Neue Welten. DE + AT Kunst 1890-1940
|
|
Beschreibung
Renée Price (Hrsg.)
Neue Welten
Deutsche und österreichische Kunst 1890-1940
Dieser Katalog, die erste Ausstellungspublikation der Neuen Galerie in New York, beleuchtet die bildende und die dekorative Kunst in Deutschland, Österreich und der Schweiz zwischen 1890 und 1940. Er bietet eine Übersicht über Werke von 26 bildenden und 18 kunsthandwerklich arbeitenden Künstlern und dokumentiert die Rezeption ihrer Arbeiten im Amerika des 20. Jahrhunderts.
Der chronologische Blick beginnt mit dem kulturellen Klima Wiens um 1900, als Maler wie Klimt, Schiele, Gerstl und Kokoschka ebenso wie die funktionale Eleganz der Kreationen aus den Wiener Werkstätten Kunst und Kunstgewerbe zu frühen herausragenden Positionen der Moderne führten. Kokoschka ist das Bindeglied zum deutschen Expressionismus, der in Dresden von den Künstlern der Brücke, in München vom Blauen Reiter ausgeht. Der Geist des Aufbruchs, der sich im Expressionismus erstmals manifestiert, setzt sich fort in Dada und Neuer Sachlichkeit, in der Merzkunst von Schwitters und in den vielschichtigen Aktivitäten des Bauhauses. Die Verfemung der Moderne im Dritten Reich führte viele österreichische und deutsche Künstler der Avantgarde in die Neue Welt, und nicht zuletzt durch ihren Einfluss gehen nach dem Zweiten Weltkrieg von Amerika wichtige Impulse auf den europäischen Kontinent aus.
Unter anderem sind folgende Künstler enthalten: Peter Behrens, Vassily Kandinsky, Paul Klee, Gustav Klimt, Oskar Kokoschka, Wilhelm Lehmbruck, Adolf Loos, Egon Schiele und Otto Wagner.
Katalog der Neuen Galerie in New York zur Ausstellung 16. November 2001 bis 18. Februar 2002.
Vorwort
Oft werden wir nach dem Ursprung des Namens unseres neu eröffneten Museums gefragt. Man kann diesen Namen auf verschiedene deutsche Institutionen des 19. Jahrhunderts zurückführen, zum Beispiel auf die 1877 eröffnete Neue Galerie Kassel. Eine besonders enge geistige Verwandtschaft verbindet die Neue Galerie New York jedoch mit dem kulturellen Milieu Mitteleuropas der Jahrhundertwende. Dort lag damals der Akzent überall auf dem Neuen. So taten sich 1909 Egon Schiele und mehrere seiner Künstlerkollegen zusammen, um die Neukunstgruppe zu bilden, und Schiele verfasste seinen Aufsatz "Neukünstler". Im selben Jahr lösten sich in München Wassily Kandinsky, Alfred Kubin und Alexej Jawlensky von der Münchner Sezession und gründeten die Neue Künstlervereinigung.
Die künstlerische Umbruchstimmung fand vor allem in die Namen kommerzieller Kunstgalerien Eingang. Ein wichtiger Vorreiter in dieser Hinsicht war Siegfried Bings 1885 in Paris gegründete Galerie "L'Art Nouveau". "Neue Kunst" war der Name der von Hans Goltz eröffneten Münchner Galerie, die Egon Schiele vertrat. 1923 gründete Otto Kallir die "Neue Galerie" in Wien, die die erste wichtige postume Schiele-Ausstellung zeigte. Kallirs Galerie - die unter allen Namensvettern unserem Museum in programmatischer Hinsicht am ähnlichsten war - repräsentierte auch Oskar Kokoschka und Alfred Kubin und zeigte regelmäßig Arbeiten von Gustav Klimt. (Kallir migrierte später nach New York, wo er die Galerie St. Etienne gründete. Den Künstlern, die er in Wien gefördert hatte, blieb er sein Leben lang verbunden. Sein Erbe ist von seiner Enkelin Jane Kallir und seiner früheren Mitarbeiterin Hildegard Bachert auf vorbildliche Weise weitergeführt worden.) Um die Liste der "Neuen Galerien" abzurunden, sollten noch zwei österreichische Museen erwähnt werden: die 1941 gegründete Neue Galerie Graz und die 1947 mit einer großen Alfred-Kubin-Ausstellung eröffnete Neue Galerie der Stadt Linz.
