Die Fuldaer Fayence-Manufaktur (1741–1760)

 

19,95 EUR

ISBN: 9783731902225  

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Beschreibung

Gregor K. Stasch (Hrsg.)
made in FD
Spitzentechnologie aus der Fuldaer Fayence-Manufaktur (1741–1760)

Die Fuldaer Fayence-Manufaktur (1741–1760) war zwar eine der kleinsten deutschen Keramikwerkstätten, aber eine der bedeutendsten, die unter den damaligen deutschen Manufakturen an der Spitze der technischen Entwicklung stand. Als Folge des Siebenjährigen Krieges und der daraus resultierenden wirtschaftlichen Katastrophe wurde sie 1760 geschlossen. Der Katalog und die Ausstellung dokumentieren die Geschichte und die Technologie der Fayence in Europa und speziell in Fulda.

Interessant hierzu ist die weitere Literatur zu Adam Friedrich von Löwenfinck aus unserem Angebot: Phantastische Welten | Malerei auf Meissener Porzellan und deutschen Fayencen von Adam Friedrich von Löwenfinck (ISBN: 978-3-89790-341-8)

 

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Inhaltsverzeichnis

Autor Inhalt Seite
Gregor K. Stasch Vorwort 7
  Einleitung: Stand der Forschung / Geschichte der Fayence 11
Marino Maggetti Europäische Fayencetechnik im 18. Jahrhundert 26
Gregor K. Stasch Zur Geschichte der Fuldaer Fayence-Manufaktur 41
  Die Fayencemacher – Maler, Bossierer und Fabrikanten 85
Marino Maggetti Naturwissenschaftliche Charakterisierung von Fayencen aus Fulda 125
  Bibliographie 155

Zur Ausstellung

Made in FD
Spitzentechnologie aus der Fuldaer Fayence-Manufaktur (1741-1760)
13. März bis 31. Mai 2015
Vonderau Museum Fulda


Seit der Schließung der Fuldaer Fayence-Manufaktur sind gerade einmal 250 Jahre vergangen. In den Wirren des Siebenjährigen Krieges und der damit verbundenen wirtschaftlichen Katastrophe ging eine der bedeutendsten, wenn auch eine der kleinsten deutschen Fayence-Manufakturen zugrunde. Zur Erforschung ihrer Geschichte gibt es bisher unzählige Beiträge, die im Rahmen größerer Zusammenhänge Teilaspekte kursorisch, selten auch ausführlicher behandeln, doch monographisch wurde das Thema, von zwei bis drei ernsthaften Versuchen abgesehen, nicht verwirklicht.

Einen neuen Forschungsansatz soll die vom Vonderau Museum Fulda für das Jahr 2015 vorbereitete Ausstellung zur Fuldaer Fayence-Manufaktur bieten. Ausgehend von einer kritischen Durchsicht des durch Signaturen oder Marken gesicherten und der Manufaktur sonst zugewiesenen Materials, das in den letzten JaAdam Friedrich von Löwenfinck Hirschreiterin-Service, Teller Fuldaer Fayence, vor 1745 Bayerisches Nationalmuseum Münchenhren durch archäologische Funde in einigen Bereichen gestützt wird, über erneute Erforschung der schriftlichen Überlieferung und aufgrund des inzwischen weit schneller als für Fulda fortgeschrittenen Stands der Erforschung zahlreicher zeitgenössischer Manufakturen wird als Ergebnis der Ausstellung eine neue Monographie zur Fabrikgeschichte und ein detaillierter Katalog der Produkte erarbeitet. Die Ausstellung ist damit ein Versuch, eine wichtige Forschungslücke zu schließen, zumal die Fuldaer Manufaktur in Bezug auf die Technologie der Fayencebemalung, insbesondere in ihren Anfängen unter den damaligen deutschen Manufakturen an der Spitze der Entwicklung stand. So wird die Sonderschau geeignet sein, dem interessierten Besucher gleichzeitig die einstige Bedeutung der Fuldaer Fayencen, die vor allem vor Ort fast in Vergessenheit geraten sind, zu vermitteln.

Adam Friedrich von Löwenfinck

Der Gründung der Manufaktur in Fulda gingen seit Herbst 1740 Versuche des unter anderem in Delft ausgebildeten und hier Adam Friedrich von Löwenfinck Bildplatte mit Darstellung Jesu im Tempel, Fuldaer Fayence, vor 1745 ZürichPorcilainmacher genannten Christian Ruprecht voraus. Die wohl unbefriedigenden Ergebnisse gaben dem Fuldaer Fürstabt Amand von Buseck (1737-1756, seit 1752 Fürstbischof) Anlass, sich nach neuen Lösungen umzusehen. Kurz nach Entlassung Ruprechts traf daher am 18. Februar 1741 der wenige Jahre zuvor aus Meißen entflohene, berühmte Schmelzmaler Adam Friedrich von Löwenfinck ein. Mit Löwenfinck gelangte die bald vom Fürstabt gegründete Fabrik zu hoher künstlerischer Blüte und bot vielen damals bedeutenden Künstlern Aufnahme oder auch einmalige Entwicklungsmöglichkeiten. Auch wenn von Löwenfinck EndeWenzel Neu Chronos als Taschenuhrständer Fuldaer Fayence, um 1745 Museumslandschaft Hessen Kassel 1744 Fulda für immer verlassen hatte und ihm spätestens 1746 eine Reihe wichtiger Meister nach Höchst gefolgt waren, so blieben in der Fuldaer Manufaktur doch noch genug fähige Mitarbeiter, z.B. der Modelleur Wenzel Neu, der wahrscheinlich die Leitung übernommen hatte, die ihr Fortbestehen ermöglichten.

