Adolph Menzel, radikal real sehr seltenes Buch

 

85,00 EUR

ISBN: 9783777441757  

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Beschreibung

Dr. Bernhard Maaz (Hrsg.)
Adolph Menzel
radikal real

Adolph Friedrich Erdmann von Menzel (* 8. Dezember 1815 in Breslau; † 9. Februar 1905 in Berlin) war ein besessener Zeichner seiner Alltagswelt. Dem Werden und Wachsen seines Werks auf den Papierarbeiten widmet die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München nun eine großangelegte Ausstellung.

In Menzels Zeichnungen nach den Motiven seines täglichen Erlebens ist die Form- und Ideenfindung als Moment visueller Gestaltung stets präsent. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht daher die Frage, wie Menzel sich die Wirklichkeit aneignet, wie er aufgrund von Notaten und Notizen Regie über die Realität führt.

Wie "unerbittlich wahrhaftig" er dabei zur Sache ging, lässt sich nirgendwo besser zeigen als am fragmentarisch ausgerichteten Blick des Künstlers, seinem obsessiven Skizzieren, das auch vor Abseitigem nicht Halt macht und damit immer auch sachliche Distanz zum Gegenstand dokumentiert.

Dem Wesen der Skizzenbücher entsprechend spielen Reisen bei dieser Erarbeitung der Wirklichkeit eine zentrale Rolle. Landschaften und Topographisches stehen neben Merkwürdigkeiten ?en detail? und Charakteren der Zeitgenossen. Dem auf Beobachtung basierenden künstlerischen Prinzip entspricht Menzels Interesse am "Teatrum Mundi", an den profanen und sakralen Inszenierungen seiner Zeit, aber auch an der Beobachtung der eigenen Person.

Die Kooperation zwischen der Münchner Hypo-Kulturstiftung und dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen in Berlin bei der Digitalisierung der Skizzenbücher hat ein Projekt von einzigartiger Intensität ermöglicht. Der Katalog vermag nicht allein die Radikalität des Künstlers im Streben nach Wahrhaftigkeit zu zeigen, sondern er führt auch visuell an die Virtuosität seiner Zeichenkunst heran und stellt die Werke in Beiträgen ausgewiesener Kenner in den Zusammenhang ihrer Entstehung und künstlerischen Zeitgeschichte.

 

Zur Ausstellung

Adolph Menzel: radikal real
Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München
16. Mai bis 31. August 2008

Die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung zeigte vom 16. Mai bis 31. August 2008 die Ausstellung "Adolph Menzel: radikal real". Mit rund 230 Werken, darunter ca. 70 farbige Arbeiten und ca. 20 Fotografien, widmete sich in München erstmalig eine Ausstellung dem Zeichner und Maler Adolph Menzel (1815-1905). Das Projekt zielte darauf ab, dem Künstler Menzel über die Schulter zu schauen. Hierbei standen seine zahlreichen Skizzenbücher im Mittelpunkt, die das Werden und Wachsen seiner Bilder und Blätter anschaulich machten. Es ist also der schöpferische Entstehungsprozess, der Weg von der ersten flüchtigen Wahrnehmung zur durchgearbeiteten Komposition, der für den Besucher nachvollziehbar gemacht werden sollte. Ganz bewusst wurden die bekannten historischen Bilder wie auch das umfangreiche druckgrafische Werk Menzels ausgespart, um einen frischen Blick auf den überragenden deutschen Realisten als Zeichner und Maler zu ermöglichen. Seine Form- und Ideenfindung wurde damit zum eigentlichen Ausstellungsgegenstand.

Wie der Ausstellungstitel "radikal real" bereits anklingen lässt, stand im Mittelpunkt die Frage, wie Menzel die Wirklichkeit sah, wie er anhand seiner Skizzen Regie über die Realität führte. Dies sollte anhand von fünf Kapiteln deutlich gemacht werden: Zum Auftakt wird Menzels Person und Lebenswelt vorgestellt. Porträts seiner Familie und von Freunden geben Aufschluss über sein näheres soziales Umfeld. Das darauf folgende Kapitel "Unerbittlich wahrhaftig" stellt den obsessiven Zeichner vor, der weder vor Nichtigkeiten des Alltags, wie ungemachten Betten oder verlassenen Hinterhöfen, noch vor Abseitigem, wie dem Blick ins Pissoir oder in die geöffnete Gruft, zurückschreckt. Dem Wesen der Skizzenbücher entsprechend spielten auch Reisen eine wichtige Rolle in Menzels Leben. Ausgewählt wurden für die Münchner Schau Menzels Fahrten von Berlin nach Bayern, Salzburg und über die Alpen nach Verona. Dort festgehaltene Eindrücke werden in der Ausstellung zu einem zentralen Kapitel zusammengestellt, und die Stadt München erhält dadurch anlässlich ihres 850. Gründungsjubiläums auch eine noble Hommage aus der Sicht des Berliner Künstlers.

