100 Jahre Cadinen Majolika - Des Kaisers Keramik

 

6,00 EUR

ISBN: 9783898761291  

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Beschreibung

Dr. Jörn Barfod
Des Kaisers Keramik
100 Jahre Königliche Majolika-Werkstätten Cadinen

Majolika, bemalte und glasierte Tonwaren im spanischen oder italienischen Stil, entwickelten sich um 1900 zu einem beliebten Modeartikel, dem die zeitgenössische Hinwendung zum Kunsthandwerk entgegenkam. Auf seinem Gut Cadinen gründete der deutsche Kaiser Wilhelm II. eine Majolikawerkstatt, die ihre Produkte wie z. B. antikisierende Vasen, Reliefe oder von Künstlern entworfene Tierplastiken international vertrieb. Sogar noch über die Kaiserzeit hinaus dem Geschmack ihres Gründers und Besitzers verbunden, wurde Majolika aus Cadinen zu einem Markennamen. Durch die fundierten und kenntnisreichen Einführungen in das Thema durch Jörn Barfod und Frank Heidrich wird ein tiefer Einblick in die zeitgenössische Kunsthandwerksproduktion auf höchstem Niveau erlaubt. Der Katalog präsentiert zudem zahlreiche besondere Stücke aus der Cadiner Produktion, somit einen herausragenden Aspekt ostpreußischer Kunst- und Heimatgeschichte.

 

Zur Ausstellung

Cadiner Keramik hat seit ihrer Entstehung nichts an ihren Reiz verloren, sondern nur dazu gewonnen. Bestätigt haben dies die vielen Besucher der Ausstellung "100 Jahre Cadiner Keramik 1903 - 2003" die vom 04. Juli bis zum 19. Oktober 2003 im Ostpreußischen Landesmuseum stattfand.

Viele Sammler, Liebhaber und Interessierte ließen es sich nicht nehmen die größte Ausstellung Cadiner Keramik seit 1945 zu genießen. Über 250 Exponate werden gezeigt. Hierbei handelt es sich um Objekte aus der ständigen Ausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums, insbesondere aber um Leihgaben aus Privatsammlungen.

Der größte Teil wurde von Helmut Niederhaus zur Verfügung gestellt, ein leidenschaftlicher Sammler seit 1960, der während der Ausstellungseröffnung zu jedem seiner Exponate eine Geschichte erzählen konnte.
Museumsdirektor Dr. Ronny Kabus bezeichnete die Cadiner Erzeugnisse mit den Worten: "Schlichtheit, Eleganz und Glanz der Ostpreußischen Kunst."

Er bedankte sich für die großzügigen Leihgaben und allen Mitarbeitern, die zu dieser großartigen Ausstellung beigetragen haben. Insbesondere auch bei Dr. Jörn Barfod, Kustos des Ostpreußischen Landesmuseums und Autor der Ausstellung.

Bei der Ausstellungseröffnung erlebten die Besucher Geschichte "hautnah". Gezeigt wurden Sequenzen des UFA-Kulturfilms "Kunst aus Erde" von 1938, der detailliert die Herstellung Cadiner Keramik darstellte. Vom Ton abtragen über die Formerei und Glasierung bis hin zum Versand in die ganze Welt. Eines wurde deutlich: die Herstellung hoher dünnwandiger Vasen erforderte jahrelange Übung und Fingerspitzengefühl.
Dr. Jörn Barfod, der das Begleitheft "Des Kaisers Keramik - 100 Jahre Königliche Majolika-Werkstätten Cadinen" zusammengestellt hat, erläuterte die besondere Entstehungsgeschichte der "Majolika-Werkstatt Cadinen": Cadinen liegt nördlich von Elbing, umringt von einer der schönsten Landschaften Ostpreußens. Zu Cadinen gehörte ein landwirtschaftlicher Betrieb, ein großer Forst, Tongruben und eine Ziegelei. Außerdem gab es ein Töpfereizentrum in der nahe gelegenen Kleinstadt Tolkemit.

Seit 1898 befand sich das Gut Cadinen im Besitz Kaiser Wilhelm II. und wurde Sommersitz der Familie. Die Landwirtschaft wurde von Wilhelm II. zum Musterbetrieb ausgebaut und es wurde eine moderne Dampfziegelei errichtet.

