Max Beckmann | Die Aquarelle und Pastelle
|
|
Beschreibung
Mayen Beckmann, Siegfried Gohr und Max Hollein (Hrsg.)
Max Beckmann
Die Aquarelle und Pastelle
Max Beckmanns herausragendes künstlerisches Schaffen wurde in den vergangenen Jahrzehnten in zahlreichen wichtigen Ausstellungen beleuchtet. Umso erstaunlicher ist, dass eine Würdigung Beckmanns als „Maler auf Papier" bislang ausgeblieben ist. Dieser Band bietet anhand von über 100 zum Teil großformatigen Aquarellen und Pastellen erstmals die Möglichkeit, wesentliche Teile dieser in alle Welt verstreuten Werke einer gemeinsamen Betrachtung zu unterziehen. Dieses erste Werkverzeichnis der farbigen Arbeiten auf Papier, das anlässlich der großen Überblicksausstellung in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt erscheint, lässt erkennen, wie wichtig Beckmann das Arbeiten in diesen oft als flüchtig bezeichneten Techniken war. Die Werke zeugen im Gegensatz zu den Gemälden, in denen sich die Probleme der Geschichte und der menschlichen Existenz verdichten, von Humor, Leichtigkeit und hinreißender Spontaneität und legen damit eine bislang kaum bekannte Facette dieses großen Meisters der Moderne offen.
Dieses Buch liefert die lange ausstehende Würdigung von Max Beckmann als "Maler auf Papier". Seine farbigen Arbeiten auf Papier vermitteln den Eindruck, als ließe sich der große deutsche Figurenmaler des 20. Jahrhunderts (1884-1950) gleichsam über die Schulter schauen. Er benutzte das flüchtigere Medium für private Sujets, Erinnerungsbilder, Illustrationen und seine Blätter offenbaren einen Humor, eine Leichtigkeit und Spontaneität, die ganz neue Facetten dieses Meisters der Moderne zeigen.
Als wissenschaftliches Werkverzeichnis bietet der Band neben dem grundlegenden Einführungstext von Siegfried Gohr detaillierte Werkangaben und Kommentare zum Gesamtbestand der Arbeiten auf Papier und führt in den neuesten Forschungsstand zu Techniken und Fälschungen ein.
Vorwort
Max Hollein
Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie mir Siegfried Gohr bei einer Ausstellungseröffnung in der Galerie Bärbel Grässlin im März 2003 in Frankfurt von der Arbeit am Werkverzeichnis zu den Aquarellen und Pastellen von Max Beckmann erzählte. Mein Interesse war sofort geweckt - vielleicht am Anfang sogar zur Beunruhigung von Herrn Gohr, denn vier Tage darauf besuchte ich ihn bereits in Köln, um mir den aktuellen Stand der Forschungsarbeit anzusehen. Diese grundlegende Arbeit, die Mayen Beckmann und Siegfried Gohr über lange Jahre vorangetrieben hatten, war weit gediehen, aber - wie bei nahezu jedem Werkverzeichnis - sie hätte auch endlos weitergehen können, wenn nicht ein Anlass, ein fixer Endpunkt gehörigen Druck ausüben würde, um einen finalen Zustand zu erreichen. Dies sollte eine Ausstellung in absehbarster Zukunft sein, und sie musste - zumindest nach meinem nicht uneigennützigen Dafürhalten - unbedingt in Frankfurt stattfinden. Sehr rasch ließen sich Mayen Beckmann und Siegfried Gohr auf das Abenteuer der Ausstellung ein und stimmten auch einem verbindlichen Eröffnungstermin zu. Nun, zwei Jahre danach, ist der Moment erreicht, und diese wichtige Ausstellung findet hier in Frankfurt statt, dem prädestinierten Ort für ein solches Unterfangen.
Den Aquarellen und Pastellen ist im Gesamtwerk Max Beckmanns bisher überraschend wenig Beachtung zuteil geworden. Einzelne herausragende Blätter wurden zwar immer wieder im Rahmen von Werkretrospektiven ausgestellt, doch bleibt bis heute nahezu unbekannt, wie wichtig Beckmann zu verschiedenen Zeiten seiner künstlerischen Laufbahn das Arbeiten in diesen Techniken gewesen ist. Zum ersten Mal soll nun mit der Ausstellung in der Schirn Kunsthalle Max Beckmann als "Maler auf Papier" in umfassender Weise gewürdigt werden. Damit eröffnet sich nicht nur die Möglichkeit, wesentliche Teile der zerstreuten, oft in Privatsammlungen versteckten und zum Teil nie zuvor ausgestellten Aquarelle und Pastelle einer gemeinsamen Betrachtung zu unterziehen. Vielmehr offenbart sich mit dieser neuen Werkgruppe auch eine völlig neue Facette im Œuvre einer der überragenden Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts.
