Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn um 1900
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Beschreibung
Thomas Andratschke, Renate Berger, Iris Herpers / Kirsten Hinderer, Anke Spötter, Annette Weisner und Ulrike Wolff-Thomsen
Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn. Ein Künstlerpaar um 1900
Katalog zur Ausstellung im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover vom 13.10.2007 bis 24.2.2008
Die Beziehung zwischen Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn ist geprägt von einer fruchtbaren wie auch spannungsreichen Auseinandersetzung mit der künstlerischen Arbeit des anderen. Anhand von rund 150 Gemälden und Handzeichnungen wird in der Ausstellung der Frage nachgegangen, wie die beiden einander in ihrer jeweiligen künstlerischen Entwicklung beeinflusst haben.
Eine repräsentative Gegenüberstellung beider Künstler ist nun erstmals möglich, da die bedeutenden Werkgruppen des Landesmuseums Hannover durch Leihgaben aus der Kunsthalle Bremen, der Kunstsammlungen Böttcherstraße/Paula Modersohn-Becker Museum Bremen, der Paula-Modersohn-Becker-Stiftung Bremen, dem Von der Heydt-Museum Wuppertal, dem Otto Modersohn Museum in Fischerhude sowie aus zahlreichen weiteren öffentlichen und privaten Sammlungen ergänzt werden.
Vorwort
Das Niedersächsische Landesmuseum Hannover besitzt eine der ältesten und bedeutendsten Sammlungen von Werken Paula Modersohn-Beckers. Daraus resultiert die mit großer Freude angenommene Verpflichtung, den 100. Todestag der wichtigsten deutschen Malerin des 20. Jahrhunderts gebührend zu würdigen. Aus der ungeheuren Popularität einer Künstlerin, deren Entdeckung der Nachwelt vorbehalten blieb, erwuchs eine enorme Konkurrenzsituation auf dem heutigen "Ausstellungsmarkt". Neben einem reichhaltigen Veranstaltungsangebot in und um Worpswede stehen die drei zeitlich parallelen und sich inhaltlich ergänzenden Großveranstaltungen in Bremen und Hannover. So zeigt die Kunsthalle Bremen eine Schau zu "Paula m Paris. Paula Modersohn-Becker und die Kunst in Paris um 1900 - von Cezanne bis Picasso", während das Paula Modersohn-Becker-Museum in der Böttcherstraße die Ausstellung "Paula Modersohn-Becker und die ägyptischen Mumienportraits" veranstaltet. Beide Projekte haben sich somit das Ziel gesetzt, einen besonderen Aspekt jener wohlbekannten Impulse, welche die Künstlerin in Paris empfangen hat, erstmals in der realen Gegenüberstellung ihrer Werke mit denen der Vorbilder zu veranschaulichen.
Die breit angelegte Sonderausstellung des Niedersächsischen Landesmuseums setzt einen anderen Akzent. Sie verfolgt die fruchtbare und spannungsreiche Beziehung zwischen Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn erstmals im großen Rahmen. Zu den rund 150 Exponaten zählen zahlreiche Leihgaben aus den führenden Sammlungen sowie aus Privatbesitz. Den Besucher erwarten allein etwa 80 Gemälde und 20 Grafiken Paula Modersohn-Beckers, die einen Überblick über das Gesamtwerk der Künstlerin geben. Für eine größere Öffentlichkeit dürfte die Mal- und Zeichenkunst Otto Modersohns, des führenden Worpsweder Landschaftsmalers, neu zu entdecken sein. Die Auswahl legt den Schwerpunkt auf die Jahre zwischen 1889, dem Zeitpunkt von Modersohns Übersiedlung in das Dorf im Teufelsmoor, und 1907, dem Todesjahr seiner Ehefrau.
