Fritz Wotruba | Zeichnungen und Steine
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Beschreibung
Dr. Michael Semff (Hrsg.)
Fritz Wotruba
Zeichnungen und Steine
Der Österreicher Fritz Wotruba (1907–1975) zählt zu den bedeutendsten europäischen Bildhauern des 20. Jahrhunderts. Sein Schaffen war wie kaum ein zweites auf die Figur des Menschen konzentriert. Ausgehend von den frühen Torsi gegen Ende der 1920er-Jahre bis hin zur Kirche in Wien Mauer, die ein Jahr nach Wotrubas Tod geweiht wurde, spannt sich sein Lebenswerk, dessen Konsequenz bereits in eindrucksvollen Werken aus der Vorkriegszeit zu spüren ist und das sich nach 1945 in einer lakonisch gegen jeden modischen Zeitgeist gerichteten Kompromisslosigkeit verdichtet hat.
Die vorliegende Publikation erscheint anlässlich des 100. Geburtstags Wotrubas und stellt durch die Zusammenführung einiger zentraler Steinskulpturen mit einer Auswahl von Zeichnungen den Künstler in seinen elementarsten Medien dar – der nackten Zeichnung und dem nackten Stein: »Zur Realisierung meiner Vorstellungen brauche ich ein Material, das mir Widerstand entgegensetzt ... Deswegen kehre ich immer wieder zum Stein zurück ...«
Vorwort
Der 1907 geborene Fritz Wotruba zählte bis zu seinem Tod 1975 zu den prominentesten Bildhauern Europas. Die Reihe seiner bedeutenden Ausstellungen seit 1930, seine Wertschätzung durch Museen und Sammler in Europa wie in Amerika sowie die unvergleichliche Aufmerksamkeit, die sein Œuvre zu Lebzeiten bei einer Elite von Autoren, Dichtern, Musikern und Philosophen, engen Weggefährten und Freunden erfahren hat, bezeugen das Ansehen des Künstlers. Wotruba wurde neben Henry Moore, Marino Marini, Alberto Giacometti und Germaine Richier der Rang eines der wesentlichen Exponenten der modernen Skulptur zuerkannt, auch wenn seine isolierte Situation in Österreich seinen Bekanntheitsgrad nicht gerade förderte. Der Künstler galt schon seit den späten Fünfzigerjahren als ein eher spröder, hermetischer »Klassiker« der figürlichen Plastik und war doch gleichzeitig in hohem Maße auch der zeitgenössischen künstlerischen und intellektuellen Diskussion verhaftet. Nicht zuletzt trugen hierzu seine Bühnenausstattungen antiker Theaterstücke sowie von Opern Richard Wagners unter der Regie Gustav Rudolf Sellners bei, die in Wien, Berlin, Salzburg und Athen ein internationales Publikum fanden. In jüngerer Zeit wurde es stiller um den Künstler Fritz Wotruba, diese vitale und durchaus auch streitbare Persönlichkeit, deren öffentliche Präsenz und weitreichende Ausstrahlung als Lehrer von Generationen von Bildhauern den Ruf der Wiener Akademie über Jahrzehnte bestimmt hatte.
1967 wurde Fritz Wotruba anlässlich seines 60. Geburtstages mit einer Retrospektive im Münchner Haus der Kunst geehrt, die in der Verantwortung von Werner Hofmann lag, der schon seit den Fünfzigerjahren zu den wesentlichen Interpreten des Bildhauers zählt. Wir schätzen uns glücklich, dass das Werk Fritz Wotrubas vierzig Jahre nach dieser Schau nunmehr aus Anlass seines 100. Geburtstags wieder repräsentativ in München zu sehen ist und dass Werner Hofmann für die unsere Ausstellung begleitende Publikation einen »Rückblick auf Wotruba« beigesteuert hat. In diesem kompiliert der Autor wesentliche Passagen aus zum Teil vor Jahrzehnten an entlegener Stelle publizierten Texten zu Wotruba und ergänzt sie durch neue Reflexionen.
