Seestücke von Max Beckmann bis Gerhard Richter

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19,90 EUR

ISBN: 9783777436654  

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Beschreibung

Dr. Felix Krämer, Dr. Martin Faass und Hubertus Gaßner (Hrsg.)
Seestücke
Von Max Beckmann bis Gerhard Richter

Die künstlerische Auseinandersetzung mit der Darstellung von Schiffen, Häfen und Meeren ist für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts von zentraler Bedeutung. Das Katalogbuch gibt erstmals einen fundierten Überblick über die Entwicklung maritimer Themen von der klassischen Moderne bis in die internationale Kunst der Gegenwart.

Die Weite des Meeres, dessen Geheimnisse und Geschichten üben seit jeher eine große Faszination aus. Für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts hat die künstlerische Auseinandersetzung mit der Darstellung von Meeren, Häfen und Schiffen eine zentrale Bedeutung. So unterschiedliche Erfahrungen wie die Beschäftigung mit dem Unbewußten, das Erlebnis der beiden Weltkriege, die moderne Konsumgesellschaft und eine vollkommen gewandelte Naturwahrnehmung der Gegenwart prägen die Behandlung des maritimen Sujets.

Das Katalogbuch verfolgt die Entwicklung maritimer Themen von der klassischen Moderne bis in die internationale Kunst der Gegenwart, wobei das Spektrum von der Malerei bis zu zeitgenössischen Ausdrucksformen wie Installation, Photographie und Video reicht. Vorgestellt werden die von der mediterranen Sonne bestimmten Strandlandschaften von Max Beckmann, Lyonel Feiningers architektonische Bilder der Meeresstille, Paul Klees phantasievolle Kompositionen mit Dampfschiffen und Segelbooten sowie die surrealistischen Auslegungen des Meeres durch Max Ernst. Die Kunst der Neuen Sachlichkeit ist vertreten durch Arbeiten von Otto Dix und Franz Radziwill. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind es Künstler wie Willi Baumeister und Nicolas de Staël, die den historischen Bildtypus neu definieren und das Seestück in eine abstrakte Formensprache überführen. Ihnen folgen die Popart-Künstler Andy Warhol und Roy Lichtenstein, für deren Arbeiten die durch Werbung transportierten Klischees der Küste einen wichtigen Stellenwert einnehmen. Auch für die nächste Künstlergeneration bleibt die Faszination des Seestücks ungebrochen. Während Gerhard Richter und Anselm Kiefer bereits um 1970 ihre ersten Seestücke malten, haben gerade in den letzten Jahren viele Künstler das Maritime neu für sich entdeckt.

 

Rezensionen

Rund 100 Arbeiten befreien das maritime Genre endgültig von dem Ruch der biederen Wohnzimmerkunst.
[Weltkunst]

Zur Ausstellung ist ein sehr schön gestalteter und umfangreicher Katalog erschienen. Lohnend für alle, die auch die Sehnsucht nach dem Meer in sich tragen.
[3sat]

Inhaltsverzeichnis

Autor Inhalt Seite
Hubertus Gaßner Vorwort 7
Felix Krämer und Martin Faass Einleitung 8
Felix Krämer Max Beckmann und die See 13
Martin Faass Konstruktion und Poesie 33
Regine Gerhardt »Geheimnisvolle Nüchternheit«
das Seestück in den zwanziger und dreißiger Jahren
57
Felix Krämer Nach dem Krieg 81
Martin Faass Do It Yourself. Das Meer in der Pop Art 93
Felix Krämer Gerhard Richter. Seestücke 109
Arne Ehmann Anselm Kiefer. Von bleiernen Meeren und himmlischen Schiffen 119
Regine Gerhardt Bewegtes Meer 133
Regine Gerhardt Katastrophen zur See 145
Martin Faass Blick zurück nach vorn 159
Florian Britsch »... ein Gefüge von Bewegungen im Weltall, als Zentrum das Ich auf dem Dampfer«
Zum Schiffsmotiv in der Kunst der Klassischen Moderne
170
Dagmar Lott-Reschke Zeichen der Zeit
Hamburger Künstler und ihre Seestücke im Zeitalter von Abstraktion und Materialbedeutung
178
Claus Mewes und Goesta Diercks Das Meer in der zeitgenössischen Kunst
Von Flößen, weißen Flecken und verschollenen Seefahrern
188
Jörg Schöning Ozeanische Projektionen
Seestücke im Film
194
  Künstlerbiographien und Werkkatalog 200
  Auswahlbibliographie 215