Neben dem ernsten, von der Zeitgeschichte geprägten und mit der menschlichen Existenz ringenden Künstler tritt hier auch ein "anderer" Beckmann ans Licht, der mit Leichtigkeit arbeitet, der Humor zulässt, der sich dem Reiz des Augenblicks überlässt. Sämtliche Sujets, die auch den Maler Max Beckmann beschäftigt haben - vom Porträt über Stillleben und Landschaft bis zu historischen und mythologischen Themen -, tauchen in seinen Aquarellen und Pastellen wieder auf. Doch im Gegensatz zum malerischen und graphischen Werk zeigen die farbigen Papierarbeiten Max Beckmann oft im Experiment, in der Entspannung oder als unmittelbaren Beobachter seiner Alltagswelt. Die schnellen, vergleichsweise flüchtigen und spontanen Techniken setzte der Künstler dabei kaum für Studien zur malerischen Komposition ein. Ebenso wenig dienten sie ihm lediglich als Behelf in Zeiten wirtschaftlicher Not und mangelnden Atelierraums. Aquarell und Pastell erweisen sich als eigenständige Ausdrucksmittel, die das etablierte Beckmann-Bild um überraschende Züge erweitern und zu einer neuen Begegnung mit einem - gerade in Frankfurt - alten und geschätzten Bekannten auffordern.
Die Schirn Kunsthalle setzt mit "Max Beckmann. Die Aquarelle und Pastelle" eine Reihe von Ausstellungen fort, die mit "Henri Matisse. Mit der Schere zeichnen" und "Paul Klee 1933" begonnen hat und die sich bemüht, jeweils wenig beachtete Werkkomplexe oder Nebenstränge im Werk von etablierten Meistern der klassischen Moderne in den Blickpunkt zu rücken.
Die Möglichkeit zu unserer Ausstellung in dieser Form verdankt sich nicht zuletzt der Tatsache, dass wir begleitend auch das erste Werkverzeichnis der farbigen Papierarbeiten Max Beckmanns herausgeben können. Nur einige wenige der zentralen Arbeiten des Katalogs haben - meist aufgrund ihrer hohen Fragilität - die Reise nach Frankfurt nicht antreten können. Dank der Großzügigkeit der Leihgeber ist es vielmehr gelungen, alle wichtigen Phasen der Aquarell- und Pastellmalerei Beckmanns in repräsentativer Weise zu vergegenwärtigen. Die besondere Bedeutung dieser Ausstellung liegt sicher auch darin, dass es kaum vorstellbar ist, die hier präsentierten Werke noch einmal in absehbarer Zeit zusammenzubringen.
Umso dankbarer bin ich, dass dies ausgerechnet in Frankfurt gelungen ist. Beckmann hat von 1915 bis 1933 hier gelebt und gearbeitet, er war bis zu seiner Entlassung durch die Nazis Professor an der Städelschule und eine wichtige Persönlichkeit im Frankfurt der Weimarer Republik. Die überlieferten Äußerungen Beckmanns aus dieser Zeit machen deutlich, wie sehr er sich dieser Stadt verbunden fühlte, und auch wenn er nach seiner Emigration 1937 weder Frankfurt noch Deutschland jemals wieder besucht hat, erlebte er hier seine längste Schaffensperiode.
Bis heute bleibt Max Beckmann aus umgekehrter Perspektive Frankfurts wichtigster bildender Künstler - gemeinsam mit dem Barockmaler Adam Elsheimer, dem das Städel parallel zu dieser Ausstellung eine grundlegende Präsentation widmet. Das Städel war es auch, das während Beckmanns Zeit in Frankfurt insbesondere durch den Direktor Georg Swarzenski eine ganz enge Beziehung zu dem Künstler pflegte, aber es hat sich auch in den letzten Jahrzehnten in vorbildlichster Weise für Beckmanns Werk engagiert. Insofern freut es mich besonders, dass parallel zur Ausstellung in der Schirn Kunsthalle die Graphische Sammlung des Städelschen Kunstinstituts mit der frühesten Druckgraphik einen ebenfalls wenig bekannten Teil des Beckmannschen Œuvres präsentiert. Ebenso wird das Museum Moderner Kunst Frankfurt am Main Max Beckmann zeitgleich würdigen mit einer Ausstellung, die seinen Zyklus der Apokalypse mit neuen Arbeiten des deutschen Gegenwartskünstlers Thomas Demand konfrontiert.