Georg Friedrich Hess

Einen neuen Aufschwung erlebte die Manufaktur, als Anfang 1751 Georg Friedrich Hess mit seinem Sohn Ignaz aus Höchst zurückgekehrt war und alsbald praktisch die technische Leitung übernahm. Die Tatsache, dass der berühmte Fayencemaler Joseph Philipp Dannhöfer in den Jahren 1751, 1752 und 1757/58 in Fulda tätig war, ist auch ein Beleg für die damalige Bedeutung des Unternehmens, das unter fürstlicher Regie geführt, zwar kaum mit finanziellen Problemen konfrontiert wurde, aber auch nicht wirtschaftlich arbeiten konnte.

Die Situation der Fabrik änderte sich 1756 mit dem Tod des Gründers, Fürstbischof Amand von Buseck, und mit dem bald folgenden Ausbruch des Siebenjährigen Krieges schlagartig. Zwar versuchte der damalige Verwalter Georg Friedrich Hess die Fabrik in Pacht zu übernehmen und auf eigene Rechnung zu führen, zog aber Anfang 1759 sein Angebot zurück. Diese Entscheidung bedeutete praktisch das endgültige Ende der Fuldaer Fayence-Manufaktur, die spätestens Anfang 1760 den Betrieb eingestellt hatte und in den folgenden Monaten abgewickelt wurde.

Als Fabrikmarke wurde in Fulda, ähnlich vielen der damaligen Fuldaer Fabrikmarke: FD darunter Malermarke: CM für Christian MüllerFayence-Manufakturen, ein Buchstabenpaar aus der Orts- bzw. LandbezGeorg Friedrich Hess Doppelkürbisvase mit indianischen Blumen Fuldaer Fayence, nach 1751 Hetjens-Museum, Düsseldorfeichnung verwendet: ein “FD”-Zeichen in Mangan oder Blau, das in der Regel auf dem Boden aufgemalt wurde. Nicht selten erscheinen unterhalb eines Längsstrichs das Monogramm des Malers und gelegentlich auch das Herstellungsjahr.

Die Bedeutung der Fuldaer Fayencemanufaktur

In Fulda gelang es Adam Friedrich von Löwenfinck zum ersten Mal nach der Flucht aus Meissen eine Produktionsstätte zu gründen, in der manufakturmäßig Fayencen mit einer bunten Palette von Emaillefarben dekoriert werden konnten und somit, als ausgesprochene Schmuckware, den echten Porzellanen aus China und Meissen Konkurenz machen konnten. Auf dem Weg von karg mit den sog. Scharffeuerfarben (Blau, Mangan, Gelb und Grün) bemalten Waren zu den reich mit Muffelofenfarben verzierten Fayencen markiert die Fuldaer Fabrik des Abtes Amand von Buseck und des Erfinders Adam Friedrich von Löwenfinck keinen gradiellen Fortschritt, sondern bedeutet eine technologische Wende.

Nicht unerwähnt, weil auch durch archöologische Funde belegt, dürfen die Versuche bleiben, die zur Nacherfindung des echten Porzellans in Fulda führen sollten. Zwar gelang es nur ein sog. Frittenporzellan, wie es auch in Chantilly produziert wurde, herzustellen und auch das wohl in nur wenigen Exemplaren (Kunstgewerbemuseum Berlin und Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg).

Schon die Zeitgenossen erkannten die Besonderheit der damals nur in Fulda produzierten Ware, die durch ausländische Händler zu sehr hohen Preisen erworben und über die deutschen Grenzen hinaus transportiert wurde.

... und auch heute stehen diese Objekte wegen ihrer herausragenden Qualität und Seltenheit an herausgehobenen Standorten in vielen renommierten Museen der Welt (z.B. The Metropolitan Museum New York, Victoria & Albert Museum London, Rijksmuseum Amsterdam) oder fast allen großen Kunstgewerbemuseen in Deutschland (in Berlin, Hamburg, München, Düsseldorf, Nürnberg, Kassel, Mannheim oder Stuttgart). Sie sind ebenso begehrt von privaten Sammlern, auch außerhalb von Deutschland, und erzielen auf den internationalen Kunstmärkten teilweise fünfstellige Preise, wenn sie überhaupt noch angeboten werden.

Details

Herausgeber: Gregor K. Stasch
Texte: Gregor K. Stasch und Marino Maggetti
Verlag: Michael Imhof Verlag, Petersberg
Erscheinungsdatum: 13.03.2015
Auflage: Erstauflage
Jahr: 2015
Seitenanzahl: 160 Seiten
Buchart: Broschur
Abbildungen: 180 Farb- und 11 S/W-Abbildungen
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-7319-0222-2
ISBN 13: 978-3-7319-0222-5
Größe: ca. 261 x 212 x 12 mm
Gewicht: ca. 850 Gramm
Zustand: neu, ungelesen