Frauensilber Silberschmiedinnen der Bauhauszeit
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Beschreibung
Harald Siebenmorgen (Hrsg.)
Frauensilber
Paula Straus, Emmy Roth & Co.
Silberschmiedinnen der Bauhauszeit
Bis heute ist kaum bekannt, dass sich in den „Goldenen zwanziger Jahren“ der Weimarer Republik künstlerisch begabte Frauen ein Handwerk eroberten, das seit Jahrhunderten von Männern dominiert war: die Gold- und Silberschmiedekunst. Schon vor dem Ersten Weltkrieg erlernten Frauen im Zuge einer breiten Emanzipationsbewegung das Metier und bauten sich mit einer eigenen Werkstatt eine Existenz auf. In Deutschland machte die erste Gold- und Silberschmiedin 1912 ihren Meister, in Österreich 1924 und in der Schweiz 1926.
Überwiegend wurden die Frauen als Goldschmiedin tätig und gestalteten Schmuck. Nur wenige arbeiteten auch als Silberschmiedin und stellten Luxus- und Gebrauchsgerät her: Kaffee- und Teeservice, Tafelsilber, Vasen, Kannen, Schalen, Dosen, Becher und sogar Bestecke. Paula Straus (1894–1943), Emmy Roth (1885–1942) und Christa Ehrlich (1903–1995) gingen noch einen Schritt weiter: Sie wurden zu den ersten „Industriedesignerinnen“ der Silberbranche. In erstaunlich kurzer Zeit vermochten sie serielle Silberwaren mit einer eigenen Produktlinie zu gestalten.
Ihre Formfindungen von sachlicher Einfachheit, hoher Funktionalität und technischer Perfektion überraschen heute noch – viele ihrer Arbeiten wirken zeitlos modern. Was sich das Weimarer Bauhaus (1919?–?1925) auf seine Fahnen als Zukunftsvision geschrieben hatte, wurde von einigen dieser Frauen bereits geleistet.
Ihr Erfolg und ihre Bedeutung als Gestalterinnen gerieten durch die Ereignisse nach 1933 jedoch in Vergessenheit. Die Karlsruher Ausstellung ermöglicht nun erstmals die Wiederentdeckung von Werk und Viten dieser meist wenig bekannten Kunsthandwerkerinnen: In einzelnen Kapiteln zeigt sie Arbeiten von Paula Straus und Emmy Roth, Eilfriede Berbalk, Marga Jess, Martha Flüeler-Haefeli, Erika Spitzbarth-Petersen, Hilde Vollers, Gemma Wolters-Thiersch, Erna Zarges-Dürr und sechs weiteren Künstlerinnen. Anhand von rund 200 Exponaten und gemeinsam mit der begleitenden Publikation nimmt die Ausstellung so eine Korrektur in der Geschichte des Kunsthandwerks und des Designs für die Zeit vor 1945 vor.
Inhaltsverzeichnis
| Autor | Inhalt | Seite |
| HARALD SIEBENMORGEN | Vorwort | 7 |
| INGEBORG BECKER | Vorwort | 9 |
| REINHARD W. SÄNGER |
Einleitung mit zwei Exkursen: Zur Silberkultur in der Weimarer Republik Preise von Tischgerät aus Silber und anderen Metallen |
11 |
| I. Kunsthandwerk und Industrie-Design | ||
| JOACHIM W. STORCK | Paula Straus- Ein Künstlerleben im Schatten der Zeit | 25 |
| REINHARD W. SÄNGER | Paula Straus: Gold- und Silberschmiedin der Avantgarde | 35 |
| Paula Straus: Die erste „Industriedesignerin" der Moderne | 40 | |
| Sakralgerät „in neuem Geiste" | 62 | |
| Besteckgarnituren und „Zierlöffel" | 69 | |
| REINHARD W. SÄNGER | Emmy Roth | 77 |
| „Unedle" Utensilien aus Buntmetallen | 82 | |
| „Judaika": Kultgerät für die jüdische Glaubenspraxis | 84 | |
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Erzwungene Wanderjahre: Paris - Jerusalem - Holland - Tel Aviv |
88 | |
| REINHARD W. SÄNGER | Helene Lock-Brandt | 107 |
| ANNELIES KREKEL-AALBERSE | Christa Ehrlich | 115 |
| II. Gold- und Silberschmiedinnen | ||
| HEIDRUN JECHT | Eilfriede Berbalk | 125 |
| REINHARD W. SÄNGER | Marga Jess (Jeß) | 131 |
| HEIDRUN JECHT | Martha Flüeler-Haefeli | 135 |
| CHRISTIANE SNOPKO | Marcelina Preiswerk-Gams | 151 |
| RÜDIGER JOPPIEN | Elisabeth Treskow | 157 |
| RÜDIGER JOPPIEN | Hildegard Völlers | 167 |
| REINHARD W. SÄNGER | Erna Zarges-Dürr | 175 |
| III. Werkstattgemeinschaften | ||
| REINHARD W. SÄNGER | Eva (Mascher-) Elsässer und Hildegard (Hilde) Risch, 1927-1943 | 185 |
| Eva (Mascher-) Elsässer | 187 | |
| Hildegard Risch | 191 | |
| REINHARD W. SÄNGER | Gemma Wolters-Thiersch und Erika (Spitzbarth-) Petersen, 1935-ca. 1944 | 197 |
| Gemma Wolters-Thiersch | 201 | |
| Erika (Spitzbarth-) Petersen | 211 | |
| CHRISTINA SNOPKO | Anhang | |
| Verzeichnis der abgekürzten Literatur | 218 | |
| Dank für Rat und Tat | 221 | |
| Bildnachweis | 223 | |
| Abkürzungsverzeichnis | 223 | |
| Register von Personen, Herstellern und Institutionen | 224 |
Über Harald Siebenmorgen
Harald Siebenmorgen ist Direktor des Badischen Landesmuseums Karlsruhe.