Durch die künstlerische Neigung Wilhelm II. und dem Bestreben, den von Arbeitslosigkeit bedrohten Töpfern der Gegend Arbeit zu verschaffen, ließ er 1903 eine Manufaktur für Terrakotta und Majolika einrichten.

Begonnen wurde mit der Herstellung von Gefäßen und figürlichen Reliefs . Bis 1945 bestand die Manufaktur und ist fester Bestandteil Ost- und Westpreußischer Kulturgeschichte. Das historische Interesse wird von der polnischen Bevölkerung geteilt.

Der Name "Majolika" leitet sich von Mallorca ab und bezeichnete ursprünglich italienische, weiß und farbig glasierte Keramik. Die Vasen wurden nach Vorbildern der italienischen Renaissance oder mit Renaissance-Motiven hergestellt.

Majolika ist im Zuge des Historismus zur Mode geworden. Es sollten feingliederigere Sachen als Backstein hergestellt werden. Auf alten Photos sieht man, dass anfangs Vasen und Figürliches, Terrakotta und unglasierte Objekte hergestellt wurden.

Viele Künstler aus dem Kreis der Berliner Kunstakademie wurden von Wilhelm II. beauftragt Entwürfe für die Majolikawerkstatt Cadinen zu kreieren. Jedes Stück, jeder neuer Entwurf brauchte die Genehmigung des Kaisers. Dadurch ist jetzt nachvollziehbar welchen Kunstgeschmack er hatte.

Bis 1918 entwickelte sich auch die aufwendige Baukeramik. Es entstanden oft ganze Raumdekorationen, wovon die meisten im 2. Weltkrieg zum Opfer gefallen sind. Das besondere der Cadiner Keramik ist auch, dass die Herstellung zu Kaisers Zeiten nicht gewinnorientiert war.

Nach der Abdankung des Kaisers musste Cadinen sehen was es machen wollte. Ab 1918 wurden viele Gebrauchstücke wie Vasen, Kaffeegeschirr und Kachelöfen hergestellt und auch die Baustoffproduktion ging weiter.

Mitte der 20er Jahre wehte ein neuer Wind in die Produktion. Es entstanden ähnliche Stücke wie um 1910 aber auch neue expressive Stile wurden umgesetzt. 1927 entstand der beispielhafte klassische Farbdreiklang der Cadiner Farben: Rotbraun, Blau, und Gold.

Keramik wurde in Cadinen bis in die späten 30er Jahre manuell hergestellt, Dadurch erlangten die Erzeugnisse eine hohe Individualität und eine breite Produktionspalette. Es wurde keine Massenware hergestellt, es tauchten immer wieder neue Modelle auf.

Um 1930 entstand die breite Palette von Tierkeramik, die zur Bekanntheit der Cadiner Keramik wesentlich beitrug. Diese Kunstperiode lässt sich bis 1944 nachweisen. Das Ende der Majolika-Werkstatt Cadinen kam mit dem Ende des 2. Weltkrieges durch den Einzug der russischen Armee. Die Baustoffproduktion blieb erhalten.

Zum Autor Dr. Jörn Barfod

Nach einem Studium der Kunstgeschichte, Volkskunde und Ur- und Frühgeschichte war Dr. Jörn Barfod, Jahrgang 1956, zunächst als freier Mitarbeiter am Städtischen Museum Flensburg tätig. Seit 1985 ist er Kustos des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg.
Er hat zahlreiche Schriften im Bereich Kunst, Kunstgeschichte und Volkskunde Schleswig-Holsteins und Ostpreußens veröffentlicht, darunter mehrere Bücher im Husum Verlag.

Details

Autor: Dr. Jörn Barfod
Verlag: Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum
Auflage: Erstauflage
Jahr: 07/2003
Seitenanzahl: 48 Seiten
Buchart: Paperback
Abbildungen: zahlreiche meist farbige Abb.
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-89876-129-0
ISBN 13: 978-3-89876-129-1
Größe: ca. 200 x 210 mm
Gewicht: ca. 200 Gramm
Zustand: neu, ungelesen
Besonderheit: einziges Buch, was zu Keramik aus Cadinen erhältlich ist