Egon Schiele | Melancholie und Provokation
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Beschreibung
Diethard Leopold und Dr. Elisabeth Leopold (Hrsg.)
Egon Schiele
Melancholie und Provokation
Vergessen Sie Klimt, entdecken Sie Schiele! Zugegeben, gemeinsam sind sie die Superstars unter den Künstlern der Jahrhundertwende, beider Werke locken Menschenscharen in Museen. Aber Schieles Werk ist uns heute näher denn je, es begeistert nicht nur die Betrachter, sondern auch zeitgenössische Künstler.
Schiele, das sensible Genie und der Provokateur, war ein Künstler der Extreme. Die Meisterwerke des Malers und Zeichners haben zu Lebzeiten provoziert, und tun dies immer noch. 1918 verstarb er im Alter von nur 28 Jahren und hinterließ ein beeindruckendes Werk, das von tiefen Empfindungen des Menschen, von Liebe, Angst und Melancholie erzählt – ein Schleier von Wehmut und Traurigkeit liegt über vielen Bildern. Doch die Mittel des Ausdrucks sind modern, aggressiv, provokant und schonungslos.
Der vorliegende Bildband wirft nicht nur einen Blick zurück und lässt anhand von 200 Werken sowie einer Vielzahl von Briefen und persönlichen Gegenständen das Leben des wichtigsten europäischen Expressionisten erlebbar werden, sondern schaut auch nach vorne: Künstler wie Rudolf Schwarzkogler, Günter Brus oder Elke Krystufek treten in einen spannenden Dialog mit dem Werk Egon Schieles.
Zur Ausstellung
Melancholie und Provokation
Das Egon Schiele-Projekt
23.09.2011 - 16.04.2012
Leopold Museum, Wien
Aus Anlass des zehnjährigen Jubiläums seiner Eröffnung widmet das Leopold Museum die Herbstausstellung 2011 dem Werk von Egon Schiele. Der Titel der Ausstellung »Melancholie und Provokation« verweist vor allem auf das Frühwerk des 1918 mit nur 28 Jahren verstorbenen Künstlers. Schieles erste Hauptwerke, die der Künstler ab 1910 mit nur 20 Jahren geschaffen hat, sind von einer tiefen Melancholie und Trauer, aber auch von einer Faszination am Ungewöhnlichen und Ekstatischen geprägt.
In seiner ersten Personalausstellung, die Schiele 1911 im Kunstsalon Miethke präsentierte, finden sich großteils elegische Werke, die eine dunkle, mystische Farbigkeit, eine inhaltsbetonte Schwermut und eine radikale körperliche Selbstdarstellung gleichermaßen zum Ausdruck bringen. Mit vielen seiner zwischen 1910 und 1914 entstandenen Werke stellte sich der Künstler ins Zentrum der öffentlichen Kunstkritik. Das Publikum entsetzte sich vor allem über Schieles provokante Aktdarstellungen, die durch ihre Drastik und Direktheit alle damals herrschenden Konventionen überschritten. Selbst Schieles nur um wenige Jahre älterer Kollege Oskar Kokoschka wagte kaum dermaßen provokante Darstellungen. In ihrer oft krassen Proportionalität und farbigen Kühnheit stellen Schieles Körperbilder frühe Meisterwerke des Expressionismus dar. Beispiele aus seinem künstlerischen Umfeld sowie Werke, die in einem engen thematischen Konnex stehen, sollen in der Ausstellung die Singularität von Schieles Arbeiten zusätzlich unterstreichen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung ist der Pose und Bewegung im Werk von Egon Schiele gewidmet. In den frühen Darstellungen seiner engsten Freunde und Freundinnen, etwa dem Pantomimen Erwin Dom Osen oder der Tänzerin Moa, oder auch in der höchst originellen, eigenen Posierung vor der Kamera seines Freundes Anton Josef Trčka wird Schieles Begeisterung spürbar, den menschlichen Körper inklusive des eigenen zum Gesamtkunstwerk zu verwandeln.
Die Auswahl dieser Themen sowie der ausgestellten Werke erfolgt unter der Kuratorenschaft von Elisabeth Leopold, die hier in pointierter Weise den Blick ihres Mannes, des Schiele-Sammlers und Museumsgründers Rudolf Leopold, einzubringen versteht.
Im Untertitel der Ausstellung – das Egon Schiele-Projekt – klingt an, dass sich die Schau aber nicht auf eine historische Betrachtung von Schieles Meisterwerken beschränkt. Sechs ausgewählte Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen Bildende Kunst, Tanz und Performance treten in je einem eigenen Raum in einen spannenden Dialog mit dem Werk und der Persönlichkeit des exzentrischen Künstlers der Jahrhundertwende. Bis auf den 1969 verstorbenen Wiener Aktionisten Rudolf Schwarzkogler handelt es sich dabei um lebende KünstlerInnen, deren Werke innerhalb der zeitgenössischen Kunstszene ein markantes Profil aufweisen.
Es sind dies:
• Rudolf Schwarzkogler (kuratiert von Hubert Klocker)
• Günter Brus
• Elke Krystufek
• Franz Graf
• Claudia Bosse
• Philipp Gehmacher
Kuratiert wird dieser Teil der Ausstellung von Diethard Leopold. Als Psychotherapeut, Ausstellungskurator (Wien 1900, Otto Muehl), Sohn und Biograf des Sammlerpaares Elisabeth und Rudolf Leopold, ist aus seiner Hand eine Sehweise zu erwarten, die neue, von der herkömmlichen kunsthistorischen Analyse möglicherweise abweichende Akzente setzt.
Über Dr. Elisabeth Leopold
Dr. Elisabeth Leopold, geb. 1926, arbeitete als frei niedergelassene Augenärztin in Wien. Bereits in den frühen 1950er Jahren, während des Studiums, begleitet sie ihren Studienkollegen Rudolf Leopold, der Egon Schiele für sich und die Welt wiederentdeckte. 1953 heiratet das leidenschaftliche Sammler-Ehepaar und baut gemeinsam eine der weltweit wichtigsten Privatsammlungen der österreichischen Klassischen Moderne auf, die mit der Eröffnung des Leopold Museums im Museumsquartier 2001 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Sie ist Vorstandsmitglied der Privatstiftung.
Über Diethard Leopold
Diethard Leopold, geboren 1956 in Wien, Studium der Germanistik, Theologie und Psychologie. Lehraufträge an Universitäten in Österreich und in Japan, Psychotherapeut in freier Praxis, Ausstellungskurator und Trainer im japanischen Bogenschießen, Kyudo.
Er ist Autor mehrerer Bücher, u.a.: Wissenschaft, Psychologie und Zen – eine interdisziplinäre Verfremdung, 1993; Shinto in der Kunst des Bogenschießens, 2009; Rudolf Leopold – Kunstsammler, 2003.
Details
Herausgeber: Dr. Elisabeth Leopold und Diethard Leopold
Verlag: Christian Brandstätter Verlag GmvH & Co. KG, Wien
Erstausgabe: 14.09.2011
Auflage: Erstauflage
Jahr: 2011
Seitenanzahl: 340 Seiten
Buchart: Gebunden
Abbildungen: 310 Farbabbildungen
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-85033-580-1
ISBN 13: 978-3-85033-580-5
Größe: ca. 286 x 244 x 24 mm
Gewicht: ca. 1.950 Gramm
Zustand: neu, ungelesen







