Max Beckmann | Apokalypse

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Beschreibung

Corinna Höper
Max Beckmann - Apokalypse

In den Jahren 1941 bis 1942 schuf Max Beckmann im Amsterdamer Exil eine Lithographienfolge zur Apokalypse im Auftrag der Bauerschen Schriftgießerei in Frankfurt a.M. Der Katalog zur Ausstellung zeigt die 27 Zeichnungen und stellt ihnen die einzigartigen von Beckmann handkolorierten Probeabzüge gegenüber.

Max Beckmann fertigte 27 Zeichnungen, die heimlich nach Frankfurt gebracht und dort auf Stein umgedruckt wurden. Die Probeabzüge wurden nach Amsterdam zurückgeschickt und dort handkoloriert. Dieses »Urexemplar«wurde wiederum nach Frankfurt zurückgesandt und diente als Vorlage für die von verschiedenen Zeichnern in der Bauerschen Gießerei ausgeführte farbliche Fassung der gedruckten Exemplare.

In seinen Tagebüchern begleitet Beckmann die Entstehung der Apokalypse. Als Zusatz findet sich am 11.4.1942, dem Tag, an dem Beckmann begann das »Urexemplar« zu kolorieren, der Eintrag: »Nachts Flieger von halb elf bis halb drei!« Diese Aktualität jedoch steht in den Bildern nicht im Vordergrund, sondern es ist das Schicksal des Menschen und dessen Erlösung, das Beckmann thematisiert. Mehrfach erscheint der Künstler im Selbstbildnis und zeigt durch seine Anwesenheit auch sein persönliches Schicksal als Exilant, bedroht von Verfolgung. Die Arbeit an der Apokalypse wird zur Erlösung - einerseits für den Künstler, andererseits durch ihn als Stellvertreter für die gesamte Menschheit.

Beckmann illustriert nicht nur die Gedanken des Textes, sondern er denkt in Bildern und »schreibt« in Bildern ein allgemeingültiges »Musterbuch« über die Hoffnung. Zur Vermittlung der übergreifenden Thematik bedurfte es keiner aggressiven oder zu eindeutigen Bildsprache, um zu erschüttern. Die überwiegend inneren Frieden vermittelnde Kunst angesichts der realen Hölle des Krieges ist nicht nur das Erstaunlichste an Beckmann, sondern das wahrhaft Ergreifende.

 

Rezension

Ein wunderbares Buch. Der informative Text zur Entstehungsgeschichte dieses Werks erlaubt tiefe Einblicke in das Schaffen des Künstlers. Die Bilder selbst gehören zum Eindrucksvollsten, was künstlerisch in der Zeit und aus der Zeit heraus zu diesem Thema geschaffen wurde. Eine herausgeberische Meisterleistung, dieses Buch.
[Kunstportal Baden-Württemberg]

Inhaltsverzeichnis

Inhalt Seite
»Auf Wiedersehen, Herr Beckmann«
Zur Entstehungsgeschichte der Apokalypse
5
Das »Urexemplar« der Apokalypse 27
Katalog 31
Summary 103
Anhang  
Die Exemplare der Apokalypse 106
Eintragungen zur Apokalypse in den Tagebüchern von Max Beckmann 111
Eintragungen zur Apokalypse in den Tagebüchern von Mathilde Q. Beckmann 112
Auszüge aus Briefen, die Apokalypse betreffend 113
Bibliographie 116

Zur Ausstellung

Max Beckmann - Apokalypse
Staatsgalerie Stuttgart
13.12.2008 – 08.03.2009


Max Beckmann fertigte 1941 im Auftrag des Inhabers der Bauerschen Schriftgießerei in Frankfurt a. M., Georg Hartmann, zunächst 27 Zeichnungen an. Diese wurden in den Kriegstagen heimlich nach Frankfurt gebracht und dort auf Stein umgedruckt. Die Probeabzüge ohne Schrift wurden nach Amsterdam zurückgeschickt, wo sie der Künstler mit Aquarellfarben handkolorierte. Dieses »Urexemplar« wurde wiederum nach Frankfurt zurückgesandt. Dort diente es als Vorlage für die farblichen Fassungen, die von verschiedenen Zeichnern in der Bauerschen Gießerei ausgeführt wurden. Fünf Exemplare kolorierte Beckmann selbst.