Der unvoreingenommene Vergleich von Paula Modersohn-Becker mit Otto Modersohn ist zulässig, weil sie ein Künstlerpaar waren. Ihre Ehe zählt - dies weisen die Katalogbeiträge von Ulrike Wolff-Thomsen und Renate Berger nach - zu den emanzipatorisch fortschrittlichsten Partnerschaften. Eingebettet
in die Ausführungen zu den zeitgenössischen Künstlerpaarkonstellationen im nationalen und regionalen Rahmen steht ein Aufsatz von Thomas Andratschke, der sich mit der gegenseitigen Wahrnehmung der beiden Worpsweder Eheleute anhand der Bild- und Schriftquellen beschäftigt. Der Fokus liegt nicht nur auf den menschlichen, sondern auch auf den künstlerischen Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen einem etablierten und passionierten Landschaftsmaler und einer "rücksichtslos geradeaus malenden" Künstlerin (Rilke am 16. Januar 1906). Annette Weisner beschäftigt sich mit dem CEuvre zweier Künstler, die in der Grundanschauung verwandt, in ihren Äußerungen zumeist aber sehr verschieden waren. Kunstgeschichtlich führte Otto Modersohn eher die romantischen und realistischen Traditionen in das 20. Jahrhundert fort, ohne dabei ganz auf impressionistische oder symbolistische Anklänge zu verzichten. Motivisch blieb er zeitlebens ein genuiner Landschaftsmaler. Paula Modersohn-Becker orientierte sich in zunehmendem Maße stärker an der Kunst, weniger am direkten Naturvorbild. Die Vielfalt der verarbeiteten Anregungen bezieht auch Vorbilder der Renaissance oder japanische Farbholzschnitte mit ein, nicht nur ägyptische Mumienporträts und Meister der französischen Avantgarde. Eine tiefe menschliche Anteilnahme und Einfühlung in die soziale Situation und persönliche Befindlichkeit ihrer Modelle verbindet wie ein roter Faden Paula Modersohn-Beckers frühe, gelegentlich monumentale Zeichnungen mit ihren mittleren und späten Gemälden, die Kinder und Erwachsene aus ihrer bäuerlichen Umgebung in Worpswede zeigen. Die heutige Popularität Paula Modersohn-Beckers beruht nicht zum geringsten auf der anrührenden Wirkung eben dieser Bilder.
Von 1901 bis 1904, d.h. in den ersten, noch weitgehend harmonischen Ehejahren, kam es häufiger vor, dass sich beide Künstler mit denselben Bildthemen beschäftigt haben. Die von Anke Spötter entworfene Systematik belegt eindrucksvoll, wie groß diese ikonografische Schnittmenge tatsächlich ist. Ausstellung und Katalog machen den direkten Vergleich beinahe aller aufgelisteten Werkgruppen möglich und legen damit die Basis eines zukünftig zu intensivierenden Untersuchungsfeldes. Gleiches gilt für den abschließenden Textbeitrag, der eine Gemeinschaftsarbeit von Iris Herpers und Kirsten Hinderer ist. Ihre Aufgabe war die exemplarische Analyse der Bildträger, der Malmit tel und -techniken zweier Hauptwerke beider Künstler aus dem Jahr 1903: Modersohn-Beckers "Mutter mit Kind" und Modersohns "Moorlandschaft". Der technologisch-restauratorische Aspekt, der den Gatten als experimentierfreudiger erweist, legt den Grundstein eines interdisziplinär ausgerichteten Vergleichs.
Ab 1903 wandte sich Modersohn-Becker auch mehr und mehr von der Landschaft ab, um sich von nun an ganz auf die menschliche Figur und die zunehmend ins Blickfeld geratende Gattung des Stilllebens zu konzentrieren. Modersohn konnte der rasanten Geschwindigkeit seiner eigenwilligen Gattin nicht mehr bedingungslos folgen, unterstützte sie aber auch in der Krisenzeit ohne Einschränkung. Einige Monate nach der Versöhnung und nur wenige Tage nach der Geburt ihrer Tochter verstarb Paula Modersohn-Becker am 20. November 1907. Ihr plötzlicher Tod brachte ein bis dahin weitgehend unbekanntes Werk ans Tageslicht, die Künstlerin selbst wurde als bedeutende Wegbereiterin der Moderne entdeckt. Lediglich Otto Modersohn hat diesen Status schon zu Lebzeiten erkannt. In sein Tagebuch notierte er im September 1903: "Und die Worpsweder Kunst? [...] Wenn ich da an meine Paula denke! Wie steht sie über alledem, wie turmhoch [...]."