Zur Ausstellung
FrauenSilber
Paula Straus, Emmy Roth & Co.
Silberschmiedinnen der Bauhauszeit
Bröhan-Museum, Berlin
7. Juli bis 9. Oktober 2011
In der Ausstellung sind etwa 150 seltene Silber- und Goldschmiedearbeiten zu sehen, die ausschließlich von Künstlerinnen gestaltet wurden. Die Objekte stammen von Museen, Privatsammlern sowie aus dem Bestand des Bröhan-Museums. Der zeitliche Schwerpunkt liegt bei den Zwanziger Jahren. Erstmals werden hier interessante Frauenpersönlichkeiten aus dem deutschen Sprachraum vorgestellt, die zwischen den beiden Weltkriegen den Beruf der Silberschmiedin ergriffen, eine Werkstatt gründeten oder auch Anstellungen in bedeutenden Silberwarenfabriken fanden. Neben Paula Straus, Emmy Roth und anderen gehören auch die ersten Frauen dazu, die überhaupt eine Meisterprüfung als Gold- bzw. Silberschmiedin ablegten: Marga Jess 1912 in Deutschland, Martha Flüeler-Haefeli 1923 in der Schweiz und Eilfriede Berbalk 1924 in Österreich.
In der vom Badischen Landesmuseum in Karlsruhe übernommenen und auf neuesten Forschungsergebnissen beruhenden Ausstellung wird deutlich, dass sich Frauen in dem traditionell von Männern dominierten Handwerkszweig der Gold- und Silberschmiedekunst zu behaupten wussten. Viele der Entwürfe zeugen von einer eigenwilligen persönlichen Handschrift und großem technischen Geschick.
Biografien zu den einzelnen Gestalterinnen geben Einblick in den historischen Kontext, in dem die Silberarbeiten entstanden sind. Dazu zählt auch der tiefe Einschnitt und irreparable Schaden, den die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 für die künstlerische Entwicklung in Deutschland bedeutete. Die jüdischen Künstlerinnen Emmy Roth und Paula Straus waren unmittelbar betroffen: Emmy Roth emigrierte und nahm sich 1942 in Tel Aviv das Leben; Paula Straus wurde 1943 in Auschwitz ermordet.
In den Zwanziger Jahren erfreute sich das Kunsthandwerk allgemein großer Beliebtheit. Hierin findet die Reformbewegung des Jugendstils ihre Fortsetzung, die der angewandten Kunst – und damit der künstlerischen Sublimierung des Alltags – einen gleich hohen Rang eingeräumt hatte wie der Bildenden Kunst.
Dass gerade Frauen sich in den verschiedenen Sparten des Kunsthandwerks betätigten, hatte allerdings auch praktische Gründe: Künstlerinnen waren offiziell erst seit 1919/20 an deutschsprachigen Akademien zugelassen und konnten auch danach nur sehr schwer als Malerinnen, Bildhauerinnen oder Architektinnen Fuß fassen. Das Kunsthandwerk bot ihnen noch am ehesten eine berufliche Perspektive.
Die Ausstellung FrauenSilber verdeutlicht, wie kreativ die Silberschmiedinnen der 1920er/30er Jahre waren, zu welch vielfältigen, teilweise überraschend modernen Formen und Dekoren sie fanden, aber auch, welches Maß an persönlichem Durchsetzungsvermögen ihre künstlerische Tätigkeit erforderte.
Details
Herausgeber: Harald Siebenmorgen
Verlag: Info Verlag, Karlsruhe
Erstausgabe: 16.02.2011
Auflage: Erstauflage
Jahr: 2011
Seitenanzahl: 224 Seiten
Abbildungen: über 300 Abbildungen
Buchart: Gebunden
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-88190-620-7
ISBN 13: 978-3-88190-620-3
Größe: ca. 274 x 214 x 20 mm
Gewicht: ca. 1.200 Gramm
Zustand: neu, ungelesen







