Fayencen: Glanzstücke der Sammlung MKG HH
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Beschreibung
Gun-Dagmar Helke
Fayencen
Glanzstücke der Sammlung des Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Die Hamburger Fayencesammlung ist eine der bedeutendsten und umfangreichsten im deutschsprachigen Raum. Die ca. 500 ausgestellten Objekte aus über 60 Manufakturen trug zumeist bereits der Museumsgründer Justus Brinckmann zusammen. Der Besucher kann die Entwicklung der Keramikgattung Fayence von etwa 1630 bis 1790 nachvollziehen, gewinnt einen Eindruck von der einstigen Popularität und Verbreitung, die Formen- und Dekorvielfalt sowie das Können der Fayenciers in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Schweden und Dänemark, aber auch in Italien.
Die Ausstellung zeigt die Fayencen aus den einzelnen Manufakturen jeweils im Zusammenhang. Ihre Abfolge bestimmt in etwa das Gründungsdatum des Unternehmens.
Am Anfang der Ausstellung stehen Fayencen aus Antwerpen, Lissabon und Delft, die in der Mitte des 17. Jahrhunderts mit dem Ziel gefertigt wurden, die viel bewunderten, nach Europa importierten chinesischen Porzellane nachzuahmen - in Europa konnte man Porzellan erst nach 1710 herstellen. Fayencen blieben lange Zeit die einzige Alternative zu den teuren ostasiatischen Geschirren, wenn man nicht Geschirre aus anderen Materialen, aus Holz, Zinn, Silber benutzte. Besonderer Wert wurde auf eine gleichmäßige weiße Glasur gelegt, auf die dann die fernöstlichen Dekore gemalt wurden, bevorzugt in Blau.
Im ersten Teil der Sammlung wird ein großer Bestand an Fayencen aus Delft und anderen niederländischen Herstellungsorten gezeigt. Die Stadt Delft war im 17. Jahrhundert mit bis zu 34 gleichzeitig tätigen Manufakturen das bedeutendste Zentrum der Fayenceherstellung in Europa und Ausgangspunkt für viele Manufakturgründungen in verschiedenen Ländern. Die günstige Lage unweit von Delftshaven, dem heutigen Rotterdam, als Ankunftsort der Schiffe mit den geschätzten ostasiatischen Porzellanen spielte eine wichtige Rolle. Mit wachsendem Wohlstand strebten viele Niederländer, reiche Kaufleute oder Bankiers, nach einer prunkvollen Ausstattung ihrer Wohn- und Repräsentationsräume mit kostbaren Möbeln, Stoffen, Gemälden und Geschirren aus fernöstlichem Porzellan. Ebenso gern verwendeten sie die viel bewunderten einheimischen Fayencen und nannten sie wegen ihrer hervorragenden Qualität voller Bewunderung „unächtes Porzellan“.
Durch auswandernde Delfter Handwerker verbreitete sich die Fayencetechnik auch in Deutschland – zuerst nach Hanau, Frankfurt am Main und Berlin. Lange ließen sich die dortigen Kunsthandwerker lvon den niederländischen Gefäßformen und Dekoren inspirieren. Die im ersten Raum ausgestellten Objekte demonstrieren aber auch, dass sich schnell regionale Eigenheiten entwickelten. Die Qualität wurde verbessert, neue Maltechniken erprobt und ein großes Repertoire an europäischen Themen aus dem Bereich der Bibel, der antiken Mythologie, aus der Geschichte sowie der Flora und der Ornamentik eingeführt. In dieser Hinsicht war besonders das Schaffen der ab 1670 in häuslichen Familienbetrieben tätigen sogen. Hausmaler aufschlussreich, die glasierte unbemalte Fayencen aus verschiedenen Manufakturen bezogen und bemalten. Nürnberg und Augsburg waren dafür in Deutschland die wichtigsten Orte: Mit prächtigen Beispielen der Hausmalerei sind in zweiten Raum auch Nürnberger Fayencen zu bewundern, interessant vor allem Auftragsarbeiten reicher Patrizier der Reichsstadt. In einer weiteren Vitrine kann der Besucher einen Eindruck von der Vielfalt mitteldeutscher Fayencen aus Thüringen, Braunschweig, Hannoversch Münden, Magdeburg und Zerbst gewinnen.