Zur Ausstellung

Seestücke - Von Max Beckmann bis Gerhard Richter
08.06.07 - 16.09.07
Kunsthalle Hamburg
Hamburger Kunsthalle


Mit der großen maritimen Sommerausstellung Seestücke. Von Max Beckmann bis Gerhard Richter knüpft die Hamburger Kunsthalle in diesem Jahr an die erfolgreiche erste Seestücke-Ausstellung an, die 2005 erstmals in der jüngeren Kunstgeschichte die lang missachtete „Maritime Malerei“ wieder in den Fokus der Öffentlichkeit rückte; zeigen sich Künstler doch seit jeher fasziniert von der Weite des Meeres, von seinen Geheimnissen und seinen Geschichten, von Schiffen, Häfen, Küsten, Stränden und schönen Frauen. Nun versammelt der zweite Teil auf 1.700 Quadratmetern ein beeindruckendes Spektrum an 170 Werken von 55 internationalen Künstlern mit den Schwerpunkten Klassische Moderne, Pop Art und zeitgenössische Kunst. Zu sehen sind neben berühmten Schlüsselwerken von Andy Warhol und Roy Lichtenstein noch nie oder selten gezeigte Werke wie Paul Klees „Flusslandschaft mit Dampfboot“, Otto Dix’ „Abschied von Hamburg“ sowie drei Arbeiten, die Anselm Kiefer eigens für die Ausstellung schuf.

„Wenn ich der Kaiser der Erde wäre, würde ich als mein höchstes Recht mir ausbitten, einen Monat im Jahr allein zu sein am Strand“, schreibt Max Beckmann 1915 an seine Frau Minna und drückt damit aus, was unzählige Künstler seit jeher vereint: Ihre Liebe zum Meer. Der außergewöhnlichen Bereitschaft von über 60 Privatleihgebern aus Europa und Übersee, sich für diese Ausstellung von ihren Bildern zu trennen, ist es zu verdanken, dass zahlreiche sorgfältig gehütete Kunstschätze der Öffentlichkeit zugänglich werden. So kann neben Paul Klees „Flusslandschaft mit Dampfboot“ auch sein zuletzt 1950 ausgestellter „Seegarten“ nun in der Hamburger Kunsthalle bewundert werden. Zu den weiteren Kostbarkeiten der Ausstellung zählen auch 15 Gemälde von Max Beckmann und weitere Werke von Paul Klee, Lyonel Feininger und Max Ernst.

Neben Warhols berühmten „Do it Yourself“-Segelbooten, einem der Schlüsselwerke der Pop Art, konnten auch mehrere zentrale Werkgruppen Roy Lichtensteins versammelt werden, darunter Rowlux-Arbeiten, ein Brushstroke-Gemälde, die Lithographie „Shipboard Girl“ und fünf Filmarbeiten Lichtensteins von 1976, die in Europa noch nie gezeigt wurden. Richard Hamilton, der Urvater der englischen Pop Art, steuert aus seinem Privatbesitz die „Bathers II“ bei.

Anselm Kiefer, in dessen Oeuvre das Meer seit den späten 60er Jahren als zentrales Motiv fest verankert ist, zeigte sich so begeistert von dem Konzept der Ausstellung, dass er der Kunsthalle mehrere Arbeiten aus seinem Atelier in Südfrankreich anbot und darüber hinaus drei neue Werke exklusiv für die Ausstellung anfertigte. Das wohl herausragendste der insgesamt zehn Exponate ist die eigens für die Ausstellung geschaffene 2,5 Tonnen schwere Skulptur „Verunglückte Hoffnung“, mit der Kiefer auf Caspar David Friedrichs „Eismeer“ Bezug nimmt, das in der Literatur auch den Titel „Die verunglückte Hoffnung“ trägt.