Unsere Ausstellung konzentriert sich erstmalig und mit Bedacht auf die »nacktesten« Medien, deren sich Wotruba bedient hat: die Zeichnung und die Steinskulptur. Ausgehend von dem frühesten Stein, dem Torso von 1928/29 und Zeichnungen von 1925 wird die Spannung dieses Lebenswerks exemplarisch spürbar. Die Versammlung von weiteren bedeutenden Steinen und von circa 120 Zeichnungen bietet die Gelegenheit, Wotrubas jahrzehntelangen, in der Geschichte der Bildhauerei des 20. Jahrhunderts beispiellosen Weg von der menschlichen Figur hin zur Architektur als sinnliche Metamorphose nachzuvollziehen. Thema der Ausstellung ist weniger, Skulpturen mit eventuell vorhandenen Vorzeichnungen zu konfrontieren. Vielmehr soll gezeigt werden, in welchem Maß Wotruba in seinen Zeichnungen von Anbeginn an den elementaren »Bausteinen« des menschlichen Körpers jenen Prozess der Reduktion vorbereitete, welcher sich in den Skulpturen oft erst viel später auswirkte. Die Zeichnungen haben in vielen Fällen als autonome Werke zu gelten, die in ihrer nicht selten ungeschönten Rücksichtslosigkeit den Künstler auf der Höhe seiner schöpferischen Möglichkeiten zeigen. Vor allem in den umfangreichen Folgen der Vierzigerjahre umkreisen und verdichten die Zeichnungen in Dutzenden oft nur minimalen Abweichungen Wotrubas Vorstellung von einer Figur. Sie bilden für den Künstler eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration, aus der es ihm gelingt, die Spontaneität und Ungezügeltheit der Idee in die vollendete Skulptur einfließen zu lassen.
Die Vorbereitung der Ausstellung war langwierig, hieß es doch, einen Fundus von mehreren tausend Zeichnungen zu sichten. Wir danken der Fritz Wotruba Privatstiftung, Wien, und dem Vorsitzenden des Stiftungsvorstandes Prof. Dr. Wilfried Seipel für die spontane Bereitschaft, unser Projekt nicht nur ideell, sondern auch mit einem namhaften Beitrag pekuniär zu unterstützen. Ohne die großzügig gewährten Leihgaben hätte sich die Ausstellung in der vorliegenden Fülle nicht verwirklichen lassen. Der weitaus größte Teil stammt aus den Beständen der Fritz Wotruba Privatstiftung, Wien, der wir zuallererst Dank schulden. Für die über Jahre entgegengebrachte Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft - sei es bei den zahlreichen Besuchen in Wien, sei es bei der praktischen Umsetzung des Projekts - gilt Mag. Gabriele Stöger-Spevak unser herzlichster Dank. Ihrem Einsatz und ihren Detailkenntnissen verdanken wir Wesentliches. Christa Kamm in Zug war eine stets wohlwollende Vermittlerin. Für wichtige Leihgaben aus Zug schulden wir ihr und Dr. Matthias Haldemann, dem Direktor des Kunsthauses Zug, aufrichtigen Dank.
Wenige, aber markante Stücke aus Privatbesitz bereichern die Schau, wofür wir den Eigentümern in besonderem Maß verpflichtet sind.
Es ist kein Zufall, dass die Ausstellung im Frühjahr 2008 von der Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum - Zentrum Internationaler Skulptur in Duisburg, dem wohl würdigsten Ort für die Pflege der Skulptur des 20. Jahrhunderts in Deutschland, übernommen wird. Das Haus ist dem Künstler seit den frühen Sechzigerjahren eng verbunden und besitzt - neben zwei Gipsmodellen einer Großskulptur für den innerstädtischen König-Heinrich-Platz - die bedeutende Steinskulptur Liegende Figur von 1962/63 sowie - als Geschenk von Lucy Wotruba im Jahre 1978 - beinahe sein gesamtes druckgraphisches Werk. Wotrubas Wertschätzung der Kunst Wilhelm Lehmbrucks und seine frühe Beziehung zu dieser Region und ihren Museen - seine erste Einzelausstellung fand 1931 im Essener Folkwang-Museum statt, seine Schwiegereltern stammten aus Düsseldorf - lassen eine Präsenz gerade in Duisburg anlässlich seines 100. Geburtstags als besonders sinnfällig erscheinen.
Wir danken Dr. Marco Obrist vom Kunsthaus Zug für sein Engagement, und in München gebührt Dr. Susanne Wagini für ihre maßgebliche Mitwirkung vor allem in der Spätphase der Ausstellungsdurchführung hohe Anerkennung. Sie war für den umfangreichen Kataloganhang federführend verantwortlich. Lobend hervorgehoben seien auch die weiteren Mitarbeiter der Staatlichen Graphischen Sammlung. Nicht zuletzt verdanken wir dem Team des Hatje Cantz Verlags unter der Führung von Annette Kulenkampff einmal mehr eine dem Anlass entsprechende Publikation.