Mein großer Dank geht zuallererst an die beiden Gastkuratoren Mayen Beckmann und Siegfried Gohr, deren jahrelange Arbeit am Werkverzeichnis der farbigen Papierarbeiten dieses hoch ambitionierte Ausstellungsprojekt überhaupt erst ermöglicht hat. Ohne ihre ausgewiesene Kennerschaft und ihr anhaltendes Engagement hätte auch die Ausstellung nicht annähernd in dieser Form realisiert werden können. Mit Enthusiasmus und unnachgiebiger Überzeugungsarbeit ist es ihnen gelungen, die Leihgeber dazu zu bewegen, sich für einige Zeit von ihren Werken zu trennen und diese für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen.
Ohne die Bereitschaft der zahlreichen Museen und Sammler, großzügige und für die Ausstellung unverzichtbare Leihgaben zu gewähren, wäre ein solches Projekt gar nicht erst denkbar. Mein besonderer Dank gilt in diesem Zusammenhang zunächst den institutionellen Leihgebern, darunter Peter van den Brink und Adam C. Oellers vom Suermondt-Ludwig Museum in Aachen, Wulf Herzogenrath und Anne Buschhoff von der Kunsthalle Bremen, Herbert Beck und Jutta Schütt vom Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt, Uwe M. Schneede und Petra Roettig von der Hamburger Kunsthalle, Ulrich Krempel und Norbert Nobis vom Sprengel Museum Hannover, Klaus Schrenk und Dorit Schäfer von der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, Kasper König und Alfred M. Fischer vom Museum Ludwig in Köln, Hans-Werner Schmidt und Richard Hüttel vom Museum für bildende Künste, Leipzig, Beate Ermacora und Gerhard Ribbrock vom Kunstmuseum Alte Post in Mülheim an der Ruhr, Michael Semff von der Staatlichen Graphischen Sammlung München, Brigitte Reinhardt vom Ulmer Museum sowie James Steward vom University of Michigan Museum of Art in Ann Arbor, Adelheid M. Gealt und Jenny McComas vom Indiana University Art Museum in Bloomington, Malcolm Rogers vom Museum of Fine Arts, Boston, Evan M. Maurer und Robert D. Jacobsen vom Minneapolis Institute of Art, Lawrence J. Wheeler vom North Carolina Museum of Art in Raleigh, Brent R. Benjamin vom Saint Louis Art Museum, Earl Powell, Alan Shestack und Andrew Robison von der National Gallery of Art, Washington. Darüber hinaus danke ich sehr herzlich Caroline und Stephen Adler, Nathan Bernstein und Katharina Otto Bernstein, Richard L. Feigen, Eileen Fischmann und Swallow Associates in Allentown, Mr. and Mrs. James Foster, Jean Frumkin, Robert Seymour und Donato Gaeta, William Kelly Simpson, Eberhard W. Kornfeld, Peter und Barbara Lackner sowie Thomas und Diana Lackner, Karin und Rüdiger Volhard, Richard S. Zeisler und schließlich einer ganzen Reihe von privaten Leihgebern, die nicht namentlich genannt werden möchten.
Für ihre Hilfe bei der Vermittlung zu einzelnen Leihgebern danke ich Andrea Crane und der Jan Krugier Gallery, Alice Adam, Lucy Dew von Mitchell-Innes & Nash, Robin Garton, Alexandra Prinzessin von Hannover, Gudrun Kirchwehm, Bernd Schultz, Villa Griesebach Auktionen, Christine Stauffer von der Galerie Kornfeld und Wolfgang Wittrock.
