Hedwig Bollhagen. Ein Leben für Keramik
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Beschreibung
Gudrun Gorka-Reimus
Hedwig Bollhagen.
Ein Leben für Keramik
Ihr Auftritt war blau-weiß: blau-weiß-kariert war ihr Künstlerkittel, blauweiß-gestreift ihre bekannte Geschirrserie. Doch wie überaus vielfältig das Schaffen der bedeutenden Keramikerin und Unternehmerin Hedwig Bollhagen (1907-2001) war, führt das soeben erschienene Buch „Hedwig Bollhagen – Ein Leben für die Keramik“ eindrucksvoll vor Augen. Es handelt sich um den Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung, die anlässlich ihres 100. Geburtstages im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam gezeigt wird und der reich bebildert erstmals Leben und Werk der „Altmeisterin der Keramik“ umfassend vorstellt.
Die Kuratorin der Ausstellung, Kunsthistorikerin Gudrun Gorka-Reimus, gewann für den Katalog eine Vielzahl Autoren, die eine Annäherung an die Persönlichkeit, die Künstlerin und Unternehmerin Bollhagen erlauben: Vorgestellt wird ihr keramisches Werk in seiner gesamten Bandbreite, angefangen von ihrer seriellen Gebrauchskeramik mit den bekannten Geschirrserien und Dekoren, der Zier- und Gartenkeramik bis hin zur Baukeramik, mit der ihre Werkstätten in Marwitz seit den 50er-Jahren einen wichtigen denkmalpflegerischen Beitrag leisteten.
Zeitzeugen, Freunde und Mitarbeiter aus den HB-Werkstätten in Marwitz, die Hedwig Bollhagen noch persönlich kannten, Sammler und Verehrer ihrer Keramik kommen zu Wort und zeichnen ein lebendiges Bild ihrer faszinierenden Persönlichkeit. Dies runden Aufsätze über ihre berühmten Weggefährten und Freunde wie u.a. den Maler und Kunsthandwerker Charles Crodel, die Keramiker Werner Burri und Heidi Manthey und den Bildhauer Waldemar Grzimek ab.
Die wechselvolle Firmengeschichte der „HB-Werkstätten für Keramik“ in Marwitz von ihrer Gründung, über die Enteignung und Reprivatisierung nach dem Mauerfall 1989 beleuchtet die unternehmerische Seite der „ältesten Unternehmerin Deutschlands“. All diese Beiträge machen das Buch zu einem Standardwerk über die Künstlerin Hedwig Bollhagen.
Den keramischen und schriftlichen Nachlass, der als bewegliches Denkmal in die Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragen wurde, verwaltet die Deutsche Stiftung Denkmalschutz treuhänderisch in der Hedwig Bollhagen-Stiftung. Zurzeit wird die Einrichtung eines eigenen Hedwig-Bollhagen-Museums im Museumshaus „Im Güldenen Arm“ in Potsdam vorbereitet. Ab 2008 soll dort der Nachlass der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Über Hedwig Bollhagen
Hedwig Bollhagen besuchte in Hannover das Lyzeum, nach dessen Abschluss 1924 sie noch im selben Jahr ein Praktikum in einer Töpferei in Großalmerode absolvierte. Nach einem Gaststudium an der Staatlichen Kunstakademie in Kassel lernte sie vom Frühjahr 1925 bis Sommer 1927 an der Keramischen Fachschule Höhr-Grenzhausen bei Eduard Berdel und Hermann Bollenbach und volontierte 1926 in der Hamelner Töpferei von Gertrud Kraut.
Von 1927 bis 1931 erhielt Hedwig Bollhagen eine Anstellung als Entwerferin und Leiterin der Malabteilung bei der Steingut- und Fayencefabrik Velten-Vordamm in Velten.
Nach deren Schließung wegen Wegfalls der Exporte infolge der Weltwirtschaftskrise begannen die „Wanderjahre“, die sie zuerst in die Staatliche Majolikamanufaktur Karlsruhe, dann zu den Rosenthal-Betrieben in Neustadt bei Coburg, die Werkstatt Wilhelm Kagel in Garmisch-Partenkirchen (bis Frühling 1932) und schließlich als „Ladenmädchen“ bis Februar 1933 in die Verkaufsgalerie „Kunst und Handwerk“ von Tilly Prill-Schloemann und Bruno Paul in Berlin führten. Bis Oktober 1933 arbeitete sie noch, wie drei Jahre zuvor bei der Fabrik Velten-Vordamm, als Abteilungsleiterin bei den Steinzeugwerken Kalscheuer in Frechen.