Im nachfolgenden Abschnitt "Teatrum Mundi" blättert sich Menzels Welttheater in seinen sakralen wie profanen Seiten auf. Der Künstler zeigt sein gesellschaftliches Umfeld bei festlichen Veranstaltungen wie Oper oder Ball, aber auch die barocke Inszenierung kirchlicher Interieurs, das intime Gebet oder die festliche Prozession entgehen nicht seinem vielseitigen Interesse. Im Epilog tritt der Künstler selbst noch einmal in den Fokus, denn auch vor sich selbst macht der radikale Beobachter nicht Halt: Eindringliche Selbstbildnisse aus allen Lebensphasen belegen das ebenso wie der höchst modern anmutende Blick des Künstlers auf den eigenen Körper. Die Studien seiner Hände und Füße radikalisieren den Begriff des "Selbstporträts".

So bot die Ausstellung eine phänomenale Vielfalt und anhand zahlreicher, oftmals auch der Forschung wenig bekannter Werke einen Überblick über Leben und Werk dieses überaus kreativen Zeichners und Malers von europäischem Rang.

Ausgehend von dem so reichen Bestand des Kupferstichkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin, das als Hauptleihgeber und Kooperationspartner gewonnen werden konnte, haben die Kuratoren der Ausstellung, Dr. Bernhard Maaz von der Alten Nationalgalerie in Berlin und Dr. Christiane Lange, gemeinsam dieses Konzept entwickelt. Die Hypo-Kulturstiftung fördert parallel dazu das konservatorisch und wissenschaftlich notwendige Projekt der Digitalisierung von Menzels Skizzenbüchern. Einige der digitalisierten Skizzenbücher konnte der Besucher in der Ausstellung am Computer erstmals komplett "durchblättern" können.

Inhaltsverzeichnis

  Autor Inhalt Seite
    Vorwort 6
    Dank 8
  Bernhard Maaz Sehend zeichnen, schauend malen - Adolph Menzel zwischen Skizzenbüchern und Bildern 11
I
Prolog
Claude Keisch Tage und Werke - Zeitpunkte und Zeiträume bei Menzel 24
    Tafeln Personalia & Varia 35
II
Unerbittlich wahrhaftig
Christiane Lange »Alles Zeichnen ist nützlich und Alles zeichnen auch.« 68
    Tafeln Wahrhaftig unerbittlich 75
    Bildwürdiger Alltag 81
    Rückseiten, Abseiten, Kehrseiten 88
III
Reisewelt
Sigrid Achenbach Menzels Reisen in den Süden 112
    Tafeln Das Reisen 119
    Von Franken über München 128
    Von Salzburg bis Tirol 142
    Verona 152
V
Theatrum mundi
Bernhard Maaz Theatrum mundi Theatrum mundi - Menzels Sujets aus Gesellschaft und Alltag 160
    Tafeln Sakrales Beobachten 165
    Weltbühne und Bühnenvvelt 181
    Auf Bällen und Festen 192
    Unterhaltsame Urbanität 201
V
Epilog
Hélène Hiblot Menzel und seine Zeit - synoptische Übersicht 212
    Tafeln Biografische Elementarteilchen 221
    Literatur 235
    Fotonachweis 239
    Impressum 239

Über Dr. Bernhard Maaz

Dr. Bernhard Maaz ist seit 1986 in Berlin an der Nationalgalerie tätig und betreut dort die Sammlung der Skulptur des 19. Jahrhunderts. Zahlreiche Veröffentlichungen - vor allem zur Kunst des 19. Jahrhunderts, aber auch zur Kunst- und Sammlungsgeschichte vom 16. bis zum 20. Jahrhundert.

Details

Herausgeber: Bernhard Maaz für die Hypo-Kulturstiftung
Autoren: Sigrid Achenbach, Hélène Hiblot, Claude Keisch, Christiane Lange und Bernhard Maaz
Verlag: Hirmer Verlag, München
Auflage: Erstauflage
Jahr: 05/2008
Seitenanzahl: 239 Seiten
Buchart: Gebunden
Abbildungen: 280 Farb- und SW-Abbildungen
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-7774-4175-9
ISBN 13: 978-3-7774-4175-7
Größe: ca. 286 x 248 x 28 mm
Gewicht: ca. 1.500 Gramm
Zustand: neu, ungelesen, OVP
Besonderheiten: sehr seltenes, gesuchtes Buch, seit langem ausverkauft, wir konnten für Sie den Rest der Auflage übernehmen