Gegen Kandinsky | Against Kandinsky

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9,80 EUR

ISBN: 9783775718967  

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Beschreibung

Dr. Margarita Tupitsyn
Gegen Kandinsky | Against Kandinsky

Gegen Kandinsky befasst sich mit dem Bruch zwischen der expressionistischen und der geometrischen Richtung der abstrakten Kunst, also mit jenen beiden künstlerischen Positionen, die sich in der Geschichte der Moderne einen Dauerwettstreit um die stilistische und theoretische Vormacht lieferten. Innerhalb dieses historischen Gefüges nimmt Wassily Kandinsky als Begründer eines expressionistischen Malstils und zugleich als unermüdlicher Verfechter einer intuitiven Form der abstrakten Kunst eine Sonderstellung ein.

Gegen Kandinsky besteht aus vier Teilen, die jeweils eine Gegenbewegung zu Kandinskys Begriff der abstrakten Kunst beleuchten. Anhand der Metapher der künstlerischen Spaltung betrachtet die Publikation die Geschichte der abstrakten Kunst des 20. Jahrhunderts aus einem erweiterten kultur- und sozialgeschichtlichen Blickwinkel mit dem Ziel, die Parallelen zwischen der europäischen und der amerikanischen Kunst hervorzuheben.

 

Description

Against Kandinsky examines the schism between expressionist and geometric abstraction - the two canons to compete for stylistic and theoretical supremacy throughout modernist history. Within this historical context, Vasily Kandinsky occupies a unique position as both the originator of the expressionist style of painting and the tireless defender of both intuitive and syncretic modes of abstraction.

Against Kandinsky consists of four sections, each of which examines a case of resistance to Kandinsky's artistic canon. By using this particular metaphor of aesthetic division, this publication looks at the history of twentieth-century abstraction from a broadened perspective of cultural and social history that aims at emphasizing the parallels between European and American art.

Die Künstler | The artists

Carl Andre, Varvara Bubnova, Francisco Infante, Karl Ioganson, Donald Judd, Vasily Kandinsky, Nikolai Ladovskii, Sol LeWitt, Lidiia Masterkova, Konstantin Medunetskii, Hannes Meyer, Robert Morris, Vladimir Nemukhin, Lev Nussberg, Jackson Pollock, Liubov' Popova, Aleksandr Rodchenko, Frank Stella, Vladimir und | and Georgii Stenberg, Varvara Stepanova

Vorwort

"Damals war Franz Stuck "der erste Zeichner Deutschlands", und ich ging zu ihm - leider nur mit meinen Schularbeiten. Er fand alles ziemlich verzeichnet und riet mir, in der Zeichenklasse der Akademie ein Jahr zu arbeiten. Ich fiel bei der Prüfung durch, was mich nur geärgert, aber gar nicht entmutigt hat: es wurden bei dieser Prüfung Zeichnungen gut geheißen, die ich mit vollem Rechte dumm, talentlos und ganz ohne jede Kenntnis fand. Nach einem Jahr der Arbeit zu Hause ging ich zum zweiten Mal zu Franz Stuck - dieses Mal nur mit Entwürfen zu Bildern, die ich noch nicht fertig malen konnte und mit einigen Landschaftsstudien. Er nahm mich in seine Malklasse auf, und auf meine Frage wegen meiner Zeichnung bekam ich zur Antwort, sie sei ausdrucksvoll. Stuck stellte sich schon bei meiner ersten Arbeit auf der Akademie energisch gegen meine "Extravaganzen" in der Farbe und riet mir, erst schwarzweiß zu malen, um nur die Form zu studieren."

Wassily Kandinsky, zit. in: Kandinsky 2004, o. S.

Von den Künstlern, die beim Münchner Malerfürsten und Sezessionisten Franz von Stuck studierten, ist Wassily Kandinsky ohne Zweifel der berühmteste und einflussreichste. Das in Stucks architektonischem Gesamtkunstwerk untergebrachte Museum Villa Stuck ist daher der passende Ort für eine Ausstellung, die den Kontroversen und künstlerischen Debatten um das Werk Kandinskys gewidmet ist. Die russisch-amerikanische Kuratorin und "Société Kandinsky Fellow 1999", Dr. Margarita Tupitsyn, hat eine Ausstellung organisiert, die den Einfluss von Kandinskys künstlerischem Denken und Schaffen im Lauf des 20. Jahrhunderts in dessen russischer Heimat wie auch in Deutschland und den USA aus neuen, oft überraschenden und aufschlussreichen Perspektiven beleuchtet.