1934 übernahm Bollhagen zusammen mit Heinrich Schild (1895–1978) die Haël-Werkstätten für Künstlerische Keramik im brandenburgischen Marwitz und gründete die HB-Werkstätten für Keramik, die vor allem kleinindustriell hergestelltes Gebrauchsgeschirr nach künstlerischen Entwürfen, Gartenkeramik und anspruchsvolle Baukeramik (u. a. für das Berliner Rote Rathaus) herstellte; von Hedwig Bollhagen gefertigte Einzelstücke ergänzten das Angebot. Dadurch konnten die Arbeitsplätze der von der Bauhaus-Schülerin Margarete Heymann-Loebenstein (1899-1990) und Gustav Loebenstein gegründeten Haël-Werkstätten erhalten und auch Mitarbeiter der insolventen Steingutfabriken Velten-Vordamm GmbH eingebunden werden (Theodor Bogler, Werner Burri). Die Haël-Werkstätten wurden von der Eigentümerin Grete Loebenstein am 1. Juli 1933 stillgelegt, da sie sich als Jüdin verstärktem Druck der Nationalsozialisten ausgeliefert sah. Sie wurde von einem ihrer Mitarbeiter denunziert und floh nach Bornholm. Der Warenbestand im Werte von 10.000 RM wurde beschlagnahmt. Es handelte sich hier eindeutig um einen Fall der Arisierung unter Federführung von Heinrich Schild, der das Grundstück für einen Preis von 45.000 RM erwarb und damit weit unter dem Gesamtwert des Betriebes, der in der Größenordnung von 300.000 RM lag. Anschließend betrieb er die Firma unter dem Namen von Hedwig Bollhagen und produzierte anfangs die Muster aus dem übernommenen Betrieb weiter. Laut Hedwig Bollhagen wurden manche Haël-Entwürfe bis in die sechziger Jahre produziert. 1939 legte Hedwig Bollhagen die Meisterprüfung ab. Grete Loebenstein wurde ab 1961 als Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung anerkannt und 1985 entschädigt. 1992 wurde ein Vergleich zwischen den HB-Werkstätten und dem Jewish Claims geschlossen.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges siedelte Heinrich Schild 1946 aus der damaligen SBZ nach Westdeutschland um. Hedwig Bollhagen übernahm daraufhin die Führung der HB-Werkstätten in alleiniger Verantwortung.
1972 wurden die Werkstätten verstaatlicht, doch blieb Bollhagen auch in den zwanzig Jahren bis zur Reprivatisierung 1992 künstlerische Leiterin und arbeitete bis kurz vor ihrem Tod weiter. Ihre Nachfolgerin wurde Heidi Manthey, eine Schülerin von Charles Crodel (1894–1973), mit dem Hedwig Bollhagen seit der Zeit der Firmengründung zusammenarbeitete.
Internationale Bekanntheit erlangte Hedwig Bollhagen durch ihr schlichtes, zeitloses Alltagsgeschirr, dem in Form und Dekor eine zwanglose Verbindung von bäuerlicher Tradition und Bauhaus-Ästhetik gelingt. Sie selbst sagte dazu: „Kunst? Ach ja, manche nennen es so. Ich mache Teller, Tassen und Kannen.“ oder kürzer: „Das sind doch bloß Töppe!“.
2001 starb Hedwig Bollhagen in Marwitz. Beigesetzt ist sie in ihrem Geburtsort Hannover.
Details
Herausgeberin: Gudrun Gorka-Reimus
Vorwort: Dr. Angela Merkel
Verlag: Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Auflage: Erstauflage
Jahr: 21.06.2007
Seitenanzahl: 256 Seiten
Abbildungen: 300 großteils farbige, weniger S/W-Abbildungen
Buchart: Gebunden
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-936942-85-4
ISBN 13: 978-3-936942-85-9
Größe: ca. 270 x 220 mm
Gewicht: ca. 1.200 Gramm
Zustand: neu, ungelesen
Besonderheit: wissenschaftliche Arbeit







