Bestecke des Jugendstils

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Beschreibung

Barbara Grotkamp-Schepers und Reinhard W. Sänger
Bestecke des Jugendstils / Art Nouveau Knives, Forks and Spoons
Bestandskatalog des Deutschen Klingenmuseums Solingen

Die zentrale Idee des Jugendstils war, „alle Lebensbereiche mit Kunst zu durchdringen“; auch die Gebrauchsgegenstände waren hiervon nicht ausgenommen.

Das Deutsche Klingenmuseum verfügt über die größte Bestecksammlung. Mit dem jetzt vorliegenden Band 1 wird das „Jugendstil-Besteck“ in seiner ganzen Breite präsentiert. Bestecke aus Silber, versilbert und aus anderen Materialien, hauptsächlich in Deutschland hergestellt. Der Bestand umfasst über 300 verschiedene Muster, die hier nach optischen Kriterien sortiert sind und damit dem Leser ein facettenreiches Bild der unterschiedlichsten Formen und Dekore zeigen. Diese Fülle an unterschiedlichsten Dekoren wird in keiner anderen Epoche erreicht und ist hier erstmals publiziert. Alle namhaften Hersteller und Designer, aber auch anonyme Werksentwürfe, sind in dieser Sammlung vertreten.

Bereichert wird das Buch mit einem umfangreichen Markenverzeichnis aller abgebildeten Bestecke. Das Buch für den Bestecksammler und Grafiker.

 

Description

The basic tenet of Jugendstil (German Art Nouveau) was to "suffuse all areas of life with art". This also applied to objects in everyday use. The German Blade Museum (Deutsches Klingenmuseum) boasts the world's biggest cutlery collection. This catalogue presents "Jugendstil Cutlery" in all its diversity. Silver, silver-plate and other materials were used for this cutlery, most of it made in Germany. The collection comprises more than 300 patterns, which are arranged here by purely formal criteria to reveal the enormous variety of forms and decoration. No other era produced such a diversity of decorative designs and this is the first ever publication to deal with it. All known makers and designers as well as anonymous factory designs for patterns are represented in this collection.

Vorwort

Just zur Zeit des Jugendstils, ab 1904, entstanden die Sammlungen des Deutschen Klingenmuseums in Solingen. Selbstverständlich sammelte man nicht die Propheten der eigenen Epoche, vielmehr schaute man zurück in die Geschichte. Der hohen Zeit der Solinger Klingenproduktion vom 16. bis 18. Jahrhundert, vorrangig den langen Klingen für Blankwaffen wie Schwerter und Degen und in zweiter Linie auch kleineren Messern und Bestecken, galt das Interesse. Die Sammlung sollte den Schülern der heimischen Fachschule für die Stahlwaren-Industrie Vorbild sein und zu eigenen guten Leistungen anspornen. Dieser bildungsbürgerliche, zugleich historisierende und industriefördernde Ansatz bot dem modernen Stil, der ohnehin in den Solinger Produkten um 1900 nur einen schwachen Niederschlag fand, keinen Platz.

Zu den raren Ausnahmen zählt das Besteck von Richard Riemerschmid (Kat.Nr. 20), das bereits 1906 als Geschenk einer Solinger Firma in die Sammlung einbezogen wurde. Der Grund für das Geschenk läßt sich leicht nachvollziehen: Eine (leider nicht näher bekannte) Solinger Firma produzierte die von Riemerschmid entworfenen, zum Besteck passenden Klingen.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg allmählich die historische Beschäftigung mit dem Jugendstil begann (erste Ausstellung in Zürich 1955), blieben die Bestecke jener Zeit weitgehend unbeachtet. Tatsächlich eine "Initialzündung" bewirkte Hanns-Ulrich Haedeke, der 1979 - vor genau 20 Jahren - im Deutschen Klingenmuseum mit dem Sammler Giorgio Silzer die erste Ausstellung über Jugendstilbestecke ausrichtete. Diese Ausstellung, deren Katalog ebenfalls von Reinhard Sänger, dem Mitautor dieses Bandes, bearbeitet wurde, öffnete und schärfte den Blick für dieses umfangreiche Sondergebiet der Jugendstilgestaltung und rief einen wachsenden Kreis von Sammlern ins Leben. Das Klingenmuseum organisiert seit nunmehr fünf Jahren ein jährliches Bestecksammlertreffen, bei dem die Jugendstil-Freunde ein Schwergewicht bilden.

