Kinetismus - Wien entdeckt die Avantgarde
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Beschreibung
Monika Platzer und Ursula Storch im Auftrag des Wien Museums (Hrsg.)
Kinetismus
Wien entdeckt die Avantgarde
»Neues Empfinden, neues Denken, neues Sehen.« Leopold Wolfgang Rochowanski
Der Wiener Kinetismus stellt einen der wenigen Beiträge Österreichs zur internationalen Avantgarde der 1920er Jahre dar. Begründer des Kinetismus war der international anerkannte Pädagoge Franz Cižek, unter dessen Anleitung es an der Wiener Kunstgewerbeschule ab 1918 zu einer eigenständigen Rezeption von Expressionismus, Kubismus, Futurismus und Konstruktivismus kam. Zu den Hauptvertretern zählen neben Erika Giovanna Klien auch die einem breiten Publikum bislang weniger bekannten Elisabeth Karlinsky und My Ullmann.
Der Band des Wien Museums, das mit dem Nachlass Franz Cižeks die größte Sammlung von Arbeiten des Wiener Kinetismus besitzt, würdigt nun erstmals umfassend die Bewegung. Mit einer erlesenen Auswahl an Werken werden die Kunstströmung, ihr Ideengeber und ihre Protagonisten ausführlich vorgestellt. Dabei wird auch der Stellenwert des Wiener Kinetismus im österreichischen und internationalen Kunstgeschehen, etwa im Verhältnis zum Weimarer Bauhaus und zur ungarischen Avantgarde, beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
| Autor | Inhalt | Seite |
| Wolfgang Kos / Monika Platzer / Ursula Storch | Vorwort: Der Kinetismus - eine unwienerische Avantgarde | 6 |
| Monika Platzer | Kinetismus = Pädagogik - Weltanschauung - Avantgarde | 8 |
| Ulrike Matzer | Die drei Stars der Klasse: Klien - Ullmann - Karlinsky | 60 |
| Sabine Plakolm-Forsthuber | Der Wiener Kinetismus im Kontext | 88 |
| Ursula Storch | Text im Bild. Schriftelemente im Kinetismus | 118 |
| Barbara Lesák | Der Wiener Theaterkinetismus | 138 |
| Rolf Laven | Franz Cizek - Lebensgeschichte eines Propheten mit beschränkter Wirkung | 154 |
| Bernhard Leimer | Zur Wiederentdeckung des Wiener Kinetismus. Ein persönlicher Rückblick unter Berücksichtigung von Kalendernotizen | 174 |
| Liste der ausgestellten Objekte | 186 | |
| Marion Krammer | Kurzbiograpen der Wiener Kinetisten | 200 |
| Marion Krammer | Kulturhistorische Synopse | 208 |
Die Wiener Kinetisten (Auswahl):
Georg Anton Adams-Teltscher, Gertraud Brausewetter, Margarete Hamerschlag, Erika Giovanna Klien, Elisabeth Karlinsky, Paul Kirnig, Friedericke Nechansky, Gertrude Neuwirth, Ernst Anton Plischke, Johanna/Hansi Reismayer, Ludwig Reutterer, Leopold Wolfgang Rochowanski, Emil Stejnar, Hertha Sladky, Harry Täuber, Peter Tölzer, Gertrude/Trudl Tomaschek, Marianne/My Ullmann, Otto Erich Wagner, Stella Weissenberg
Zur Ausstellung
Kinetismus
Wien entdeckt die Avantgarde
Wien Museum, Wien, Karlsplatz
25. Mai 2006 bis 1. Oktober 2006
Neues Empfinden, neues Denken, neues Sehen!
Formen und Farben in rotierender Bewegung, rhythmische Dynamik als Ausdruck einer neuen Sensitivität: Der Wiener Kinetismus war die erste Kunstrichtung Österreichs mit radikal-abstrakten Ansätzen. Er entwickelte sich im Verborgenen, seine große Bedeutung für die österreichische Moderne wurde erst im Nachhinein sichtbar.
