maur OSKAR SCHLEMMER 382
  KOMMENTIERTES VERZEICHNIS DER EXPONATE 392
  WIENER KUNSTGEWERBE UM 1900  
Christian Witt-Dörring Das Objekt als Subjekt. Wiener Kunstgewerbe um 1900 404
  EXPONATE 412
  KOMMENTIERTES VERZEICHNIS DER EXPONATE 460
Anne-Katrin Rossberg OTTO WAGNER 472
Burkhardt Rukschcio ADOLF LOOS 476
Leslie Topp JOSEF HOFFMANN 480
Elisabeth Schmuttermeier EDUARD JOSEF WIMMER-WISGRILL 487
Elisabeth Schmuttermeier KOLOMAN MOSER 491
Anne-Katrin Rossberg JUTTA SIKA 495
Anne-Katrin Rossberg THERESE TRETHAN 498
Matthias Boeckl OTTO PRUTSCHER 500
Anne-Katrin Rossberg HANS PRUTSCHER 503
Markus Kristan JOSEPH URBAN 505
Anne-Katrin Rossberg DAGOBERT PECHE 510
  KUNSTGEWERBE UND ARCHITEKTUR IN DEUTSCHLAND 1890-1931  
Laurie A. Stein Kultur, Stil und die Autonomie des Objekt 516
  EXPONATE 524
  KOMMENTIERTES VERZEICHNIS DER EXPONATE 544
Laurie A. Stein PETER BEHRENS 548
Manfred Ludewig und Magdalena Droste MARCEL BREUER 553
Franz Schulze LUDWIG MIES VAN DER ROHE 557
Manfred Ludewig und Magdalena Droste MARIANNE BRANDT 562
Manfred Ludewig und Magdalena Droste THEODOR BOGLER 565
Manfred Ludewig und Magdalena Droste WILHELM WAGENFELD 569
Anne-Katrin Rossberg HANS PRZYREMBEL 570
Leslie Topp Momente der Rezeption der deutschen und österreichischen dekorativen Künste des frühen 20. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten 572
  Bibliografie 584
  Register 592
  Fotonachweis 598
  Copyrightnachweis 599

Über Renée Price

Renee Price ist Leiterin der Neuen Galerie New York.

Über Dr. Pamela Kort

Dr. Pamela Kort, Kunsthistorikerin aus New York, ist Associate Curator in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt und Autorin zahlreicher Katalogbeiträge über Baselitz, Beuys, Immendorff und Lüpertz.

Details

Herausgeberin: Renee Price
Texte: Dr. Pamela Kort und Leslie Topp
Verlag: DuMont Buchverlag, Köln
Auflage: Erstauflage
Jahr: 12.03.2002
Seitenanzahl: 600 Seiten
Buchart: Hardcover
Abbildungen: 320 S/W- und 195 Farbabbildungen
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-8321-5881-2
ISBN 13: 978-3-8321-5881-1
Größe: ca. 290 x 248 x 52 mm
Gewicht: ca. 3.100 Gramm
Zustand: neu, ungelesen

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