Als wichtiger, bei einem derart ambitionierten Unterfangen mehr als notwendiger Sponsor für diese bedeutende Ausstellung steht uns die Deutsche Bank Stiftung auf herausragende Weise zur Seite. Mein ganz persönlicher Dank richtet sich an dieser Stelle an Tessen von Heydebreck, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank Stiftung und Mitglied des Konzernvorstands der Deutschen Bank, sowie an Michael Münch, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Bank Stiftung, für die finanzielle Unterstützung und ihr außerordentliches und enthusiastisches Interesse an dieser Ausstellung. Ohne sie wäre ein solch umfangreiches und aufwändiges Projekt nicht realisierbar gewesen. In Deutschland wie auch international ist das kulturelle und gesellschaftliche Engagement der Deutschen Bank Stiftung für viele Wirtschaftsunternehmen zum Vorbild geworden. Über zahlreiche eigene Projekte sowie über finanzielle Mittel und mit dem persönlichen Einsatz ihrer Mitarbeiter engagiert sich die Stiftung insbesondere in der Kunstvermittlung und der Förderung des künstlerischen Nachwuchses. Flankiert wird die Arbeit der Deutsche Bank Stiftung von der Kunstsammlung des Bankhauses. 2005 konnte man in einer Ausstellung die beeindruckende 25-jährige Geschichte der weltweit größten Unternehmenssammlung verfolgen. Einen Schwerpunkt in ihrem Bestand bilden Papierarbeiten herausragender Künstler, die in der Kunst seit dem 20. Jahrhundert innovative Impulse gesetzt haben. Auch Max Beckmann ist mit zentralen Werken und eindrucksvollen Arbeiten auf Papier in der Sammlung Deutsche Bank vertreten.
Es ist für uns eine besondere Freude, dass die Ausstellung nach ihrer Präsentation in Frankfurt auch im Guggenheim Museum Bilbao gezeigt wird. Hierfür möchte ich unseren Kooperationspartnern von Seiten des Guggenheim Museums, insbesondere dem Direktor Juan Ignacio Vidarte sowie Arantza Odiaga, Petra Joos, Aimar Arriola und Nuria Gonzalez de Ubieta, danken.
Grundsätzlich gilt unser Dank wie bei jeder Ausstellung der Stadt Frankfurt und stellvertretend für alle Entscheidungsträger der Oberbürgermeisterin Petra Roth und dem Kulturdezernenten Hans-Bernhard Nordhoff, durch die unsere Arbeit überhaupt erst ermöglicht wird.
Besonders danken möchte ich auch der Werbeagentur Kastner & Partners für den kreativen Einsatz bei der Gestaltung der Werbekampagne zur Ausstellung. Dirk Galia, Patrick Hanke und Judith Heinz mit ihrem Team haben dazu beigetragen, dass Max Beckmann nicht nur in der Schirn, sondern auch in aller Munde ist. In diesem Zusammenhang geht mein großer Dank auch an unsere Medienpartner, hr2-kultur, Angelika Bierbaum und Karin Wirschem, und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Hier danke ich ganz besonders Werner D'Inka, Wolf-Dietrich Auerbach und Michael Hierholzer für die großartige Unterstützung bei der Umsetzung des eigenen Beilegers zur Ausstellung. Darüber hinaus gilt mein Dank der Tourismus + Congress GmbH Frankfurt am Main, insbesondere Günter Hampel und Dorothea Bonzelett, die die Ausstellung auch international - auf Messen und mit Mailings - beworben haben.
Für die überzeugende Gestaltung des Katalogs geht mein Dank an Silke Fahnert und Uwe Koch. Christiane Zeiller danke ich für die Zusammenstellung der Biografie im Anhang des Werkverzeichnisses. Gedankt sei in diesem Zusammenhang auch dem DuMont Verlag, insbesondere Nicola von Velsen für das zuverlässige Lektorat und Marcus Muraro für Produktion.
Für das große Engagement in allen Phasen der Ausstellungsvorbereitung und -durchführung gebührt mein Dank insbesondere dem Team der Schirn Kunsthalle Frankfurt. Esther Schlicht hat als Projektleiterin die Ausstellung und den Katalog von Anfang an mit vollem Einsatz betreut und wesentlich zu einer hervorragenden Realisierung beigetragen. Gedankt sei vor allem auch Ronald Kammer mit seinem Team für die technische Leitung und Elke Walter für die komplexe Organisation der Leihgaben sowie insbesondere auch Inka Drögemüller, die gemeinsam mit Lena Ludwig und Lisa Gutberlet für das Marketing sowie mit Julia Lange und Elisabeth Häring für die Betreuung der Sponsoren zuständig war, aber auch die Ausstellungstour auf den Weg gebracht hat. Dorothea Apovnik, Simone Krämer und Sylvia Metz danke ich für die hervorragende Pressearbeit, Simone Boscheinen, Irmi Rauber und Katja Helpensteller für das wie immer anspruchsvolle und facettenreiche pädagogische Begleitprogramm sowie die Erarbeitung des Schüler-Begleitheftes, Stefanie Gundermann für die restauratorische Betreuung, Andreas Gundermann und seinem Team für die professionelle Hängung, Stephan Zimmermann für die Beleuchtung, Josef Härig und Ingrid Müller für den Empfang unserer Besucher sowie Klaus Burgold, Katja Weber und Selina Reichardt in der Verwaltung und Hanna Alsen für die wertvolle Assistenz in unzähligen Belangen.