Der Name unseres Museums bringt somit eine zweifache Verbundenheit zum Ausdruck: zum einen mit der Stadt, die es beherbergt, und zum anderen mit der mitteleuropäischen Kultur, dem Hauptakzent seiner Sammlung und Ausstellungen. Um diese zwei Identitätskomponenten zu vereinen und zu betonen, liegt ein Schwerpunkt des Katalogs, der zur Eröffnung des Museums erscheint, auf der amerikanischen Rezeption der österreichischen und deutschen Kunst im 20. Jahrhundert. Nie zuvor ist dieser Bereich derart eingehend untersucht und dargestellt worden, und ich möchte an dieser Stelle den vielen Autoren meinen Dank und meine Anerkennung für ihre überaus wertvollen Beiträge aussprechen. Ebenso danke ich Karin Thomas für das aufwendige Lektorat, das der Katalog erforderte.
Die Erforschung der Beziehungen zwischen amerikanischer und deutscher beziehungsweise österreichischer Kultur im eben erst vergangenen Jahrhundert ist eine wichtige wissenschaftliche Aufgabe, der weiterhin beträchtliche Bemühungen gewidmet werden müssen. Schon in den Jahren nach 1920 gab es in Amerika ein ausgeprägtes Interesse an diesen beiden Kulturen. Die politischen Ereignisse im Zuge des Zweiten Weltkriegs ließen dieses jedoch auf ein Minimum sinken. Es ist eines der Ziele der Neuen Galerie New York, dieses Interesse neu zu wecken, Informationsdefizite auszugleichen und herausragende Beispiele dieser Kulturen dem amerikanischen Publikum - und nicht nur diesem - unter wissenschaftlichen und ästhetischen Gesichtspunkten zu präsentieren.
Am Beginn dieses chronologisch aufgebauten Katalogs steht eine Auswahl der bildenden Kunst Österreichs, die Patrick Werkner in seinem Aufsatz über das gesellschaftliche und künstlerische Klima Wiens um 1900 in einen historischen Kontext stellt. Ergänzt wird diese Darstellung durch Biografien der ausgestellten Künstler. Den Anfang macht der belgische Bildhauer und Grafiker George Minne, der sich schon früh an den Ausstellungen der Wiener Secession beteiligte und unbestreitbar einen starken Einfluss unter anderen auf Oskar Kokoschka und Egon Schiele ausübte. Die erste Abteilung schließt mit Kokoschka, der als ein Bindeglied zu Deutschland und dessen damaligen künstlerischen Entwicklungen betrachtet werden kann. (Kokoschka war zwar gebürtiger Österreicher, hatte aber seine erste Ausstellung 1910 in Berlin und hielt sich dort und später in Dresden häufig auf.) Der der deutschen bildenden Kunst gewidmete Teil des Katalogs beginnt mit Arbeiten Wilhelm Lehmbrucks und Lovis Corinths und findet seinen Abschluss mit Werken der Künstler, die mit der Brücke, dem Blauen Reiter, der Neuen Sachlichkeit und dem Bauhaus assoziiert, werden. Die zweite Hälfte des Katalogs ist schließlich der angewandten Kunst Österreichs und Deutschlands gewidmet. Während der österreichische Teil das Hauptgewicht auf das Wiener Kunstgewerbe um 1900 legt mit Beispielen von Otto Wagner, Adolf Loos und Künstlern, die im Rahmen der Wiener Werkstätte tätig waren, konzentriert sich der deutsche Teil auf die Bedeutung von Peter Behrens und des Bauhauses für die moderne Formgebung des 20. Jahrhunderts. Jeder biografische Essay wird mit einer Abbildung eingeleitet, die entweder die Einladungskarte oder den Katalogumschlag zur ersten Einzelausstellung oder - falls dies nicht gegeben war - zur ersten Beteiligung an einer Gruppenausstellung in den Vereinigten Staaten zeigt. Die Auswahl der Künstler in diesem Katalog ist nicht enzyklopädisch umfassend, sondern sie ist das Ergebnis einer langjährigen, nach persönlichen Kriterien aufgebauten Sammlung. Bedeutende Künstler wie Otto Mueller, Alexej Jawlensky, Paula Modersohn-Becker, Käthe Kollwitz und Ernst Barlach sind in der Sammlung zum Beispiel noch nicht vertreten. Da die Sammlung des Museums sich jedoch im steten Aufbau befindet, ist es durchaus möglich, dass sie in einem künftigen Katalog der Neuen Galerie zu finden sein werden.