An der Längsseite dieses Kabinetts folgen zwei Vitrinen, die der Produktion aus Bayreuth, Fulda, Ansbach und anderen süddeutschen Manufakturen gewidmet sind und die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gegründet wurden. Damals versuchten viele Landesherren, selbst Hartporzellan nach dem berühmten Meissener Vorbild herzustellen. Da die Rezepturen für Masse, Glasur und Farben jedoch streng geheim gehalten wurden, dauerten die Versuche oft mehrere Jahre und führten nicht immer zum gewünschten Erfolg. Versuchsstücke aus Fulda besitzt auch das Hamburger Museum. In dieser Zeit entstanden dennoch herrliche Fayencen, die z.B. von den berühmten Malern Adam von Löwenfinck und Joseph Philipp Dannhöfer.
Der dritte Raum wird von Fayencen aus Straßburg und Höchst bestimmt, die durch ihre perfekte Glasur und die prunkvollen Blumendekore beeindrucken. In der elsässischen, damals zu Frankreich gehörenden Stadt entstanden in der über drei Generationen erfolgreich geführten Manufaktur der Familie Hannong zunächst Geschirre mit exotischen indianischen Blumen, dann mit deutschen Blumen, die von Stichen als Vorlagen kopiert wurden. Gegenüber kann man in drei einzeln stehenden Vitrinen und zwei Bogenvitrinen fast den gesamten Bestand des Museums an Schaugerichten bestaunen. Diese täuschend natürlich aussehenden Tiere und Pflanzen boten einst einen reizvollen Höhepunkt auf der höfischen Speisetafel, vor allem in Jagdschlössern. In den Terrinen und Dosen servierte man schmackhafte Eintöpfen, Wildbretragouts, Pasteten und Butter. Die Schaugerichte standen in der Tradition mittelalterlicher Festbankette, bei denen Speisen in natürlichen Fellen oder im Federkleid von Tieren verborgen waren. Die Fayencen sollten den während der herrschaftlichen Jagd erlegten Tieren so naturalistisch wie möglich ähnlich sein. Deshalb legten die Fayenciers besonderen Wert auf die Darstellung der typischen Körperhaltung sowie die natürlich Zeichnung ihrer Oberfläche, z. B. von Fell und Federn.
Im dritten Raum sind außerdem Figuren aus verschiedenen Manufakturen ausgestellt. Dazu gehört auch die kleine Figur eines jungen Mannes, der in Niderviller sowohl in Fayence als auch in Porzellan angefertigt wurde.
Die letzten beiden Räume sind ausländischen Manufakturen vorbehalten. Das erste Kabinett birgt Beispiele des „Baltischen Rokoko“, aus den im Ostseeraum gelegenen Manufakturen, aus der ersten Manufaktur in Kopenhagen, aus dem schwedischen Rörstrand und Marieberg sowie aus den heute norddeutschen, damals zu Dänemark gehörenden „Fabriquen“ in Schleswig, Eckernförde, Kiel, Stockelsdorf, heute ein Ortsteil von Lübeck, Kellinghusen und dem einst zu Schweden gehörenden Stralsund. Die Objekte zeigen sehr anschaulich die gegenseitige Beeinflussung der Manufakturen, die oft denselben Direktor hatten sowie die gleichen Künstler und Handwerker beschäftigten, die je nach Wirtschaftslage des Unternehmens von einem zum anderen Ort wechselten. Unter den ausgestellten Objekten befinden sich Spezialitäten der Region: ein Teetisch, Punschbowlen in Form von Bischofsmitren, Duftvasen (Potpourri) und ein großer Tischbrunnen.