Zu dem Ausstellungen
Ausstellungen:
Schirn Kunsthalle Franfurt: 3. März – 28. Mai 2006
Guggenheim Museum Bilbao: 26. Juni – 17. September 2006
Max Beckmanns herausragendes künstlerisches Schaffen wurde in den vergangenen Jahrzehnten in zahlreichen wichtigen Ausstellungen durchleuchtet. Umso erstaunlicher ist, dass eine Würdigung Beckmanns als „Maler auf Papier“ bislang ausgeblieben ist. Die Schirn bietet anhand von über hun-dert zum Teil großformatigen Aquarellen und Pastellen erstmals die Möglichkeit, wesentliche Teile dieser in alle Welt verstreuten Werke einer gemeinsamen Betrachtung zu unterziehen. Die große Überblicksausstellung, aus deren Anlass Mayen Beckmann, Siegfried Gohr und die Schirn das erste Werkverzeichnis der Aquarelle und Pastelle herausgeben werden, lässt erkennen, wie wichtig Beck-mann das Arbeiten in diesen oft als flüchtig bezeichneten Techniken war. Seine Aquarelle zeugen im Gegensatz zu den Gemälden, in denen sich Probleme der Geschichte und der menschlichen Existenz verdichten, von Humor, Leichtigkeit und hinreißender Spontaneität und legen damit eine bislang kaum bekannte Facette dieses großen Meisters der Moderne offen.
Parallel zur Ausstellung in der Schirn findet vom 4. März bis 11. Juni 2006 im Städel eine Präsentation der frühesten Druckgrafik Beckmanns aus der Graphischen Sammlung des Städel statt. Das MMK konfrontiert vom 24. März bis 27. August 2006 Max Beckmanns „Apokalypse“ mit neuen Arbeiten von Thomas Demand. Ein von der Schirn und dem Städel initiiertes Symposium unter dem Titel „Was ich will, wird erst am Ende meines Schaffens deutlich werden, als Ganzes gesehen“ findet am Samstag, dem 6. Mai 2006, von 10.00 bis 18.00 Uhr im Metzler-Saal des Städelschen Kunstinstitutes statt.
Die Ausstellung „Max Beckmann. Die Aquarelle und Pastelle“ wird durch die „Deutsche Bank Stiftung“ ermöglicht.
Max Hollein, Direktor der Schirn Kunsthalle Frankfurt: „Die Schirn setzt mit Max Beckmanns Aqua¬rellen und Pastellen eine Reihe von Ausstellungen fort, die mit Henri Matisses Scherenschnitten und Paul Klees Arbeiten von 1933 bislang wenig beachtete Nebenstränge oder Werkkomplexe etablierter Meister der klassischen Moderne in den Blickpunkt rückt. Mit dem parallel zur Ausstellung erschei-nenden Werkverzeichnis der farbigen Papierarbeiten wird zudem ein wesentlicher Beitrag zur Beck-mann-Forschung geleistet.“
Mayen Beckmann und Siegfried Gohr, Kuratoren der Ausstellung und Verfasser des Werkverzeich-nisses: „Die über zehn Jahre andauernde Arbeit am Werkverzeichnis der Arbeiten auf Papier hat deutlich gemacht, dass Beckmanns Arbeiten auf Papier das malerische Werk nicht ergänzen oder paraphrasieren, sondern dass sich in ihnen häufig etwas Neues ankündigt. Neben das malerische Werk tritt ein Künstler, der mit Leichtigkeit arbeitet, der Humor zulässt, der sich dem Reiz des Augen-blicks überlässt. Das Bild des ernsten, an den Problemen der Geschichte und der menschlichen Existenz leidenden Künstlers erweitert sich um überraschende Züge; nicht zuletzt wird auch die stu-pende technische Meisterschaft Beckmanns in den Papierarbeiten besonders anschaulich.“
Max Beckmann (1884 Leipzig – 1950 New York) schuf aus dem Fundus der Zeitgeschichte, der Mythologie und der privaten Biografie ein Lebenswerk, das zu den herausragenden schöpferischen ikonografischen Leistungen der modernen Kunst gehört. Dennoch hat sich die Würdigung seines Werkes erst nach 1980 bis zum heutigen Ruhm gesteigert. Die Retrospektiven der letzten Jahre in New York, Zürich oder Paris haben ein neues Interesse an Beckmanns Werk entfacht und es nicht zuletzt auch in Amerika mit jenem von Picasso, Matisse oder Léger auf eine Stufe gestellt.