Georg Hartmann beabsichtigte, die Apokalypse als Privatdruck herauszugeben und sie vertrauten Freunden und Kollegen zu schenken. Da ab 25 Exemplaren eine Genehmigung des Propagandaministeriums notwendig war, sollten offiziell nicht mehr als 24 nummerierte Drucke hergestellt werden. Im Verborgenen wurden jedoch weitere nicht nummerierte Exemplare gedruckt, von denen sieben kolorierte und zehn nicht kolorierte derzeit bekannt sind.

Bei den Illustrationen Beckmanns handelt es sich um 17 ganzseitige Darstellungen sowie 10 Vignetten für Textseiten. Verschiedene Einträge in den Tagebüchern des Malers, in denen er die Apokalypse liebevoll schnoddrig »Apo« oder auch »Glypse« nennt, zeugen von der Arbeit an den Zeichnungen. Die mehrfach wiederkehrende Bemerkung »déprimé« zeigt das Ringen um die Form im von Bomben bedrohten Amsterdam. Diese Aktualität jedoch steht in den Bildern nicht im Vordergrund, sondern es ist das Schicksal des Menschen und dessen Erlösung, das Beckmann thematisiert. In seinen Darstellungen zur Apokalypse finden sich keine direkten Anspielungen auf den Krieg. Stattdessen integrierte Beckmann immer wieder Elemente seiner persönlichen Symbolsprache wie Kerzen, Fische, Schwerter und mehrfach auch Selbstbildnisse. Dadurch zeigt er auch seine persönliche Geschichte als von Verfolgung bedrohter Exilant. Die Arbeit an der Apokalypse wird zur Erlösung - einerseits für den Künstler, andererseits, durch ihn als Stellvertreter, für die gesamte Menschheit. Beckmann illustriert nicht nur den Text, sondern er »schreibt« in Bildern ein allgemeingültiges »Musterbuch« über die Hoffnung. Um diese übergreifende Thematik zu vermitteln und den Betrachter zu erschüttern, bedurfte es keiner aggressiven oder zu eindeutigen Bildsprache. Die überwiegend inneren Frieden vermittelnden Arbeiten angesichts der realen Hölle des Krieges sind nicht nur das Erstaunlichste an Beckmanns Kunst, sondern das wahrhaft Ergreifende.

Über Max Beckmann

Max Beckmann (* 12. Februar 1884 in Leipzig; † 27. Dezember 1950 in New York) war ein deutscher Maler, Graphiker, Bildhauer und Autor. Beckmann griff die Malerei des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts ebenso auf wie die kunsthistorische Tradition und formte einen figurenstarken Stil, den er ab 1911 der aufkommenden Gegenstandslosigkeit entgegensetzte. Den Künstlergruppen und Ismen seiner Zeit ging er aus dem Weg. Altmeisterliches Handwerk und klassische Gattungsvielfalt zeigten sich seit dem Ersten Weltkrieg in aufwendig lasierter Malerei und scharfkantiger Graphik. Der Moderne, insbesondere Pablo Picasso und dem Kubismus, versuchte Beckmann eine ausgeweitete Räumlichkeit entgegenzusetzen. Das Spätwerk entwirft eine zugleich erzählende und mythenschaffende Malerei, insbesondere in zehn Triptychen. Besondere Bedeutung kommt Beckmann als prägnantem Zeichner, Porträtisten (auch zahlreicher Selbstporträts) und als subtilem Illustrator zu. Heinz Berggruen nennt Max Beckmann den bedeutendsten deutschen Künstler des zwanzigsten Jahrhunderts neben Ernst Ludwig Kirchner.

Details

Autorin: Corinna Höper
Herausgeber: Freunde der Staatsgalerie Stuttgart - Stuttgarter Galerieverein e.V.
Verlag: Hirmer Verlag, München
Auflage: Erstauflage
Jahr: 2008
Seitenanzahl: 120 Seiten
Buchart: Leinen
Abbildungen: 50 Abbildungen in Farbe
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-7774-7075-9
ISBN 13: 978-3-7774-7075-7
Größe: ca. 274 x 210 x 12 mm
Gewicht: ca. 600 Gramm
Zustand: neu, ungelesen