Prof. Dr. Christoph Brockhaus
Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum Zentrum Internationaler Skulptur, Duisburg
Dr. Michael Semff
Staatliche Graphische Sammlung München
Inhaltsverzeichnis
| Autor | Inhalt | Seite |
| Grußwort | 7 | |
| Vorwort | 9 | |
| Michael Semff | Fritz Wotruba - Zeichnungen und Steine | 13 |
| Fritz Wotruba | Vorwort zu einem Band Zeichnungen | 38 |
| Bildteil | 40 | |
| Fritz Wotruba | Meine ersten Zeichnungen | 63 |
| Bildteil | 64 | |
| Werner Hofmann | Rückblick auf Wotruba | 79 |
| Bildteil | 90 | |
| Fritz Wotruba | Das Material | 108 |
| Bildteil | 110 | |
| Toni Stadler | Über eine Wotruba-Ausstellung | 149 |
| Bildteil | 150 | |
| Fritz Wotruba | Der Stein ist uralt | 170 |
| Hommage a Michelangelo | 172 | |
| Biographie | 193 | |
| Einzelausstellungen (Auswahl) | 212 | |
| Literatur | 215 | |
| Verzeichnis ausgestellter Werke | 219 |
Zur Ausstellung in der Neuen Pinakothek
Fritz Wotruba - Zeichnungen und Steine. Zum 100. Geburtstag des Künstlers.
27.09.07 - 25.11.07
Pinakothek der Moderne, München
Zum 100. Geburtstag des österreichischen Bildhauers Fritz Wotruba zeigt die Staatliche Graphische Sammlung in der Pinakothek der Moderne eine umfangreiche Überblicksschau. Rund 120 Zeichnungen und 7 bedeutende Steinskulpturen aus den Jahren 1925-1975 geben einen eindrucksvollen Einblick in sein Schaffen.
Die Ausstellung konzentriert sich erstmalig und mit Bedacht auf die »nacktesten« Medien, derer sich Wotruba bedient hat: die Zeichnung und die Steinskulptur. Ausgehend von dem frühesten Stein, dem »Torso« von 1928/29 und Zeichnungen von 1925 wird die Spannung dieses Lebenswerks exemplarisch spürbar. Die Versammlung von weiteren bedeutenden Steinen und von rund 120 Zeichnungen bietet die Gelegenheit, Wotrubas jahrzehntelangen, in der Geschichte der Bildhauerei des 20. Jahrhunderts beispiellosen Weg von der menschlichen Figur hin zur Architektur als sinnliche Metamorphose nachzuvollziehen.
Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit und mit finanzieller Unterstützung durch die Fritz Wotruba Privatstiftung Wien, die auch den Hauptanteil der Leihgaben zur Verfügung stellte. Weitere wichtige Exponate stammen darüber hinaus aus dem Kunsthaus Zug sowie aus Privatbesitz.
Die Ausstellung geht im Anschluss an München an die Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum – Zentrum Internationaler Skulptur Duisburg (3.2.-4.5.2008).
Zur Ausstellung im Lehmbruck-Museum
Fritz Wotruba - Zeichnungen und Steine. Zum 100. Geburtstag des Künstlers.
12.02.08 - 04.05.08
Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg
Fritz Wotruba (1907-1975) zählt zu den prominentesten Bildhauern Europas, der seit den 1930er Jahren mit bedeutenden Ausstellungen in Europa und Amerika seine Wertschätzung durch Museen und Sammler erhalten hat. Die unvergleichliche Aufmerksamkeit, die sein Œuvre zu Lebzeiten von Autoren, Dichtern, Musikern und Philosophen, engen Weggefährten und Freunden erfahren hat, bezeugen das Ansehen des österreichischen Künstlers, der von Kennern neben Henry Moore, Marino Marini, Alberto Giacometti und Germaine Richier der Rang eines der wesentlichen Exponenten der modernen Skulptur zugebilligt wird. Darüber hinaus hat Wotruba ganze Bildhauergenerationen als Professor an der Wiener Kunstakademie ausgebildet.
Die Ausstellung im Lehmbruck Museum konzentriert sich mit Bedacht auf die „nacktesten“ Medien, derer sich Wotruba bedient hat: die Zeichnung und die Steinskulptur. Ausgehend von dem frühesten Stein, dem „Torso“ von 1928/29, und Zeichnungen ab 1925 wird die Spannung dieses Lebenswerks exemplarisch spürbar. Die Versammlung von weiteren bedeutenden Steinen und rund 120 zumeist erstmals gezeigten Zeichnungen bietet die Gelegenheit, Wotrubas jahrzehntelangen, in der Geschichte der Bildhauerei des 20. Jahrhunderts beispiellosen Weg von der menschlichen Figur hin zur Architektur als sinnliche Metamorphose nachzuvollziehen.