Es waren vor allem enthusiastische junge Frauen, die in den frühen 1920er Jahren in der Laboratmosphäre von Franz Cizeks Kurs für "Ornamentale Formenlehre" nach einem neuen künstlerischen Ausdruck suchten. Der Kinetismus entstand als revolutionäres pädagogisches Experiment an der Kunstgewerbeschule, als Ziel nannte der charismatische Lehrer Cizek einen "vom modernen Leben durchpulsten Aktivismus". Aus diesem geschlossenen Milieu kam die Energie, die heute noch spürbar ist.
Frei von formalen Gesetzen brachten Cizeks Schülerinnen und Schüler ihre innersten Gefühle, ihre "Seele" aufs Papier. Wut, Neid und Trauer wurden in dynamisches Formenspiel ebenso übersetzt wie Kälte und Glut, ja selbst Geruch oder Lärm. Was expressionistisch begann, verfeinerte man mit Kubismus und Futurismus: Der Kinetismus (griech. "kinesis" = "Bewegung") war geboren.
Die Stars der Bewegung waren exzentrische Persönlichkeiten wie Erika Giovanna Klien, My Ullmann und Elisabeth Karlinsky, die sich auch privat für ein Leben abseits der Normen entschieden. Viele ihrer Kolleginnen mussten jedoch mit dem Image als "Kunstgewerblerinnen" leben. 1924 erreichte der Kinetismus seinen Höhepunkt. Die besten Schülerinnen schlossen ihr Studium ab, Cizeks Kurs wurde aufgelöst, Klien, Ullmann und Karlinsky versuchten ihr Glück im Ausland. Bald darauf war der Kinetismus vergessen – erst in den 70er Jahren begann man, sich vor allem für das Werk Erika Giovanna Kliens zu interessieren.
Die Ausstellung erlaubt nun erstmals, sich ein umfassendes Bild des Kinetismus zu machen. Das Wien Museum besitzt mit dem Nachlass Franz Cizeks die bedeutendste Sammlung kinetistischer Kunst. Ergänzt wird diese um wertvolle Leihgaben.
Gezeigt werden die Hauptwerke von Klien, Ullmann und Karlinsky sowie zahlreiche Dokumente, unter ihnen Übungsblätter aus der Cizek-Klasse und Atelierfotos. Nach mehr als 80 Jahren ist nun Wiens wichtigste Avantgardebewegung der Zwischenkriegszeit neu zu entdecken.
Der Kinetismus entstand in der energiegeladenen Laboratmosphäre von Cizeks Klasse an der Kunstgewerbeschule. Angelehnt an deren Impulse veranstaltet der Künstler Rolf Laven für Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren im Rahmen der Ausstellung einen „Speed-Workshop“ zu den Themen Bewegung – Tempo – Beschleunigung. Als Gemeinschaftsprojekt aller SchülerInnengruppen wird in der Ausstellung ein „Endlos-Fries“ geschaffen, wobei die kreative Arbeit der TeilnehmerInnen unter anderem durch Musik und Rhythmus angeregt wird.
Details
Herausgeber: Monika Platzer und Ursula Storch im Auftrag des Wien Museums
Texte: Wolfgang Kos, Rolf Laven, Bernhard Leitner, Barbara Lesák, Ulrike Matzer, Sabine Plakolm-Forsthuber, Monika Platzer und Ursula Storch
Verlag: Hatje Cantz, Ostfildern
Auflage: Erstauflage
Jahr: 05/2006
Seitenanzahl: 216 Seiten
Buchart: Gebunden mit Schutzumschlag
Abbildungen: 222 Abbildungen, davon 159 in Farbe
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-7757-1797-8
ISBN 13: 978-3-7757-1797-7
Größe: ca. 306 x 209 x 23 mm
Gewicht: ca. 1.300 Gramm
Zustand: neu, ungelesen, OVP







