Goldene Pracht - Mittelalterliche Schatzkunst

 

45,00 EUR

ISBN: 9783777450414  

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Beschreibung

LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster (Hrsg.)
Goldene Pracht
Mittelalterliche Schatzkunst in Westfalen

Gold, Silber und Edelsteine faszinieren seit Jahrtausenden Menschen aller Kulturen. Eine ungewöhnlich hohe Zahl herausragender Goldschmiedearbeiten des Mittelalters hat sich in Westfalen erhalten. Kostbare Kreuze und Reliquienschreine, edles Ratssilber und aufwendiger Schmuck zeugen von christlicher Frömmigkeit und weltlichem Repräsentationsbedürfnis.

In den erblühenden Bischofs- und Hansestädten der europaweit vernetzten Kulturlandschaft Westfalen entstanden seit dem 13. Jahrhundert Goldschmiedearbeiten von hohem künstlerischen Rang. Diese bislang wenig bekannten und beachteten Kostbarkeiten werden nun erstmals in ihren vielfältigen (kunst-)historischen, sozialen und technischen Facetten in einer großen Sonderausstellung gewürdigt.
Im Glanz von Gold, Silber und Edelsteinen erweckt auch das opulente Katalogbuch ein bedeutendes Kapitel westfälischer Kunst- und Kulturgeschichte zu neuem Leben. In Aufsätzen ausgewiesener Spezialisten für die Schatzkunst des Mittelalters und die Geschichte Westfalens werden die Funktionen mittelalterlicher Prachtentfaltung ebenso beleuchtet wie die Beweggründe für die Stiftung wertvollster Kunstwerke und die Bedeutung von Kirchenschätzen. Auch wenig erschlossene Themen wie die Rolle der Goldschmiede und ihrer Werkstätten, ihre Verankerung im Gefüge der Städte und die künstlerischen Einflüsse auf ihr Schaffen finden Berücksichtigung.

Rund 300 Katalogtexte stellen die faszinierenden Exponate umfassend vor, dokumentieren sie in 450 aktuellen Fotografien und machen den Katalog zu einem Standardwerk für mittelalterliche Schatzkunst. Fachleute wie Laien erblicken die Goldene Pracht Westfalens in neuem Licht.

Das Buch erscheint im Februar 2012. Vorbestellungen werden sofort nach dem Erscheinungstermin ausgeliefert.

 

Inhaltsverzeichnis

Autor Inhalt Seite
  Grußworte 12
  Vorwort 14
  Einführung 16
  BEITRÄGE  
Gerd Althoff und Petra Marx Der Sinn mittelalterlicher Prachtentfaltung 20
Werner Freitag Kirche und Frömmigkeit im spätmittelalterlichen Westfalen 30
Dietrich W. Poeck dechtnisse to ewigen tyden.
Zur Memoria im mittelalterlichen Westfalen
40
Eva Schlotheuber miserere mei deus.
Stifter und Stifterinnen in Westfalen
50
Jürgen Barsch Gold und Silber im Dienst der Liturgie.
Sinn und Funktion von Werken der Goldschmiedekunst im Gottesdienst
58
Bernadette Burchard und Holger Kempkens Mittelalterliche Kirchen- und Heiltumsschätze in Westfalen 68
Hartmut Krohm Formengeschichtliche Entwicklungen auf dem Gebiet westfälischer figürlicher Goldschmiedekunst der Hochgotik 78
Peter Bolg und Holger Kempkens Mittelalterliche Goldschmiedetechniken 86
Reinhard Karrenbrock Die Goldschmiede der Stadt Münster zwischen 1350 und 1534 - archivalische Untersuchungen 94
  KATALOG  
  KAPITEL 1
Die mittelalterliche Symbolik von Gold und Edelsteinen
112
  KAPITEL 2
Die Folgen der Christianisierung. Stiftungen sakraler Kunst 483 Ortsregister für Bistümer und Klöster vom 10. bis 12. Jahrhundert
134
  KAPITEL 3
Neue Zentren, neue Träger, neue Formen. Osnabrück um 1225 als Zentrum der Goldschmiedekunst in Westfalen
160
  KAPITEL 4
Goldschmiedewerke als Zeichen von Rang und Anspruch.
Die Emanzipation der Stadt Soest von ihrem Stadtherrn im 14. und 15. Jahrhundert
186
  KAPITEL 5
Reliquienschrein und Himmelsstadt. Gotische Silberstatuetten zwischen Frankreich, Rheinland und Westfalen
212
  KAPITEL 6
Goldschmiede - Bildhauer - Maler.
Künstlerischer Austausch und die Zentren Osnabrück und Münster
230
  KAPITEL 7
Goldschmiede in der spätmittelalterlichen Stadt.
Luxusproduzenten für Rat und Bürger
286
  KAPITEL 8
Goldschmiede und ihre Werkstätten
290
  KAPITEL 9
Der Gebrauch der Goldschmiedekunst in der Liturgie
316
  KAPITEL 10
Irdische Pracht für himmlischen Lohn.
Stifterbilder in der mittelalterlichen Goldschmiedekunst
374
  KAPITEL 11
Der Schatz in der Kirche
414
  ANHANG  
  Quellen 454
  Literatur 455
  Abkürzungen 479
  Personenregister 480
  Ortsregister 483
  Glossar 487
  Bildnachweis 490

Zur Ausstellung

Goldene Pracht
Mittelalterliche Schatzkunst in Westfalen
26.02. - 28.05.2012
LWL-Landesmuseum und Domkammer, Münster