Die Ausstellung und der vorliegende Begleitband zeichnen die überaus komplexe Beziehung Kandinskys zu zeitgenössischen russischen Künstlern wie Alexander Rodtschenko und Warwara Stepanowa in den Jahren 1919 bis 1921 und zu Bauhauskollegen wie Hannes Meyer im weiteren Verlauf der 1920er-Jahre nach. Darüber hinaus dokumentiert sie weniger bekannte Aspekte der Kunst Kandinskys wie etwa die anhaltende Beschäftigung mit der Architektur, und wir lernen Neues über seine Beziehung zur Farbe Schwarz, die er zunächst ablehnte, dann aber immer wieder in besonderer Weise einsetzte. Auch der Einfluss von Kandinskys expressiver abstrakter Malerei auf die Entwicklung der Kunst in den USA ab den 1940er-Jahren wird untersucht. In den 1950er- und 1960er-Jahren führte dieser dazu, dass Künstler wie Frank Stella und Donald Judd sich von den "altvertrauten Spuren der Persönlichkeit (expressiven Krümmungen)" zu befreien suchten. Entwicklungen dieser Art werden im Hinblick auf ähnliche Positionskämpfe innerhalb der russischen Moderne der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts betrachtet. Diese Verbindung russischer und amerikanischer Perspektiven in der Auseinandersetzung mit dem oft polarisierten Diskurs expressiver wie geometrischer Formen der abstrakten Kunst in Europa und den USA zeichnet Margarita Tupitsyns Ansatz aus.

Zwei Weltkriege, der Kalte Krieg der Ideologien, politische Verfolgung und Auslöschung, Verfemung oder Unterdrückung von Entwicklungen in der Kunst sowie von Kunstwerken haben zu Brüchen im Diskurs der Moderne des 20. Jahrhunderts geführt. Seit Anfang der 1990er-Jahre hat das Museum Villa Stuck eine Reihe von Ausstellungen organisiert, die versuchten, Kunstgeschichte von ideologischen Denkschemata zu befreien. Drei dieser Ausstellungen waren der Geschichte der Kunst in der Sowjetunion gewidmet: Ingenieure der Seele: Sowjetische Malerei des Sozialistischen Realismus, 1930-1970 (1993), Die Avantgarde und die Ukraine, 1910-1936 (1993) und Tyrannei des Schönen: Architektur der Stalin-Zeit (1995). Weitere Ausstellungen rückten vergessene Geschichten der Moderne in außereuropäischen Ländern während einer Zeit des Widerstandes gegen Fremdherrschaft und des Strebens nach kultureller Unabhängigkeit in den Blickpunkt: The Short Century: Independence and Liberation Movements in Africa 1945-1994 (2001/02) und Shanghai Modern 1919-1945 (2004/05). Unabhängig vom jeweiligen geografischen und kulturellen Kontext stand bei diesen Ausstellungen die Frage im Mittelpunkt, ob eine politisch ausgerichtete Kunst, die als "nationale Kunst" verstanden werden will, dies am ehesten mit den Mitteln der Figuration oder über die ideale Dimension des Abstrakten erreicht. Die Komplexitäten dieser Debatte wurden auch in jüngerer Zeit in Ausstellungen des Museums Villa Stuck wiederholt thematisiert, so in Theo van Doesburg: Maler-Architekt (2000), Art of Tomorrow: Hilla von Rebay und Solomon R. Guggenheim (2005/06), Stunde 0: Rupprecht Geiger und Hilla von Rebay (2005) und Gruppe SPUR (2006). Die jetzige Ausstellung Gegen Kandinsky, die wesentliche Aspekte der künstlerischen Theorie und Praxis Kandinskys im Kontext seines sich über mehrere Länder erstreckenden Wirkens en detail betrachtet, stellt zugleich eine logische Fortsetzung und eine entscheidende Bereicherung dieser Reihe dar. Der vorliegende Band zeichnet die Wege Kandinskys und seiner Ideen nach: von Russland nach Deutschland, von dort zurück nach Russland und anschließend wieder nach Deutschland, bis das NS-Regime den Künstler zur Flucht nach Frankreich zwang. Untersucht wird zudem, wie seine künstlerischen Ideen in den USA aufgenommen wurden und von dort schließlich in verarbeiteter Form in den Werken amerikanischer Künstler, die 1959 in der ungemein einflussreichen Nationalen amerikanischen Ausstellung in Moskau zu sehen waren, wieder zurück nach Russland fanden.