Max Beckmann hat zu allen Zeiten seiner künstlerischen Laufbahn Gemälde und Zeichnungen, je-doch nicht kontinuierlich Aquarelle und Pastelle geschaffen. In seinem Frühwerk bis 1914 strömten nahezu alle künstlerischen Energien in die Gemälde. Die grauenvollen Kriegserlebnisse – Beckmann hatte sich 1915 als Freiwilliger zum Sanitätsdienst gemeldet und wurde nach einem psychischen Zusammenbruch bereits nach wenigen Monaten vom Kriegsdienst beurlaubt und später entlassen – verarbeitete er fast ausschließlich in Zeichnungen und Radierungen. Unter den Kriegseindrücken vollzog er einen radikalen stilistischen Wandel zu einer expressiven Kunst, in der sich Deformation und Verunsicherung unmittelbar in Technik und bildnerischen Mitteln wie Sprengung des Bildraums und der Zentralperspektive, Zersplitterung und hart aneinander stoßenden expressiven Linien spie-geln. Zur Verarbeitung der Erlebnisse des Kriegsinfernos bediente Beckmann sich häufig christlicher Themen wie etwa in der Serie von fünf um 1918 entstandenen Gouachen zur Geschichte des „Ver¬lorenen Sohnes“.
Auf diese existenzbedrohende Zeit und deren Ausdruck in seinem durch Gewalt, Chaos und Ausweg-losigkeit geprägten Werk folgte ab den 1920er Jahren ein neuerlicher, tief greifender Wandel. Beck-mann, der sich 1917 fest in Frankfurt niedergelassen hatte, begann sich nun wieder in eine bürger¬liche Welt einzuordnen. Er war von 1925 bis zu seiner Entlassung durch die Nazis 1933 Professor an der Städelschule und eine wichtige Persönlichkeit im kulturellen Leben der Weimarer Republik. Die persönliche Konsolidierung fand sowohl in der Themenwahl als auch in den gestalterischen Mitteln ihren Niederschlag. Die düsteren, zur Polemik neigenden Anklagen wurden durch Porträts, Stillleben, Landschaften, badende Menschen, weibliche Akte und andere Motive – „ein einfach daseiendes Leben“ (Beckmann) – abgelöst. Statt der nackten Gewalt rückten bei Beckmann nun jedoch auch die Doppelbödigkeit der „Salons“, die Maskerade und das Rollenspiel sowie die Vereinzelung als vor-dringliches Problem der Gesellschaft in den Blick.