Die Farbe Gold – nicht nur zur Weihnachtszeit

Die Farbe Gold, die in der Weihnachtszeit Tannenbäume und Gabentische erstrahlen lässt, hatte in der Kulturgeschichte Wissenschaftlern zufolge weit mehr Bedeutungen als heute. Während das Edelmetall derzeit vor allem als Schmuck oder Wertanlage irdische Bedürfnisse bedient, schrieb das Mittelalter ihm überirdische Funktionen zu. „Gold stand für das Ewige und Göttliche. Es konnte das Heilige sichtbar machen. Mühevoll der Erde entrissen, galt es als himmlisches Geschenk, das in seinem Glanz alles Irdische überstrahlte“, so Kuratorin Dr. Petra Marx vom LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster. „Nichts anderes war so geeignet wie Gold, Gott und die Heiligen zu ehren.“ Adel und Bürger stifteten regelmäßig kostbarste Werke der Goldschmiedekunst.

Rund 300 herausragende mittelalterliche Gold-Exponate aus aller Welt präsentiert ab Februar 2012 die Ausstellung „Goldene Pracht“ in der Domkammer und im Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster, zu der die Museen gemeinsam mit dem Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Uni Münster einladen. Die Schau zeigt kostbare Kreuze, prächtige Kelche und Reliquienschreine ebenso wie edles Ratssilber und filigranen Goldschmuck aus dem 10. bis 16. Jahrhundert. Anhand wertvoller Schätze – etwa der Silberstatuette der Heiligen Agnes, den Apostelfiguren vom Hochaltar des Münsterischen Doms und dem Prudentia-Schrein aus Beckum – vermittelt die Ausstellung, warum Gold seit Jahrtausenden auf Menschen aller Kulturen Faszination ausübte und wie es zum Ausdruck religiöser und weltlicher Macht wurde.

„Fremd gewordene Frömmigkeit“

„Die Frömmigkeit dieser fernen Epochen ist uns fremd geworden, doch die ansprechende Ästhetik der sakralen und weltlichen Kunst schlägt uns bis heute in ihren Bann“, sagt Historiker Prof. Dr. Gerd Althoff vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“. Die Werke seien mit überaus hohem materiellem und künstlerischem Aufwand hergestellt worden. „Denn sie dienten der Verehrung Gottes sowie der Heiligen und Märtyrer.“ Die liturgischen Geräte sollten außerdem dem Gottesdienst eine hohe Würde verleihen.

Heilige und Märtyrer standen für Menschen des Mittelalters im Zentrum ihrer Vorstellungswelt und dienten ihnen als Vorbilder, wie Althoff erläutert. Umso wichtiger waren Gerätschaften zu ihrer Verehrung, wie LWL-Kuratorin Marx ergänzt. Das waren vor allem Reliquien, die Behältnisse für die körperlichen Überreste von Heiligen. „Zur Umhüllung der Gebeine– die theologisch den eigentlichen Kirchenschatz darstellten – kamen nur wertvollste Materialien wie Gold, Silber und Edelsteine in Frage. Sie spiegelten die Tugendhaftigkeit der Heiligen optisch wider“, so die Kunsthistorikerin. „Das glänzende Gold der Reliquiare galt als Abglanz der Heiligen – eine Schnittstelle zwischen Himmel und Erde.“

Vorbild „Himmlisches Jerusalem“

Dass die Reliquiare oft die Form von Köpfen oder Büsten hatten, sollte den Menschen eine kommunikative Nähe zu den abgebildeten Heiligen bieten, wie die Experten erläutern. Marx: „Die oft weit geöffneten Augen schienen die Blicke der Gläubigen quasi zu erwidern.“. Die Ausstellung „Goldene Pracht“ zeigt etwa ein Kopfreliquiar des heiligen Paulus aus dem Münsterischen Dom. Dieses „redende Reliquiar“ barg Schädelfragmente des Märtyrers, der im Jahr 67 nach Christus in Rom ermordet wurde. Die Büste aus dem 11. Jahrhundert ist das älteste Stück im Domschatz von Münster. Das Vorbild der künstlerischen Prachtentfaltung war nach den Worten von Althoff das in der Offenbarung des Johannes beschriebene Himmlische Jerusalem. Trotz dieser biblischen Basis sei schon im Mittelalter darum gerungen worden, ob derlei Reichtum des Goldes mit dem Christentum vereinbar sei. „Verschwenderischer Schmuck ließ sich kaum mit dem biblischen Armutsideal vereinbaren.“

Die Reden des Kirchenvaters Augustinus hätten einen Kompromiss angeboten, so der Historiker: Wertvolle Materialien waren demnach von Gott gegeben und ihre Verarbeitung somit gewollt, die richtige Nutzung habe in den Händen der Menschen gelegen. „Gold durfte den Betrachter also nicht von den Glaubensinhalten ablenken oder diese übertrumpfen. Nach mittelalterlichem Ideal sollten die Menschen nicht nach irdischen Schätzen, sondern nach dem ,Schatz im Himmel‘ streben“, sagt Althoff.

Details

Herausgeber: LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster
Verlag: Hirmer Verlag, München
Erscheiningstermin: 20.02.2012
Auflage: Erstauflage
Jahr: 2012
Seitenanzahl: ca. 480 Seiten
Buchart: Gebunden
Abbildungen: ca. 450 Abbildungen in Farbe
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-7774-5041-3
ISBN 13: 978-3-7774-5041-4
Größe: ca. 290 x 258 x 37 mm
Gewicht: ca. 2.750 Gramm
Zustand: neu, ungelesen