Margarita Tupitsyn gilt unser Dank für einen wichtigen neuen Beitrag zu unserem Verständnis der Rolle Kandinskys in der Entwicklung der "modernen" Kunst und der aus Widerstand zu seinem Modell erwachsenden Tendenzen.

Jo-Anne Birnie Danzker, Direktorin
Museum Villa Stuck, München

Inhaltsverzeichnis

Autor Inhalt Seite
Jo-Anne Birnie Danzker Vorwort 6
Jo-Anne Birnie Danzker Foreword 8
Margarita Tupitsyn Einführung und Dank 10
Margarita Tupitsyn Preface and Acknowledgments 13
Margarita Tupitsyn Gegen Kandinsky  
  Kapitel I
Moskau
18
  Kapitel II
Dessau
44
  Kapitel III
New York
74
  Kapitel III
New York
106
  Anmerkungen 128
  Bibliografie 132
Margarita Tupitsyn Against Kandinsky  
  Chapter I
Moscow
138
  Chapter II
Dessau
145
  Chapter III
New York
152
  Chapter IV
Moscow
161
  Notes 168
  Bibliography 172
  Anhang | Appendix  
  Bildverzeichnis | Illustrations 176
  Fotonachweis | Photo Credits 183

Zur Ausstellung

Gegen Kandinsky | Against Kandinsky
Museum Villa Stuck, München
23. November 2006 bis 18. Februar 2007


Die Ausstellung Gegen Kandinsky besteht aus vier Teilen, die jeweils eine Gegenbewegung zu Kandinskys Begriff der abstrakten Kunst beleuchten. An Hand der Metapher der » künstlerischen Spaltung « betrachtet die Ausstellung die Geschichte der abstrakten Kunst des 20. Jahrhunderts aus einem erweiterten kultur- und sozialgeschichtlichen Blickwinkel mit dem Ziel, die Parallelen zwischen der europäischen und der amerikanischen Kunst hervorzuheben. In den einzelnen Teilen der Ausstellung werden Werke von Künstlern, die entgegengesetzte Positionen vertreten, jeweils einander gegenübergestellt.

Die Entwicklung der Moderne im 20. Jahrhundert ist ohne Wassily Kandinsky nicht denkbar. In der Gemeinschaft der Künstlergruppe Blauer Reiter, während seiner Zeit in Moskau oder als Lehrer am Bauhaus in Dessau - in jeder Phase seines Lebens gab Kandinsky entscheidende Impulse und beeinflusste Generationen von Künstlern. Kandinsky gilt, auch wegen seiner kunsttheoretischen Schriften, als der Wegbereiter der abstrakten Kunst.

Die Ausstellung Gegen Kandinsky befasst sich mit dem Bruch zwischen der expressionistischen und der geometrischen Richtung der abstrakten Kunst. Diese beiden künstlerischen Positionen lieferten sich in der Geschichte der Moderne einen Dauerwettstreit um die stilistische und theoretische Vormacht . Innerhalb dieses historischen Gefüges nimmt Wassily Kandinsky als Begründer eines expressionistischen und später geometrischen Malstils und zugleich als unermüdlicher Verfechter einer intuitiven Form der abstrakten Kunst eine Sonderstellung ein.

Gezeigt werden Gemälde, Zeichnungen, dreidimensionale Konstruktionen, Bühnenbilder, Fotografien und Filme von Carl Andre, Warwara Bubnowa, Francisco Infante, Donald Judd, Wassily Kandinsky, Nikolai Ladowski, Sol LeWitt, Lydia Masterkowa, Konstantin Medunezki, Hannes Meyer, Wladimir Nemuchin, Lew Nussberg, Ljubow Popowa, Alexander Rodtschenko, Frank Stella, Wladimir Stenberg, Warwara Stepanowa. Die Ausstellung versammelt hochkarätige Leihgaben von institutionellen und privaten Leihgebern aus Deutschland, Frankreich, Russland und den Vereinigten Staaten.

Details

Herausgeber: Museum Villa Stuck, München
Autorin: Dr. Margarita Tupitsyn
Vorwort: Jo-Anne Birnie Danzker
Verlag: Hatje Cantz, Ostfildern
Auflage: Erstauflage
Jahr: 11/2006
Seitenanzahl: 184 Seiten
Buchart: Gebunden mit Schutzumschlag
Abbildungen: 142 farbige Abbildungen
Sprache: Deutsch und Englisch
ISBN 10: 3-7757-1896-6
ISBN 13: 978-3-7757-1896-7
Größe: ca. 242 x 178 x 22 mm
Gewicht: ca. 800 Gramm
Zustand: neu, ungelesen