Merziger Terrakotta traditionell und modern
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Beschreibung
Arthur Fontaine
Merziger Terrakotta
Weltkarriere und Wiederentdeckung eines historischen Industrieproduktes
Mit "Merziger Terrakotta" wird ein innovatives keramisches Industrieprodukt mit künstlerischem Gestaltungsanspruch bezeichnet, das ab etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg auf dem Markt war. Es handelt sich um eine breite Palette von Artikeln aus spezifischem Steinzeug, hauptsächlich um Architektur-Schmuckteile als wesentliche Elemente des Bauwesens in der Zeit des Historismus, und um figürlichen Schmuck. Seit einigen Jahren ist das Produkt wieder im Blick, nicht zuletzt durch erforderliche Restaurierungen an Bauwerken aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. "Merziger Terrakotta" verdient demnach nicht nur allgemein historisches, industrie- und keramik-geschichtliches Interesse, ihre Bedeutung reicht bis in die Gegenwart und vielleicht auch in die Zukunft. Das reich illustrierte Buch befasst sich sich mit allen wesentlichen Aspekten diese Industrieproduktes.
Einleitung
Die Sammelbezeichnung „Merziger Terrakotta“ kennzeichnet bestimmte keramische Industrieprodukte mit künstlerischem Gestaltungsanspruch, die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts auf den Markt kamen, dort zunehmend an Bedeutung gewannen und nach wenigen Jahrzehnten weltweit bekannt waren.
Es handelte sich hauptsächlich um Architekturelemente und figürliche Schmuckkeramik aus dem spezifischen Material der Merziger Terrakotta. Entwickelt und produziert wurden die Erzeugnisse vom damals bereits weltweit tätigen Keramikunternehmen Villeroy & Boch mit Sitz in Mettlach an der Saar.
Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts erreichte die Produktpalette durch den Historismus im Bauwesen eine immense Formenfülle, die Produkte selbst eine extensive Anwendung auf allen Kontinenten. Mit dem Wandel zur Jugendstilarchitektur verlor die Architekturterrakotta dann ihre schwerpunktmäßige Bedeutung zugunsten der Sparte Schmuckkeramik. Aber auch deren Produktion wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wieder aufgenommen. Damit verschwand die Merziger Terrakotta nach knapp 100 Jahren Marktpräsens völlig aus dem Blick und dem Bewusstsein der Öffentlichkeit, gefördert durch die kriegsbedingten Zerstörungen.
Ihre Wiederentdeckung begann 1992 mit der Auffindung großer Bestände nicht verbauter Architekturteile aus diesem Keramik-Material in den Kellergewölben des Schlosses Herrenchiemsee, dessen Fassaden reichlich mit solcher Bauzier versehen sind.1) Sie setzte sich fort mit der denkmalgerechten Restaurierung von Bauwerken aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, als zur Fassadenerneuerung Schmuckteile aus Merziger Terrakotta benötigt wurden, wie sie zum Erbauungszeitpunkt an diesen Baukörpern verwendet worden sind. Zwei bedeutende Restaurierungsprojekte dieser Art waren z. B. die historistischen Bauten der Bibliotheca Albertina in Leipzig (Universitätsbibliothek), 1887-1891 erbaut, und der Deutschen Bank, Filiale Leipzig, 1898-1902 erbaut.
Die Wiederentdeckung der Architekturelemente aus Merziger Terrakotta lenkte in der Folge den Blick auch wieder auf die figürlichen und sonstigen Produkte aus diesem Material. Nach vielen Jahrzehnten wurden sie in einer großen Ausstellung anlässlich des 250jährigen Firmenjubiläums der Villeroy & Boch AG 1998 mit zahlreichen Exponaten nochmals zusammengeführt. Exemplarisch werden einige dieser Produkte in der ständigen Firmenausstellung „Keravision“ im Gebäude der Generaldirektion des Unternehmens, der „Alten Abtei“ in Mettlach/Saar, im Kreuzgang der „Alten Abtei“ sowie im Foyer des Alten Rathauses in der Kreisstadt Merzig gezeigt.
Der in diesem Buch unternommene Versuch einer möglichst umfassenden Darstellung der Geschichte dieses außergewöhnlichen keramischen Industrieproduktes soll es für eine breite Öffentlichkeit aus der Vergessenheit herausführen. Gleichzeitig können dem Bild der Keramikgeschichte einige Facetten eingefügt werden. Der Versuch rechtfertigt sich zudem wegen der Bedeutung des Beschäftigungsgegenstandes für die Kunst-, Bau- und Industriegeschichte. Auch für die Baudenkmalpflege können die Darstellungen nützlich sein.