Meine Beschäftigung mit der in der Neuen Galerie New York vertretenen Kunst geht auf meine langjährige Zusammenarbeit mit Serge Sabarsky zurück. Ich lernte Serge 1977 als Studentin am Barnard College der Columbia University in New York kennen. Davor hatte ich an der Wiener Universität Kunstgeschichte studiert. Er entwaffnete mich vom ersten Augenblick an mit seinem verschmitzten Humor und seinem Wiener Charme. Im Laufe der sieben Jahre, die ich an seiner Seite arbeitete, lernte ich seine ernsteren Charakterzüge kennen und bewundern, insbesondere seinen hingebungsvollen Einsatz für die deutsche und österreichische Kunst des frühen 20. Jahrhunderts. Serge ließ diese Kunst für mich lebendig werden.
In den letzten fünfzehn Jahren seines Lebens war Serge darum bemüht, in New York ein kleines Museum zu realisieren, das der Kunst, die er am meisten liebte, gewidmet sein sollte. Es ist für mich eine Ehre gewesen, an der Verwirklichung eines derart ehrgeizigen Projekts teilhaben zu können. Gerwald Sonnberger, mein geschätzter, lieber Kollege aus Österreich, hat mir in allen Entwicklungsphasen dieses Museums mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Ich möchte ihm und den vielen hilfsbereiten Freunden und Kollegen, die mir großzügig ihre Zeit und ihre Sachkenntnis bei diesem spannenden Unternehmen zur Verfügung gestellt haben, meinen tief empfundenen Dank aussprechen. Zu besonders großem Dank verpflichtet bin ich Ronald S. Lauder, unserem Mitbegründer und Präsidenten, für sein grenzenloses Vertrauen und für seine vorbehaltlose Ermutigung und Unterstützung.
Renée Price
Direktorin der Neuen Galerie New York
New York City
8. Juni 2001
Inhaltsverzeichnis
| Autor | Inhalt | Seite |
| DANK | 7 | |
| Ronald S. Lauder | Zum Geleit | 8 |
| Renée Price | Vorwort | 10 |
| WIEN UM 1900 | ||
| Patrick Werkner | Die Wiener Moderne und ihre Künstler | 14 |
| Olaf Peters | GEORGE MINNE | 32 |
| Jane Kallir | ALFRED KUBIN | 40 |
| Marian Bisanz-Prakken | GUSTAV KLIMT | 48 |
| Jane Kallir | RICHARD GERSTL | 68 |
| Jane Kallir | EGON SCHIELE | 76 |
| Keith Holz | OSKAR KOKOSCHKA | 104 |
| KOMMENTIERTES VERZEICHNIS DER EXPONATE | 126 | |
| DEUTSCHLAND NACH 1900 | ||
| Peter Selz | Expressionismus und Nach-Expressionismus in der deutschen Malerei | 136 |
| Olaf Peters | WILHELM LEHMBRUCK | 146 |
| Maria Makela | WILHELM LEHMBRUCK | 154 |
| DIE BRÜCKE | ||
| Reinhold Heller | ERNST LUDWIG KIRCHNER | 164 |
| Tayfun Beigin | ERICH HECKEL | 176 |
| Rose-Carol Washton Long | KARL SCHMIDT-ROTTLUFF | 186 |
| Keith Holz | HERMANN MAX PECHSTEIN | 194 |
| Olaf Peters | EMIL NOLDE | 204 |
| DER BLAUE REITER | ||
| Serge Sabarsky | Deutsche Quelle der Moderne: Entstehen und Bestehen des Expressionismus | 214 |
| Reinhold Heller | GABRIELE MUNTER | 218 |
| Vivian Endicott Barnett | WASSILY KANDINSKY | 230 |
| Olaf Peters | FRANZ MARC | 244 |
| Olaf Peters | AUGUST MACKE | 252 |