Farbige Papierarbeiten blieben bis zur Mitte der 1920er Jahre jedoch weiterhin eine Ausnahme, so-dass sie kein eigenes Gewicht neben der Malerei, Zeichnung und Druckgrafik bilden. Erst ab Ende der 1920er Jahre stieg die Anzahl der farbigen Blätter an, die nun oft wie großformatige Bilder ange-legt waren. In Pastellen wie „Begegnung in der Nacht“ von 1928 ging Beckmann durch die Reduzie-rung auf wenige Figuren und die Beherrschung des Bildfeldes durch plastische, prägnant konturierte Körper neue Wege, die vor allem für seine Triptychen von Bedeutung werden sollten. Das erste Trip-tychon, „Abfahrt“ aus den Jahren 1932/33, markiert mit dem Eintauchen in die Welt des Mythos eine entscheidende Wende in Beckmanns Werk. Beckmann wandelte sich vom kritisch-distanzierten Beobachter einer aus den Fugen geratenen Gesellschaft in einen Künstler, der sich durch mythologi-sche Verhüllung zu entziehen versuchte, die Mythologie aber auch nutzte, um sich einer größeren geschichtlichen und thematischen Perspektive der Weltbetrachtung zu öffnen. Bildmäßige Aquarelle wie „Odysseus (Odysseus und Sirene)“, „Der Raub der Europa“ oder „Geschwister“ aus dem Jahr 1933 stellen einen ersten Höhepunkt in Beckmanns Aquarellkunst dar. Die Aquarelle von 1933 er-möglichten ihm eine neue Verwendung der Farbe als eines Elementes, dem Kräfte innewohnen, deren Potenz der Maler jetzt bejahte und nicht unterdrückte wie in den vorangegangenen Werken. Im Laufe der dreißiger und vierziger Jahre diente das Aquarell manchmal der Entspannung von der gedankenreichen Arbeit an den komplizierten Triptychen, z.B. wenn Landschaften in Bayern, Strand-szenen an der Nordsee, Stillleben oder private Porträts das Thema sind. Andererseits beförderte die vergleichsweise spontane Aquarelltechnik eine ikonografische Experimentierlust, die selbst für Beck-mann ungewöhn¬liche Bildfindungen hervorrief. Nach seinen Erfahrungen mit den Federzeichnungen zu Goethes „Faust II“, die Beckmann während der Kriegsjahre schuf, erscheinen nach 1945 in seinem Amsterdamer und vor allem ab 1947 in seinem amerikanischen Exil Blätter in komplizierter Kombina-tion von Feder, Aquarell, Gouache, Kohle etc.
In einem spannungsreichen Verhältnis zum malerischen Werk, zur Grafik, zu den zeichnerischen Studien für Kompositionen zeigen die farbigen Arbeiten auf Papier den Künstler Beckmann im Expe-riment, in der Entspannung oder als wachen Beobachter seiner Umgebung. Der höchste Reiz dieser Arbeiten liegt jedoch darin, dass der Betrachter zum Zeugen eines faszinierenden Selbstgesprächs wird, das oft durch seine Unmittelbarkeit und Intimität besticht und auch in seinen Geheimnissen spannend bleibt.
Inhaltsverzeichnis
| Autor | Inhalt | Seite |
| Max Hollein | Vorwort | 9 |
| Siegfried Gohr | Beckmanns Aquarelle und Pastelle | 17 |
| Mayen Beckmann | Papier und Farbe | 49 |
| Werkverzeichnis | 53 | |
| Mayen Beckmann | Die Fälschungen von farbigen Arbeiten auf Papier Max Beckmanns - Ein Bericht | 335 |
| Biografie | 355 | |
| Ausstellungsverzeichnis | 362 | |
| Bibliografie | 368 |
Über Max Beckmann
Max Beckmann (* 12. Februar 1884 in Leipzig; † 27. Dezember 1950 in New York) war ein deutscher Maler, Graphiker, Bildhauer und Autor. Beckmann griff die Malerei des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts ebenso auf wie die kunsthistorische Tradition und formte einen figurenstarken Stil, den er ab 1911 der aufkommenden Gegenstandslosigkeit entgegensetzte. Den Künstlergruppen und Ismen seiner Zeit ging er aus dem Weg. Altmeisterliches Handwerk und klassische Gattungsvielfalt zeigten sich seit dem Ersten Weltkrieg in aufwendig lasierter Malerei und scharfkantiger Graphik. Der Moderne, insbesondere Pablo Picasso und dem Kubismus, versuchte Beckmann eine ausgeweitete Räumlichkeit entgegenzusetzen. Das Spätwerk entwirft eine zugleich erzählende und mythenschaffende Malerei, insbesondere in zehn Triptychen. Besondere Bedeutung kommt Beckmann als prägnantem Zeichner, Porträtisten (auch zahlreicher Selbstporträts) und als subtilem Illustrator zu. Heinz Berggruen nennt Max Beckmann den bedeutendsten deutschen Künstler des zwanzigsten Jahrhunderts neben Ernst Ludwig Kirchner.
Details
Herausgeber: Mayen Beckmann, Siegfried Gohr und Max Hollein
Verlag: DuMont Buchverlag, Köln
Auflage: Erstauflage
Jahr: 27.02.2006
Buchart: Hardcover
Seitenanzahl: 336 Seiten
Abbildungen: 170 Farb- und 40 S/W-Abbildungen
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-8321-7698-5
ISBN 13: 978-3-8321-7698-3
Größe: ca. 296 x 240 x 40 mm
Gewicht: ca. 2.200 Gramm
Zustand: neu, ungelesen