Bis Ende der 1980er Jahre war der Bestand an Jugendstil-Bestecken im Klingenmuseum nur langsam gewachsen, vornehmlich durch die Schenkungen eines passionierten Privatsammlers, der dem Museum immer wieder Stücke aus seinem Fundus überwies. Einen recht großen Anteil daran haben amerikanische Entwürfe, die im vorliegenden Buch nicht behandelt werden. Erst ab 1989 konnte der Großteil der jetzt vorgestellten Jugendstil-Sammlung im Klingenmuseum zusammengetragen werden, ermöglicht auch durch die Förderung der NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege.

Das Thema Jugendstil-Bestecke vermittelt einen Hauch von Unendlichkeit. Die Zahl der im wesentlichen zwischen 1898 und 1910 entworfenen Besteckmuster ist nicht festzustellen. Zwar sind die typische Formensprache des Jugendstils, bestimmte Motive und Kombinationen einzugrenzen, aber die Menge der Varianten entzieht sich einer dokumentarischen Vollständigkeit. So ist auch diese Sammlung nur ein Auszug aus dem Ganzen, allerdings mit dem Anspruch auf die möglichst umfassende Präsentation der sog. Entwerferbestecke und derjenigen Entwürfe, die leitmotivisch ganze Serien von Nachahmungen und Weiterentwicklungen hervorriefen. Das Spektrum der geschlungenen Bänder und der floralen Dekore allerdings gibt in vielen Fällen die Kontingenz des Sammelns wieder und wäre jederzeit durch weitere Beispiele zu ergänzen.

Dieses Buch erscheint anläßlich der Ausstellung "Jugendstil - Bestecke und Tafelkultur" im Deutschen Klingenmuseum von November 1999 bis Februar 2000 und stellt einen neuen Ansatz zur Systematisierung der Objekte zur Diskussion: die Formanalyse. Der genauere Blick auf die Einzelheiten der Dekore wie auch auf den gestalterischen Umgang mit dem Besteck als einem plastischen Körper bringt bemerkenswerte Aspekte zu Tage. Auf der einen Seite sind Gruppen mit ähnlicher Gestaltungsweise zu bilden, bei denen in manchen Fällen ein bestimmter Entwurf den Anstoß zu einer Reihe vergleichbarer Stücke gab. Auf der anderen Seite ist eine formale "Vernetzung" zu beobachten, bei der Detailformen aus einer Gruppe in einer anderen auftauchen und dort - in neue gestalterische Zusammenhänge eingebaut - ein Eigenleben entwickeln und sogar neue Filiationen in wieder anderen Gruppen bewirken können. Wenn auch die hier vorgegebene Systematik in etlichen Einzelstücken durchaus subjektiven Entscheidungen folgt und manche Besteckmuster mit ebenfalls guten Argumenten auch an anderer Stelle stehen könnten, so scheint uns doch die grundsätzliche Einteilung den Objekten gegenüber angemessen. Es soll allerdings mit der Reihung von glatten, dekorlosen Mustern bis hin zum wuchernden floralen "all over" nicht eine fiktive zeitliche Abfolge behauptet werden; die unterschiedlichen ästhetischen Haltungen existierten zeitlich - allerdings weniger geografisch - parallel. Reinhard Sänger führt dieses Thema in seinem Beitrag anschaulich weiter aus.

Daß der Druck dieses Kataloges zusammen mit der Förderung der begleitenden Ausstellung durch die Unterstützung der Stiftung Kunst und Kultur realisiert werden konnte, schließt den Kreis der nordrhein-westfälischen Landesförderung in bester Weise und gibt dem Klingenmuseum die Gelegenheit zu einem vorläufigen krönenden Abschluß seines langjährigen Engagements für den Jugendstil.