| Pamela Kort | Die Mythen des Expressionismus in Amerika | 260 |
| DADA UND NEUE SACHLICHKEIT | ||
| Olaf Peters | MAX BECKMANN | 296 |
| Olaf Peters | OTTO DIX | 310 |
| Olaf Peters | CHRISTIAN SCHAD | 320 |
| Barbara McCloskey | GEORGE GROSZ | 326 |
| Karin Orchard | KURT SCHWITTERS | 340 |
| BAUHAUS | ||
| Magdalena Droste | LASZLO MOHOLY-NAGY | 352 |
| Barbara McCloskey | LYONEL FEININGER | 360 |
| Christine Hopfengart | PAUL KLEE | 370 |
| Kann von Maur | OSKAR SCHLEMMER | 382 |
| KOMMENTIERTES VERZEICHNIS DER EXPONATE | 392 | |
| WIENER KUNSTGEWERBE UM 1900 | ||
| Christian Witt-Dörring | Das Objekt als Subjekt. Wiener Kunstgewerbe um 1900 | 404 |
| EXPONATE | 412 | |
| KOMMENTIERTES VERZEICHNIS DER EXPONATE | 460 | |
| Anne-Katrin Rossberg | OTTO WAGNER | 472 |
| Burkhardt Rukschcio | ADOLF LOOS | 476 |
| Leslie Topp | JOSEF HOFFMANN | 480 |
| Elisabeth Schmuttermeier | EDUARD JOSEF WIMMER-WISGRILL | 487 |
| Elisabeth Schmuttermeier | KOLOMAN MOSER | 491 |
| Anne-Katrin Rossberg | JUTTA SIKA | 495 |
| Anne-Katrin Rossberg | THERESE TRETHAN | 498 |
| Matthias Boeckl | OTTO PRUTSCHER | 500 |
| Anne-Katrin Rossberg | HANS PRUTSCHER | 503 |
| Markus Kristan | JOSEPH URBAN | 505 |
| Anne-Katrin Rossberg | DAGOBERT PECHE | 510 |
| KUNSTGEWERBE UND ARCHITEKTUR IN DEUTSCHLAND 1890-1931 | ||
| Laurie A. Stein | Kultur, Stil und die Autonomie des Objekt | 516 |
| EXPONATE | 524 | |
| KOMMENTIERTES VERZEICHNIS DER EXPONATE | 544 | |
| Laurie A. Stein | PETER BEHRENS | 548 |
| Manfred Ludewig und Magdalena Droste | MARCEL BREUER | 553 |
| Franz Schulze | LUDWIG MIES VAN DER ROHE | 557 |
| Manfred Ludewig und Magdalena Droste | MARIANNE BRANDT | 562 |
| Manfred Ludewig und Magdalena Droste | THEODOR BOGLER | 565 |
| Manfred Ludewig und Magdalena Droste | WILHELM WAGENFELD | 569 |
| Anne-Katrin Rossberg | HANS PRZYREMBEL | 570 |
| Leslie Topp | Momente der Rezeption der deutschen und österreichischen dekorativen Künste des frühen 20. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten | 572 |
| Bibliografie | 584 | |
| Register | 592 | |
| Fotonachweis | 598 | |
| Copyrightnachweis | 599 |
Über Renée Price
Renee Price ist Leiterin der Neuen Galerie New York.
Über Dr. Pamela Kort
Dr. Pamela Kort, Kunsthistorikerin aus New York, ist Associate Curator in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt und Autorin zahlreicher Katalogbeiträge über Baselitz, Beuys, Immendorff und Lüpertz.
Details
Herausgeberin: Renee Price
Texte: Dr. Pamela Kort und Leslie Topp
Verlag: DuMont Buchverlag, Köln
Auflage: Erstauflage
Jahr: 12.03.2002
Seitenanzahl: 600 Seiten
Buchart: Hardcover
Abbildungen: 320 S/W- und 195 Farbabbildungen
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-8321-5881-2
ISBN 13: 978-3-8321-5881-1
Größe: ca. 290 x 248 x 52 mm
Gewicht: ca. 3.100 Gramm
Zustand: neu, ungelesen
Vorabzusendung des Registers per E-Mail im Textformat möglich. Bitte fragen Sie uns einfach danach.







