Max Beckmann in der Pinakothek der Moderne

 

128,00 EUR

ISBN: 9783775720366  

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Beschreibung

Felix Billeter (Bearb.)
Max Beckmann in der Pinakothek der Moderne
Bestandskataloge zur Kunst des 20. Jahrhunderts Bd. 4

Der üppig bebilderte Bestandskatalog der Gemälde Max Beckmanns in der Pinakothek der Moderne stellt die herausragende Sammlung und ihr Entstehen ausführlich vor.


Die Sammlung Moderne Kunst in München besitzt gemeinsam mit dem Saint Louis Art Museum, USA, die weltweit größte, in ihrem Rang einzigartige Max Beckmann-Sammlung. Sie vermittelt einen eindrucksvollen Überblick über das gesamte Schaffen dieses bedeutenden deutschen Künstlers des 20. Jahrhunderts. Unter den 37 Gemälden und 2 Plastiken befinden sich epochale Bilder wie Vor dem Maskenball (1922), Stillleben mit Fernrohr (1927), Fastnacht Paris (1930) und Selbstbildnis in Schwarz, 1944 in Amsterdam entstanden. Das Hauptwerk der Sammlung, das Triptychon Versuchung - kurz vor der Emigration 1937 fertiggestellt -, zeigt die Summe der vielschichtigen Weltanschauungen des Künstlers und die sinnliche Intensität seines malerischen Stils.

Im vorliegenden Bestandskatalog werden erstmals sämtliche Werke in ausführlichen Bildkommentaren gewürdigt, ihre Interpretation wurde auf der Grundlage der umfangreichen Beckmann-Literatur vorgenommen. Entstehungsgeschichte und Provenienzen der Bilder konnten anhand neuer Quellen und naturwissenschaftlicher Untersuchungen präzisiert werden, abgerundet durch profunde maltechnische Analysen des Doerner Institutes. Die Einführung schildert ausführlich die Bedeutung und den Rang dieser herausragenden Sammlung und ihre Geschichte.

»Das Unsichtbare sichtbar machen durch die Realität. - Das mag vielleicht paradox klingen, - es ist aber wirklich die Realität die das eigentliche Mysterium des Daseins bildet!«

 

Vorwort

Das malerische und plastische Werk Max Beckmanns wird kaum irgendwo auf der Welt derart umfassend präsentiert wie in Münchens Pinakothek der Moderne. Dass das Nachleben dieses Künstlers hier seinen vorrangigen Ort gefunden hat, ist Ergebnis vorausschauender Planung und bedeutender Zuwendungen Einzelner. Der nunmehr vorgelegte Bestandskatalog der Gemälde Max Beckmanns in der Pinakothek der Moderne stellt diese herausragende Sammlung und ihr Entstehen vor. Dabei zeichnen sich zwei Leitlinien ab, die der Münchner Beckmann-Sammlung an diesem Ort ihre höhere Daseinsberechtigung verleihen. Zum einen hat Max Beckmann die Alte Pinakothek geliebt, sich ihre Bilder zu eigen gemacht und an ihnen Maß genommen für sein eigenes Schaffen. Dass sein Werk nun auf gleicher Augenhöhe mit den gefeierten Alten Meistern gesehen wird, mit ihnen im Kontext der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen eine Einheit bildet, erzeugt ein Beziehungsgeflecht, das Auge und Verstand für die Sprache seiner Kunst öffnet.

München hatte Beckmann gegenüber allerdings - und damit komme ich zur zweiten Leitlinie - auch eine dunkle Seite gezeigt, als es den Brennpunkt verblendeter Kunstpolitik des Nationalsozialismus bildete. Wie hier wurden in allen deutschen Museen Werke des Künstlers geschmäht und aus den Sammlungen entfernt, dann 1937 in einer von Ungeist und Hass getragenen Ausstellung als »entartet« verhöhnt. Das am Tag der Eröffnung dieser schändlichen Schau angetretene Exil des Malers in Amsterdam trennte Beckmann für immer von Deutschland, doch seine Werke kehrten nach den Jahren der Katastrophe zurück. München verdankt seine bemerkenswert reiche Sammlung der Großherzigkeit und der Weitsicht von Weggefährten Max Beckmanns, die dem Verfemten Treue bewahrt hatten. An erster Stelle ist hier Günther Franke zu nennen, von dem das größte Konvolut stammt, aber auch Curt Valentin, Sophie und Emanuel Fohn sowie Stephan Lackner ermöglichten den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen durch großzügige Schenkung, Vermächtnis oder günstigen Erwerb, einen Kosmos der Malerei Beckmanns aufzubauen, der seine gesamte Schaffenszeit umfasst. Kernstück ist dabei das Triptychon Versuchung aus dem Schicksalsjahr 1937, das ein Jahr später in der Londoner Exhibition of 20th Century German Art als Kronzeuge der freiheitlichen Kunst Deutschlands die Verblendung entlarvt hatte, die im Begriff »Entartung« steckt. Die heute in München versammelten Werke Beckmanns haben sich somit als stärker erwiesen als das Regime, das sie zu diffamieren versuchte.

