Gerhard Richter - Übermalte Fotografien
|
|
Beschreibung
Markus Heinzelmann (Hrsg.)
Gerhard Richter
Übermalte Fotografien
Gerhard Richter hat in seinem facettenreichen Œuvre immer wieder Fotografien als Grundlage für seine Arbeiten herangezogen. Seine unscharfen Abmalungen nach fotografischen Vorlagen sind von der Kunstforschung vielfach untersucht worden. Im Unterschied dazu hat Richter jedoch auch handelsübliche Fotoabzüge direkt mit Ölfarbe übermalt. Inspiriert von den zufälligen Farbklecksen und -spuren auf den Vorlagen für seine Gemälde, entstanden dabei bildmäßige Übermalungen. Bereits in Richters Atlas waren solche Übermalungen zu finden. Jene in der Regel kleinformatigen Bilder befinden sich fast ausnahmslos in Privatbesitz und werden selten öffentlich gezeigt. Auch in diesen, von einem malerischen Schleier überzogenen Sujets erweist Richter sich als »Meister im Distanzhalten«, wie Robert Storr es einmal formuliert hat. Diese Monografie bietet die einzigartige Gelegenheit, einen umfangreichen Werkkomplex im Œuvre des Künstlers zu würdigen, der bisher wenig Beachtung fand.
Ausstellungen:
Museum Morsbroich, Leverkusen 17.10.2008–18.1.2009
Centre de la photographie Genève, Genf 29.1.–29.3.2009
Lieferstatus
Wichtiger Hinweis:
Das Buch wird erst ab 01.06.2012 wieder ausgeliefert. Bitte haben bis dahin etwas Geduld.
Zur Ausstellung im Museum Morsbroich
Gerhard Richter. Übermalte Fotografien
19.10.08 - 18.01.09
Museum Morsbroich, Leverkusen
Mit der Ausstellung „Gerhard Richter. Übermalte Fotografien“ präsentiert das Museum Morsbroich erstmals einen nahezu unbekannten Strang im Werk des weltberühmten Künstlers. Die rund 500 Arbeiten der Ausstellung aus den Jahren 1986 bis 2008 stammen fast ausnahmslos aus Privatbesitz und belegen, wie sich über einen langen Zeitraum und weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit die umfangreiche Gruppe der Fotoübermalungen zu einem faszinierenden Werkblock entwickelt hat.
Gerhard Richter hat die Technik der Fotoübermalung durch Zufall entdeckt: Als er Fotografien und Zeitungsausschnitte als Vorlagen für seine Ölgemälde benutzte, sind ihm während des Malens und beim Abgleich der Farbwerte immer wieder Ölfarben auf die Fotos getropft. Die dabei entstandenen Farbeffekte und die Wechselwirkung zwischen den unterschiedlichen Medien Fotografie und Malerei haben Richter dazu angeregt, mit dieser außergewöhnlichen Kombination intensiv zu experimentieren und sie zu einer eigenständigen Werkgruppe auszubauen.
In der Regel verwendet der Künstler für seine Übermalungen handelsübliche Fotoabzüge in der Größe von 10 mal 15 Zentimetern. Die Fotos entstehen im Familien- und Freundeskreis, im Urlaub und auf Reisen, während der Suche nach Motiven für seine Gemälde oder einfach beim Spazierengehen. Richter fertigt jedes Jahr Tausende von Fotos an, von denen all diejenigen, die nicht in das private Fotoalbum aufgenommen oder weiter verarbeit werden, in einer großen Kiste landen. An manchen Tagen, an denen Richter mit dem Rakel abstrakte Ölbilder geschaffen hat, holt er einige ausgewählte Fotografien wieder hervor und fertigt mit den noch nassen Farbresten seine Übermalungen an.
Richter zieht die Fotos durch die Ölfarbe, schiebt die Farbe zu dicken Wülsten auf, verwischt sie und erzielt auf diese Weise surreale Farbschlieren, drückt die Fotos flach auf den Rakel und hebt sie vorsichtig wieder ab, so dass sich die zähe Farbe zu vielfältigen, gezackten Farbinseln erhebt. Bisweilen geht der Künstler noch einmal mit dem Spachtel durch die nasse Masse. Dabei entsteht ein fantastisches Wechselspiel zwischen den beiden Realitäten Fotografie und Malerei: Die dokumentarische Form des Fotos und der ungegenständliche Charakter des Farbauftrags kommentieren sich gegenseitig und zeitigen eine märchenhafte Flut von Assoziationen und Bildsensationen.