Nach dem Tode Wotrubas wurde es stiller um diese vitale und durchaus auch streitbare Persönlichkeit, deren öffentliche Präsenz und weitreichende Ausstrahlung als Lehrer von Generationen von Bildhauern den Ruf der Wiener Akademie über Jahrzehnte bestimmt hatte.
Über Fritz Wotruba
Fritz Wotruba (* 23. April 1907 in Wien; † 28. August 1975 ebenda) gilt als einer der bedeutendsten österreichischen Bildhauer des 20. Jahrhunderts. In seinem Werk löst er zunehmend die figürlichen Komponenten zugunsten geometrischer Abstraktion mit dem Kubus als Grundform auf. Trotzdem wehrte er sich zeitlebens gegen die Bezeichnung "Postkubismus".
Leben
1907 wurde Fritz Wotruba, Sohn von Adolf (Schneidergehilfe aus Böhmen) und Maria Wotruba (Dienstmädchen aus Ungarn), geborene Kocsi, als jüngstes von acht Kindern in Wien geboren.
1921-1925 machte er eine Ausbildung zum Stanzengraveur als Lehrling in der Graveur- und Stanzenwerkstätte in Wien von Josef Schantin. Er besuchte von Februar bis Sommer 1926 an der Kunstgewerbeschule des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie in Wien offene Abendkurse im Aktzeichnen. Mit dem Herbstsemester 1926 begann er sein Studium in der Fachklasse für Bildhauerei der Kunstgewerbeschule. Bis zum Ende dieses Studiums 1928 war er Schüler Anton Hanaks, und erhielt von der Gesellschaft zur Förderung moderner Kunst in Wien, der Arbeiterkammer und der Gemeinde Wien ein Stipendium. In Hanaks Klasse lernte er Marian Fleck (geb. 10. Mai 1905 in Düsseldorf, gest. 30. August 1951 in Wien), Tochter eines jüdischen Kaufmanns aus Düsseldorf, kennen, die er am 27. Dezember 1929 auf dem Standesamt im Wiener Rathaus heiratete.
Von 1938-45 lebte er in der Emigration in der Schweiz und war ab 1945 Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Im Jahr 1948 und 1952 war er der österreichische Vertreter auf der Biennale in Venedig. Fritz Wotruba war Teilnehmer der documenta II im Jahr 1959 und war danach weiterhin auch auf der documenta III 1964 und der documenta 6 1977 (posthum) in Kassel als Künstler vertreten.
Sein Ehrengrab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 32 C, Nummer 32).
Werk
Sein größtes Werk, an dem er bis zu seinem Tod arbeitete, war die Planung der Kirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit in Wien-Mauer, besser bekannt als Wotrubakirche. Den Abschluss des Kirchenbaus im Jahre 1976 hat er nicht mehr erlebt. 1956 schuf er die Plastik des Gekreuzigten über den Haupteingang der Parscher Pfarrkirche Zum Kostbaren Blut. Für die Hofkirche Bruchsal hat Wotruba ein Kruzifix geschaffen und die künstlerische Ausstattung des Altarraumes übernommen (Weihe 1969; wv 294 und 347). Viele seiner Statuen stehen in öffentlichen Parks in Wien.
Sein Nachlass umfasst unter anderem rund 400 Skulpturen, 2.500 Zeichnungen und 1.500 druckgrafische Blätter.
Die Münchener Pinakothek der Moderne stellte vom 26. September 2007 bis zum 25. November 2007 Zeichnungen und Skulpturen von Wotruba aus.
Details
Herausgeber: Dr. Michael Semff, Staatliche Graphische Sammlung München
Texte: Werner Hofmann, Dr. Michael Semff, Toni Stadler und Fritz Wotruba
Verlag: Hatje Cantz, Ostfildern
Auflage: Erstauflage
Jahr: 10/2007
Seitenanzahl: 224 Seiten
Buchart: Gebunden mit Schutzumschlag
Abbildungen: 172 Abbildungen, davon 5 farbig, 167 in Duplex
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-7757-2014-6
ISBN 13: 978-3-7757-2014-4
Größe: ca. 276 x 218 x 30 mm
Gewicht: ca. 1.300 Gramm
Zustand: neu, ungelesen