Im zweiten Kabinett Raum sind Fayencen und Porzellane aus Italien, Frankreich und England vereint. Die italienischen Geschirre aus Castelli stehen unübersehbar in der Tradition der Renaissancemajoliken, in anderen Manufakturen spiegelt sich die der neue Geschmack des 18. Jahrhunderts. Italienisches Porzellan ist ebenso wie das dänische in ausgewählten Exemplaren vertreten. In Frankreich war Rouen der Zentrum und Ausgangspunkt einer qualitätvollen Fayenceproduktion. Hier dominieren die blauen Behangmuster, die sehr geschätzt waren, sodass sie von verschiedenen Manufakturen Europas übernommen wurden. Die Exemplare aus Sceaux und Niderviller bestechen durch ihre porzellanähnliche Wirkung, ihre feine Ausarbeitung und eine wunderbare Bemalung. Unter den französischen Porzellanen befindet sich neben einigen Serviceteilen auch das Objekt, das 1872 als erstes für das Museum inventarisiert wurde, eine Bouillonterrine aus Sèvres.
Dieses Buch stellt einen Überblick über diese wahrlich überzeugende Sammlung dar und erschien anlässlich der Neueröffnung der Fayencen- und Porzellansammlung des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg 2006.
Auch das entsprechende Buch zur Porzellan-Sammlung können Sie bei uns erhalten.
Inhaltsverzeichnis
| Inhalt | Seite |
| Vorwort | 7 |
| Einleitung | 9 |
| Material und Technik | 11 |
| Geschichte und Bedeutung der Fayence | 13 |
| Verbreitung der Fayencetechnik in Europa | 14 |
| Fayence in Deutschland | 17 |
| Französischer Lebenstil verändert die Tafelkultur | 18 |
| Manufakturen in Deutschland | 19 |
| Die Manufakturmarken | 23 |
| Die personelle Organmisation | 23 |
| Steingut lief der Fayence den Rang ab | 24 |
| Fayencen aus der Sammlung des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg | 25 |
| Antwerpen | 27 |
| Lissabon | 28 |
| Delft | 29 |
| Rotterdam | 36 |
| Hanau | 37 |
| Frankfurt | 40 |
| Berlin | 43 |
| Nürnberg | 46 |
| Hausmalerei | 50 |
| Dorotheenthal | 56 |
| Abtsbessingen | 60 |
| Erfurt | 62 |
| Braunschweig | 63 |
| Hannoversch Münden | 67 |
| Magdeburg | 69 |
| Bayreuth | 71 |
| Fulda | 75 |
| Ansbach | 76 |
| Künersberg | 78 |
| Durlach | 81 |
| Straßburg | 82 |
| Höchst | 88 |
| Schaugerichte | 92 |
| Kopenhagen | 100 |
| Rörstrand | 102 |
| Marieberg | 103 |
| Schleswig | 108 |
| Stralsund | 110 |
| Eckernförde | 112 |
| Kiel | 114 |
| Stockelsdorf | 118 |
| Kellinghusen | 119 |
| Castelli | 120 |
| Lodi | 121 |
| Pesaro | 122 |
| Nevers | 123 |
| Rouen | 124 |
| Moustiers | 126 |
| Alcora | 127 |
| Niderviller | 128 |
| Sceaux | 130 |
| Aprey | 132 |
| Marseille | 133 |
| Warschau | 134 |
| Die Geschichte der Fayencesammlung im Museum für Kunst und Gewerbe | 135 |
| Glossar | 138 |
| Weiterführende Literatur | 141 |
| Bildnachweis | 142 |
Details
Autorin: Gun-Dagmar Helke
Herausgeber und Verlag: Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg
Auflage: Erstauflage
Jahr: 2006
Seitenanzahl: 144 Seiten
Abbildungen: 167 farbige und 7 S/W Abbildungen
Buchart: Hardcover
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-923859-65-1
ISBN 13: 978-3-923859-65-8
Größe: ca. 287 x 245 x 13 mm
Gewicht: ca. 850 Gramm
Zustand: neu, ungelesen
Empfehlenswerte weitere Literatur:
Porzellan: Glanzstücke der Sammlung des MKG Hamburg
Fayencen aus Kellinghusen Porzellan aus Ellwangen und Schrezheim 1758-1775
Französische Fayencen des 18. Jahrhundert
Fayencen des 18. Jahrhunderts aus Schleswig-Holstein