Die Vielfalt der Merziger Terrakotta macht eine Systematik der Darstellungen schwer, wenn es um die konkreten Objekte geht. Noch schwieriger ist es, eine einmal festgelegte Systematik durchzuhalten. So blieb an wenigen Stellen nichts anderes ubrig, als pragmatisch zu verfahren und Zusammenhange fur wichtiger zu halten als unbedingte Systematik. Dank gilt dem Leiter des Firmenarchivs der Villeroy & Boch AG, Franz Budinger, fur seine Unterstutzung bei der Nutzung von Archivmaterial, in fachpraktischen Fragen – besondes zum Thema Herstellungsverfahren – und fur die Bereitstellung historischen Bildmaterials. Auch Ing. Walter Fransee danke ich fur seine fachliche Beratung. Wichtig fur das vorliegende Buch ist ferner die Untersuchung von Margit Euler im Rahmen ihrer Dissertation „Studien zur Baukeramik von Villeroy & Boch 1869-1914“, Universitat Bonn, 1994. Hier wird einer der Schwerpunkte unseres Themas erstmals in einer wissenschaftlichen Arbeit behandelt.
Der Farb-Anhang zu diesem Buch enthalt 26 ausgewahlte Abbildungen von erhaltenen Terrakottaobjekten. Sie sollen einen Eindruck von auserer Farbgestaltung vermitteln. Die Abbildungen Nr. 11, 17, 19, 23, 24 und 25 geben monochrome, die ubrigen Abbildungen polychrome Oberflachen wieder. Alle dargestellten Objekte sind Villeroy & Boch-Produkte, bis auf die mit den Nummern 6, 7 und 10. Hierbei handelt es sich um Vergleichsprodukte eines Konkurrenten.
Die dem Buch zudem beiliegende CD enthalt alle wesentlichen Abbildungen des Buches als Farb- bzw. als Schwarz-Weis-Bilder. Daruber hinaus ist das Bildprogramm des Buches auf der CD erganzt und wesentlich erweitert.
Inhaltsverzeichnis
| Inhalt | Seite | |
| Einleitung (mit Hinweisen zur Nutzung der anliegenden CD) | 5 | |
| 1 | Die „traditionelle“ Terrakotta | 7 |
| 2 | Die „neue“ Terrakotta von Villeroy & Boch | 11 |
| 3 | Terrakotta aus Mettlach | 13 |
| 3.1 | Der Schritt in die Terrakotta-Produktion | 13 |
| 3.2 | Auf dem Weg zum Erfolg mit der „neuen“ Terrakotta | 18 |
| 3.3 | Die Terrakotta-Artikel – Der ProduktionsumfangDie Terrakotta-Artikel – Der Produktionsumfang | 33 |
| 4 | Terrakotta aus Merzig | 55 |
| 4.1 | Die Vorgeschichte | 55 |
| 4.2 | „Merziger Terrakotta“ | 60 |
| 4.3 |
Faktoren des Erfolges - Hochwertiges Material mit großer Anpassungsfähigkeit - Künstlerischer Gestaltungsanspruch - Perfektes Herstellungsverfahren - Preisgünstigkeit - Teilhabe am ausgefeilten Unternehmensmarketing |
60 |
| 4.4 | Die Terrakotta-Produkte der Blütezeit | 116 |
| 4.4.1 | Die Produktpalette (Strukturübersicht) | 117 |
| 4.4.2 | Die Produktentwicklung von 1879 bis 1900 | 118 |
| 4.4.3 |
Die Produkte im Einzelnen - Die Bauelemente - Bildliche Darstellungen - Gebrauchsgegenstände |
119 |
| 4.5 | Akzeptanz und Rang | 166 |
| 4.6 | Konkurrenz | 169 |
| 4.7 | Wandel und Abkehr | 175 |
| 5 | Zukunftsperspektiven | 190 |
| Verzeichnis der Anmerkungen | 193 | |
| Verzeichnis der Anmerkungen | 196 | |
| Bildquellenverzeichnis | 198 | |
| Glossar | 199 | |
| Anhang | 205 |
Ausstellungen von Merziger Terrakotta
In kleinem Umfang sind Exponate der „Merziger Terrakotta“ in der aus ganz Deutschland gern besuchten Dauerausstellung „Keravision“ des Unternehmens Villeroy & Boch im der Alten Abtei im Konzen-Sitz in Mettlach an der Saar sowie als Dauerexponate im Treppenhaus des „Alten Rathauses“ in Merzig/Saar zu sehen.
Abbildung: Merziger Terrakotta in der Ausstellung Keravision
Details
Autor: Arthur Fontaine
Verlag: PROVESA Verlag, Merzig
Erstauflage: 01.06.2006
Auflage: 2. Auflage
Jahr: 12/2010
Seitenanzahl: 212 Seiten
Abbildungen: 402 schw.-w. Abb., 24 farb. Fotos, Farbbild-CD-ROM-Beil.
Buchart: Hardcover
Sprache: Deutsch
Sonstige Beilage: CD mit Farbabblidungen
ISBN 10: 3-928037-71-4
ISBN 13: 978-3-928037-71-6
Größe: ca. 225 x 175 mm
Gewicht: ca. 550 Gramm
Zustand: neu, ungelesen