Eine derart bedeutende Sammlung als Bestand zu erfassen und zu katalogisieren, gehört zur Königsdisziplin der Museumsarbeit. Zahlreiche Wissenschaftler, Restauratoren und Fotografen an unserem Haus wirkten daran mit. Ihnen allen spreche ich Bewunderung und Dank aus, haben sie doch ein seit langem bestehendes wissenschaftliches Desiderat der Pinakothek der Moderne eingelöst und der Erforschung von Max Beckmanns Malerei einen wertvollen Dienst erwiesen. Carla Schulz-Hoffmann, Autorin der großen Beckmann-Retrospektive von 1984 und Kuratorin der 2007 gezeigten unvergesslichen Ausstellung von Werken aus den Exiljahren des Künstlers, hat als Leiterin das Projekt durch alle Schwierigkeiten und Engpässe hindurchgeführt und ihm den Stempel ihrer Kennerschaft aufgeprägt. Ihr stand mit Felix Billeter als Bearbeiter der Münchner Beckmann-Sammlung ein Forscher zur Seite, der sämtliche Gemälde einer akribischen Untersuchung unterzog und damit die Grundlage für einen neuen Kenntnisstand schuf. Darüber hinaus nahm, entsprechend den Interessen und Möglichkeiten unseres Hauses, die naturwissenschaftliche Untersuchung der Maltechnik Max Beckmanns breiten Raum ein. Wichtige Ergebnisse sind hierbei Andreas Burmester, Patrick Dietemann, Bruno Heimberg, Lars Raffelt, Florian Schwemer und Heike Stege, sämtlich im Doerner Institut tätig, zu verdanken. Sie wurden in ihrer Forschung unterstützt von Ursula Baumer, Irene Fiedler, Karin Lutzenberger und Cornelia Tilenschi. Die fotografischen Aufnahmen der Werke, auch unter Röntgenstrahlen, schufen Sibylle Forster, Bruno Hartinger und Haydar Koyupinar. Der erfolgreiche Abschluss des Projekts belegt einmal mehr die Bereitschaft der Mitarbeiter der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, große Aufgaben nicht nur mit Professionalität, sondern auch mit hohem persönlichem Einsatz und Liebe zur Sache zu meistern. Dafür danke ich ihnen herzlich.

Die Erforschung der Gemälde von Max Beckmann und die Herausgabe des Bestandskataloges hätten nicht verwirklicht werden können ohne eine erneute großzügige Förderung der Ernst von Siemens Kunststiftung, mit der die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen ein weiteres Mal bedacht wurden. Dank dieses noblen Mäzenatentums konnten die sich über zwei Jahre erstreckende wissenschaftliche Tätigkeit von Felix Billeter finanziert und die Drucklegung des Kataloges ermöglicht werden. Ich bin Dr. Heribald Närger und an dessen Seite Professor Dr. Joachim Fischer für das dem Forschungsvorhaben gegenüber gezeigte Verständnis und Vertrauen in die Kräfte unseres Hauses dankbar verbunden. Weitere bedeutende Mittel flossen der Drucklegung durch die Theo Wormland-Stiftung zu. Hier war es deren Vorsitzender Dr. Hartwig Garnerus, der als einer der Mitbegründer der Stiftung Pinakothek der Moderne sich erneut als Mäzen erwies, wofür ich ihm herzlich danke. Der gemeinsam mit dem Verlag Hatje Cantz publizierte Katalog ist mit der Noblesse seiner Gestaltung das Werk des Büros Sieveking, München. Mit besonderer Freude spreche ich Caroline Sieveking Anerkennung und Dank für eine Buchproduktion aus, die sich einmal mehr einem bibliophilen Schönheitsideal ebenso wie dem Nutzen des Lesers verpflichtet weiß, eine Arbeit, an der Eva Clausen und Regine Lüdiger entscheidenden Anteil nahmen.