„Beim Betrachten dieser übermalten kleinen Bilder in der Größe von Schnappschüssen, die ich wie Karten durchmischen könnte, wenn ich sie je in die Hand bekäme, dachte ich: Sie sind so schön. (…) Ich war entzückt von den Farben der Übermalung und des Bildes darunter, und als ich mit der Betrachtung fortfuhr, wurde ich wehmütig, traurig, amüsiert, verwirrt, erstaunt, und manchmal überkam mich ein Gefühl eines schmerzlichen Verlusts. Einige Male habe ich laut gelacht. Ich war die ganze Zeit fasziniert.“ (Siri Hustvedt in ihrem Essay für den Katalog)
Kurator: Markus Heinzelmann, Katalog: ca. 224 S., 240 Farbabb.
Zu Gerhard Richter
Gerhard Richter *1932 in Dresden. 1952-1956 Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. 1961-1963 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Karl Otto Götz. 1962-1982 Atelier in Düsseldorf. 1971-1994 Professur an der Kunstakademie Düsseldorf. 1975-1992 Mitglied der Akademie der Künste, Berlin. 1988 Kaiserring der Stadt Goslar. 1997 Goldener Löwe der 47. Biennale von Venedig. 1998 Wexner-Preis, Columbus, Ohio. Lebt und arbeitet in Köln.
Über Uwe M. Schneede
Uwe M. Schneede, geb. 1939, war bis 1991 Professor für Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und von 1991 bis 2006 Direktor der Hamburger Kunsthalle.
Über Botho Strauss
Botho Strauß wurde 1944 in Naumburg (Saale) geboren. In Köln und München studierte er Germanistik, Theatergeschichte und Soziologie. Von 1970 bis 1975 war er Dramaturg an der Schaubühne am Halleschen Ufer in Berlin, wo er heute als freier Schriftsteller lebt. Sein schriftstellerisches Werk wurde mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet; 1987 wurde ihm der Jean-Paul-Preis und 1989 der Georg-Büchner-Preis verliehen. Seine Theaterstücke gehören zu den meistgespielten an deutschen Bühnen. 2007 erhielt Botho Strauß den Schiller-Gedächtnis-Preis 2007 des Landes Baden-Württemberg.
Über Siri Hustvedt
Siri Hustvedt wurde am 19.02.1955 in Northfield, Minnesota, als älteste von vier Töchtern eines norwegisch-amerikanischen Professors für Skandinavistik und einer norwegischen Einwanderin geboren. Nach dem Besuch des St. Olaf College in Northfield, das sie 1977 mit B.A. in Geschichte abschloss, arbeitete sie zunächst als Kellnerin. 1978 ging sie zum Studium nach New York. 1979 erwarb sie an der Columbia University den M.A. in Anglistik. 1986 wurde sie mit einer Arbeit über Charles Dickens ("Figures of Dust. A Reading of 'Our mutual friend'") zum PhD promoviert. Im Februar 1981 lernte sie den Schriftsteller Paul Auster kennen, den sie 1983 heiratete und mit dem sie einen Stiefsohn und eine Tochter hat. Heute arbeitet Siri Hustvedt als Schriftstellerin, Essayistin und Übersetzerin aus dem Norwegischen.
Details
Herausgeber: Markus Heinzelmann
Texte: Markus Heinzelmann, Siri Hustvedt, Uwe M. Schneede und Botho Strauß
Verlag: Hatje Cantz, Ostfildern
Auflage: Erstauflage
Jahr: 10/2008
Seitenanzahl: 392 Seiten
Buchart: Leinen
Abbildungen: 496 Abbildungen, davon 495 farbig
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-7757-2242-4
ISBN 13: 978-3-7757-2242-1
Größe: ca. 266 x 228 x 38 mm
Gewicht: ca. 2.200 Gramm
Zustand: neu, ungelesen
Das Buch ist auch auf englisch erschienen. Die Englische Ausgabe ISBN 978-3-7757-2243-8 ist leider ausverkauft. Wir empfehlen hier den Kauf der Ausgabe in Deutsch oder bei Amazon.