Ich danke Reinhard Sänger für stete Bereitschaft zu Diskussion, Rat und Korrektur. Die Gespräche mit Jochen Amme in der frühen Phase der Vorbereitung waren sehr anregend und fanden ihren Niederschlag in der Konzeption des Buches. Susanne Born und Ulrike Karstedt haben in den besonders arbeitsintensiven Monaten Katalog und Ausstellung hilfreich begleitet. Ihnen allen danke ich herzlich.

Barbara Grotkamp-Schepers
November 1999

Inhaltsverzeichnis

Autor
Author
Inhalt Contents Seite
Page
  Vorwort Foreword 6
Barbara Grotkamp-Schepers Tafel-Schönheit The Beautiful Table 9
Reinhard W. Sänger "Schönheiten auf der Tafel" "Beauty on the Table" 22
  Einleitung zum Katalog und Abkürzungsverzeichnis Catalogue introduction and abbreviations 36
  Die klare Form Clarity of form 39
  Glatte Formen ohne Dekor Smooth patterns without decoration 40
  Asymmetrische Kontur mit organisch-vegetabilen Formen Asymmetrical in contour with organic-vegetal forms 50
  Neue Formen, vertraute Dekore New forms, familiar decoration 57
  Perlrand-, Faden- und Federmuster Bead, Thread and Feather Patterns 58
  Girlanden, Kränze und Schleifen Swags, wreaths and knots or bows 66
  Das Kreuzband Crossed ribbon 74
  Neue Formen, neue Dekore New forms, new decoration 81
  Das geschlungene Band: The interlaced ribbon: 82
  Das asymmetrische Band The asymmetrical ribbon motif 82
  Das symmetrische Band The symmetrical ribbon motif 90
  Geometrisch-abstrakte Dekore: Geometric-abstract designs: 100
  Das Flachornament Surface ornament 100
  Das plastische Ornament Sculptural ornament 110
  Die Lust am Floralen Cutlery with floral decoration 123
  Sparsame Blätter- und Blütenpracht: Simple leaves and flowers: 124
  Strenge Formen - kühle Blüten Astringent forms - floral austerity 124
  Blüten am Griffende Flowers as handle terminals 132
  Vegetabile Bewegung: Vegetal decoration in motion: 138
  ... aus dem Griffende empor ... out of the end of the handle 138
  ... von der Griffwurzel herab ... down from the neck of the handle 148
  Ein Lieblingsmotiv: hängende Blüten A favourite motif: drooping blossoms 158
  Die "Blüte" der Blüten: The "flowering" of flowers: 166
  Blüten und Blätter "all over" Blossoms and leaves "all over" 166
  Naturalistische "Blütengriffe" Naturalistic "flower handles" 174
  Menschen und (Wasser-) Tiere The human and (aquatic) animal form 181
  Anhang Appendix  
  Ergänzender Text zu den Bildlegenden Supplementary caption texts 190
  Künstler-Biografien Artist biographies 206
  Herstellerliste mit Markenverzeichnis List of makers and marks table 209
  Literatur Bibliography 214
  Register Register 215

Details

Autoren: Barbara Grotkamp-Schepers und Reinhard W. Sänger
Verlag: Arnoldsche Art Publishers, Stuttgart
Auflage: Erstauflage
Jahr: 01/2000
Seitenanzahl: 216 Seiten
Abbildungen: 342 Abbildungen, 87 Markenabbildungen
Buchart: Kartoniert
Sprache: Deutsch und Englisch
ISBN 10: 3-925369-95-3
ISBN 13: 978-3-925369-95-7
Größe: ca. 295 x 245 x 28 mm
Gewicht: ca. 1.450 Gramm
Zustand: neu, ungelesen
Besonderheit: 87 Markenabblildungen, speziell für Bestecke des Jugendstils