Zu den Highlights der zeitgenössischen Beiträge zählt auch der Gerhard Richter-Raum, in dem zum ersten Mal eine umfangreiche Auswahl seiner faszinierenden Seestücke vereint ist. „Ich wollte es nur ein bisschen schöner machen, weil ich merkte, wie schwer es war, beides auf einmal zu erhalten, eine günstige Wasseroberfläche und einen schönen Himmel dazu“, äußerte sich Gerhard Richter 2002 über seine seit Ende der 60er Jahre entstandenen Gemälde, in denen er Himmel und Meer zu suggestiven Seelandschaften zusammenfügt. Robert Longo hingegen betont die zerstörerische Kraft des Meeres mit gigantischen Monsterwellen, die er kurz vor der Tsunami-Katastrophe 2004 in großformatigen Kohlezeichnungen festhielt. Der junge Hamburger Künstler Till Gerhard, der neben Peter Doig und Daniel Richter zu den Protagonisten der neuen Malerei gehört und ebenfalls eigens für die Ausstellung ein neues Gemälde schuf, inszeniert das Meer in seinen Bildern als einen fremden, unheimlichen Ort, dessen Tiefe ungeahnte Geheimnisse und Bedrohungen birgt.

Unter den ausgewählten Photoarbeiten ragen neben den Werken von Elger Esser und Hiroshi Sugimoto besonders die Arbeiten von Sven Johne und dessen Vorbild Allan Sekula durch ihren politisch motivierten Blick heraus. Sven Johne, einer der zurzeit gefragtesten jungen Photokünstler, setzt sich kritisch mit den Bedingungen der modernen Seefahrt auseinander. Sekula beleuchtet mit der Kamera die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen auf den Containerschiffen im Zuge der Globalisierung. „Das Meer ist der Schauplatz periodisch auftretender Schrecken“, so fasst er seine Sicht auf das Meer zusammen, „und außergewöhnlicher, aber kurzer Energieeinsätze, von den Dramen des täglichen Lebens meilenweit entfernt.“ (Allan Sekula, 2002, in Seemansgarn).

Mit Bruce Conner, Tacita Dean und Hans Schabus ist auch die aktuelle Videokunst in der Seestücke-Ausstellung hochkarätig vertreten. Bruce Conners Filmarbeit (1976) über die Explosion der ersten Atombombe auf dem Bikini-Atoll hat an Aktualität nichts eingebüßt. Conner, der als einer der ersten Künstler Ende der 50er Jahre mit dem Medium Film experimentierte, rückt mit seinem verstörenden Film das Meer als militärische Kampf- und Versuchszone und seine Bedrohung als empfindlichen Teil unseres Ökosystems ins Visier. Der junge österreichische Künstler Hans Schabus, den Max Hollein 2005 auf die Biennale in Venedig präsentierte, entdeckt das Seestück in der Wiener Kanalisation. Tacita Dean, die zurzeit mit einer großen Einzelausstellung im New Yorker Guggenheim Museum geehrt wird, fahndet in ihren Arbeiten nach Phänomenen und menschlichen Schicksalen, die sich auf See ereigneten, so auch in ihrem Video „How to put a boat in a bottle“ (1995).

Mit welchen Techniken, Medien und Mitteln sich die Künstler dem Thema Meer auch nähern, eines zeigt die Seestücke-Ausstellung sehr deutlich: Das Meer ist für sie alle ein zentrales Motiv des Lebens, der Sehnsucht, aber auch der Bedrohung, und immer ist es Ausgangspunkt der Reflektion ihrer Zeit. Das Sujet der von Kaiser Wilhelm II. und den Nationalsozialisten zu machtpolitischen Zwecken missbrauchten maritimen Malerei bietet weit mehr als Kitsch und Propaganda. Durch die Augen der Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts betrachtet, spiegelt sich die ganze Bedeutungsgeschichte des Meeres: die Erfahrungen der beiden Weltkriege, die moderne Konsum- und Industriegesellschaft, das Meer als Verkehrszone und als bedrohtes Ökosystem, eine vollständige gewandelte Naturwahrnehmung und all dem zum Trotz auch die Sehnsucht nach dem großen Meer und der Hoffnung auf eine bessere Welt.

Kuratoren der Ausstellung: Dr. Felix Krämer und Dr. Martin Faass

Details

Herausgeber: Dr. Felix Krämer, Dr. Martin Faass und Hubertus Gaßner
Texte: Regine Gerhardt, Arne Ehmann, Florian Britsch, Dagmar Lott-Reschke, Jörg Schöning u.a.
Verlag: Hirmer Verlag, München
Auflage: Erstauflage
Jahr: 2007
Seitenanzahl: 216 Seiten
Buchart: Gebunden Schutzumschlag
Abbildungen: 109 Farbtafeln, 75 Abbildungen in Farbe und in schwarz-weiß
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-7774-3665-8
ISBN 13: 978-3-7774-3665-4
Größe: ca. 284 x 236 x 24 mm
Gewicht: ca. 1.450 Gramm
Zustand: neu, ungelesen