Mein besonderer Dank gilt zunächst den großzügigen Förderern unserer Ausstellung, namentlich der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, der Sparkasse Hannover, der Rut- und Klaus-Bahlsen-Stiftung und der Delta Kunsthandels- und -verwaltungs GmbH & Co. KG. In gleichem Maße danke ich allen institutionellen und privaten Leihgebern. Herausheben möchte ich insbesondere meine Kolleginnen und Kollegen der Kunsthalle Bremen, ihren Direktor Prof. Dr. Wulf Herzogenrath und ihre Kuratorin Dr. Anne Buschhoff, der Kunstsammlungen Böttcherstraße und des Paula Modersohn-Becker Museums, deren Direktor Dr. Rainer Stamm, des Wuppertaler Von der Heydt-Museums, seinen Direktor Dr. Gerhard Finckh und seine Kuratorin Dr. Antje Birthälmer, sowie, last but not least, des Otto-Modersohn-Museums in Fischerhude, dessen Leitern Antje Noeres-Modersohn und Rainer Noeres. Ohne den selbstlosen Einsatz und die außerordentliche Kooperationsbereitschaft von Herrn Wolfgang Werner, den Mitverfasser des Paula Modersohn-Becker-Werkverzeichnisses und Geschäftsführer der Paula Modersohn-Becker-Stiftung in Bremen, die zu den wichtigsten Leihgebern gehört, wäre die retrospektive Ausrichtung des Projektes nicht zu realisieren gewesen. Bedanken möchte ich mich bei den externen Katalogautorinnen Prof. Dr. Renate Berger sowie PD Dr. Ulrike Wolff-Thomsen - Renate Berger darüber hinaus für zahlreiche fruchtbare Anregungen, insbesondere zur Konzeption. Schließlich sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesmuseums zu nennen. Sie haben sich der Herausforderung gestellt, eine Idee in die Praxis umzusetzen, und sämtliche Hindernisse und Unwägbarkeiten als Team gemeistert. Zu diesem gehörten maßgeblich in alphabetischer Reihenfolge: Thomas Andratschke (Kurator), Iris Herpers und Kirsten Hinderer (Restauratorinnen), Claus Müller (Ausstellungstechniker), Peter Nisi (Kataloggestalter), Anke Spötter (Ausstellungsassistentin und Redakteurin), Ursula Stamme (Fotografin), Siegfried Stenzel (Ausstellungstechniker), Meinolf Trudzinski (Lektor) und Annette Weisner (Autorin).
Hannover, im Oktober 2007 Heide Grape-Albers
Inhaltsverzeichnis
| Inhalt | Seite |
| Leihgeber und Dank | 4 |
| Vorwort | 5 |
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Ulrike Wolff-Thomsen "Nur durch Dich kann ich zu wirklich Großem kommen" Kreativität und Konkurrenz von Künstlerpaaren in Deutschland um1900 |
12 |
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Thomas Andratschke Aus dem Leben einer Künstlerehe Zur gegenseitigen Wahrnehmung von Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn in Bildern und Schriften |
32 |
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Renate Berger Nietzsche und die Folgen,Künstlerpaare im Worpsweder Freundeskreis |
70 |
|
Annette Weisner Vom kunstdurchdrungenen Leben Zum Werk von Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn |
92 |
|
Anke Spötter Basis eines Werkvergleichs-Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn |
134 |
|
Iris Herpers / Kirsten Hinderer Zur Maltechnik von Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn,Technologische Untersuchung an zwei Gemälden aus der Sammlung des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover |
146 |
|
Anke Spötter Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn Eine gemeinsame Biografie |
152 |
| Verzeichnis der ausgestellten Werke | 167 |
| Bibliografie | 186 |
| Bild- und Fotonachweis | 191 |
| Impressum | 192 |
Details
Autoren: Thomas Andratschke, Renate Berger, Iris Herpers / Kirsten Hinderer, Anke Spötter, Annette Weisner und Ulrike Wolff-Thomsen
Herausgeber: Heide Grape-Albers
Fotos: Ursula Stamme
Verlag: Deutscher Kunstverlag, München / Berlin
Auflage: Erstauflage
Jahr: 10/2007
Seitenanzahl: 192 Seiten
Abbildungen: 245 farbige und 29 s/w Abbildungen
Buchart: Hardcover
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-422-06763-9
ISBN 13: 978-3-422-06763-9
Größe: ca. 260 x 210 mm
Gewicht: ca. 1.000 Gramm
Zustand: neu, ungelesen