Kein Forschungsvorhaben, keine Publikation kann heute an den Museen ohne Hilfe von außen abgeschlossen werden. Für die Bearbeitung der Gemälde Max Beckmanns in der Pinakothek der Moderne trifft dies in besonderem Maß zu, haben doch, neben Barbara Göpel, der Mitverfasserin des Werkverzeichnisses, Maja Beckmann als Schwiegertochter des Künstlers und Mayen Beckmann als dessen Enkelin das Projekt mit Sympathie und kenntnisreicher Fürsorge begleitet. Bedeutende wissenschaftliche Hilfestellung gewährten Christian Lenz und Christiane Zeiller vom Max Beckmann Archiv. Ihnen allen und den Autoren des Kataloges danke ich für ein gelungenes Werk, das Beckmanns Münchner Gemälde der Wissenschaft erschließt, den Besuchern der Pinakothek der Moderne nahebringt und den bedeutendsten Künstler im Deutschland des 20. Jahrhunderts ehrt.

Reinhold Baumstark

Inhaltsverzeichnis

Autor Inhalt Seite
Reinhold Baumstark Vorwort 7
Carla Schulz-Hoffmann »Ein Besuch bei ihm war ein Besuch in einer Welt der Wirklichkeit, ohne daß auch nur im geringsten der Wirklichkeit des gegenständlichen Tages Erwähnung getan wäre.«
Max Beckmanns Bildwelt in der Pinakothek der Moderne
11
Felix Billeter Zur Geschichte der Max Beckmann-Sammlung 37
Felix Billeter
mit technischen Befunden von Florian Schwemmer
Katalog 51
  Bilderlisten 339
Bruno Heimberg und Florian Schwemer Zur Maltechnik von Max Beckmann 351
Heike Stege, Andreas Burmeister, Cornelia Tilenschi und Karin Lutzenberger »Brauche dringends[t] entsetzlich viel Leinwand [...]. Ebenso fehlt mir Cremser Weiß und Preußisch Blau - Nehme alles, bin in furchtbarster Arbeitsperiode!!!!!!!«
Zu den Pigmenten Max Beckmanns
371
Patrick Dietemann, Ursula Baumer und Irene Fiedler »[...] nahm er reine Farbe direkt aus der Tube mit fast keinem Terpentin [...]«
Studien zu den Bindemitteln Max Beckmanns
389
Patrick Dietemann, Heike Stege, Ursula Baumer und Florian Schwemer Nicht ausleihfähig - Untersuchungen zu einem Schadensphänomen in Max Beckmanns Triptychon Versuchung 401
  Anhang zu den technischen und analytischen Befunden 422
  Bibliographie 427
  Register 443
  Dank 447
  Abbildungsnachweis 448

Über Max Beckmann

Max Beckmann (* 12. Februar 1884 in Leipzig; † 27. Dezember 1950 in New York) war ein deutscher Maler, Graphiker, Bildhauer und Autor. Beckmann griff die Malerei des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts ebenso auf wie die kunsthistorische Tradition und formte einen figurenstarken Stil, den er ab 1911 der aufkommenden Gegenstandslosigkeit entgegensetzte. Den Künstlergruppen und Ismen seiner Zeit ging er aus dem Weg. Altmeisterliches Handwerk und klassische Gattungsvielfalt zeigten sich seit dem Ersten Weltkrieg in aufwendig lasierter Malerei und scharfkantiger Graphik. Der Moderne, insbesondere Pablo Picasso und dem Kubismus, versuchte Beckmann eine ausgeweitete Räumlichkeit entgegenzusetzen. Das Spätwerk entwirft eine zugleich erzählende und mythenschaffende Malerei, insbesondere in zehn Triptychen. Besondere Bedeutung kommt Beckmann als prägnantem Zeichner, Porträtisten (auch zahlreicher Selbstporträts) und als subtilem Illustrator zu. Heinz Berggruen nennt Max Beckmann den bedeutendsten deutschen Künstler des zwanzigsten Jahrhunderts neben Ernst Ludwig Kirchner.

Details

Autor / Bearbeitung: Felix Billeter
Herausgeber: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Verlag: Hatje Cantz Verlag, Ostfildern
Auflage: Erstauflage
Jahr: 21.10.2008
Seitenanzahl: 448 Seiten
Buchart: Gebunden
Abbildungen: 270 Abbildungen, davon 180 farbige
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-7757-2036-7
ISBN 13: 978-3-7757-2036-6
Größe: ca. 270 x 216 x 36 mm
Gewicht: ca. 2.150 Gramm
Zustand: neu, ungelesen