Die organische Form - Produktgestaltung

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Beschreibung

Klaus Struve
Die organische Form:
1930 bis 1960: Produktgestaltung

‚Die organische Form’ (1930-1960): Produktgestaltung zeigt wie vielfältig das Stilphänomen der ‚organischen Form’ in der Mitte des letzten Jahrhunderts umgesetzt wurde. Themenschwerpunkt ist die Gestaltung von Sitzmöbeln und Tischen jener Zeit.

Ob in der Malerei, Skulptur, Grafik oder Produktgestaltung: ‚organische Formen’ lassen sich in der Mitte des letzten Jahrhunderts in allen Kunstgattungen wiederfinden. Besonders im Design ist das wachsende Interesse an ‚organischen’ Lösungen für Gestaltungsprobleme seit den 30er Jahren unübersehbar. Diese von den USA und Skandinavien ausgehende Bewegung reicht in ihrer Bandbreite von biomorphen oder skulpturalen Formen bis hin zur ergonomischen Gestaltung von strenger Gesetzmäßigkeit. Das Wilhelm Wagenfeld Haus zeigt die Werke der bedeutendsten Gestalter: Alvar Aalto, Ray und Charles Eames, Arne Jacobsen, Isamu Noguchi, Eero Saarinen und Wilhelm Wagenfeld, um nur einige zu nennen.

Die funktionsgerechte Gestaltung eines Stuhls als Sitzhilfe ist in der langen Geschichte des Designs eine Herausforderung geblieben. Den in Körperbau und Größe verschiedenen Menschen müssen Stühle ausreichenden Halt geben; sie dienen unterschiedlichen Zwecken und wechselnden Anforderungen beim Essen, Arbeiten, Warten oder Lesen. Ganz wesentlich ist die Frage des Materials und seiner Verformbarkeit, sei es Holz, Metall oder Kunststoff. Jede Generation von Gestaltern definierte den ‚idealen Stuhl‘ neu.

Um sich diesem umfangreichen Thema zu nähern, zeigt das Buch die Entwicklung des Möbeldesign nicht in chronologischer Folge, sondern nach Themenschwerpunkten geordnet. Die technisch-konstruktiven Ansätze der Entwerfer werden genauso hoch bewertet wie die gestalterischen. Es werden Freischwinger, Stühle mit Federung oder Schaukelprinzip, die dreidimensionale Verformung von Bugholz und die Entwicklung von Schalensitzen gezeigt. Skulptural geformte Tische, Leuchten und Gefäße aus unterschiedlichsten Materialien ergänzen die Präsentation.

 

Zur Ausstellung

Die organische Form 1930 bis 1960: Produktgestaltung
Wilhelm Wagenfeld Haus - Design im Zentrum
16.02.2003 bis 29.06.2003

Ausstellung

Mit der Ausstellung "Die organische Form 1930 - 1960: Produktgestaltung" stellt das Wilhelm Wagenfeld Haus in Bremen ein außerordentlich wichtiges, in Europa und den USA zeitgleich entstandenes Stilphänomen in den Mittelpunkt, das in allen Kunstsparten zu beobachten ist. Parallel widmet sich das gegenüberliegende Gerhard Marcks-Haus (Bildhauermuseum) der organischen Form in der Bildhauerkunst.

Die Präsentation des Wilhelm Wagenfeld Hauses umfasst vor allem Möbel, in kleinerem Umfang auch Leuchten und Gefäße. Die Verbindung der einzelnen Produkte zu den im Gerhard Marcks-Haus gezeigten Beispielen der jeweils zeitgenössischen Bildhauerkunst ist evident. Exemplarisch seien die Namen von Alvar Aalto, Ray und Charles Eames, Egon Eiermann, Arne Jacobsen, Carlo Mollino, Isamu Noguchi, Eero Saarinen, Verner Panton und Wilhelm Wagenfeld genannt. Da sich bei heutigen Designern ein starkes Revival plastischer, biomorpher Gestaltung feststellen lässt, das sich unübersehbar auf die historischen Vorbilder bezieht, werden einige Beispiele der prominentesten Vertreter gezeigt, u.a. Ron Arad oder Marc Newson.

Ein Rundgang durch die Ausstellung

Um das Stilphänomen in seinen Facetten anschaulich zu machen, ist die Ausstellung nicht chronologisch, sondern nach Themenschwerpunkten geordnet, bei denen die konstruktiven Gestaltungsansätze im Vordergrund stehen.

Der Freischwinger - der Traum vom schwerelosen Sitzen

Den Auftakt bilden die bedeutendsten Freischwinger-Stühle, deren epocheprägende Erfindung durch Mart Stam und Marcel Breuer in den 1920er Jahren einen wichtigen Anstoß für die Entwicklung der organischen Form gab. Gezeigt werden sowohl frühe Beispiele von Mies van der Rohe oder Alvar Aalto als auch spätere Freischwinger-Klassiker, wie z.B. der Panton-Chair oder eine „Stuhl-Plastik" von Ron Arad aus den 1990er Jahren.

Bugholzmöbel - der Beginn der industriellen Massenproduktion im Möbeldesign

Die dreidimensionale Verformung von Bugholz zählte schon im 19. Jahrhundert zu den epochemachenden Leistungen der Fa. Thonet; den wichtigsten Beispielen ist ein eigenes Kabinett gewidmet.

Federn, Schaukeln, Wippen

Auf Federung oder dem Schaukelprinzip beruhende Entwürfe, etwa von Alvar Aalto, Willy Guhl oder Bruno Matthson, ermöglichen dem Benutzer Entspannung durch den selbstgewählten Wechsel von Ruhe und Bewegung.

Der Schalensitz - Höhepunkt moderner Möbelgestaltung

Die dreidimensionale ergonomische Verformung von Sperr- und Schichthölzern stellte eine vorrangige Aufgabe für die Gestalter der 1930er und 1940er Jahre dar. Ihr widmeten sich in Finnland Alvar Aalto und in Amerika Eero Saarinen und Charles und Ray Eames intensiv und in regem Austausch mit den europäischen Kollegen. Doch erst mit den Kunststoff-Schalensitzen wurde das Ziel einer „körpergerechten" Form in vollem Umfang erreicht.

Vorbild Natur

Wie natürlich ‚gewachsen‘ scheinen die Entwürfe von Antonio Gaudi, Finn Juhl, Carlo Mollino oder Sori Yanagi. Das Phänomen der Nachahmung von Pflanzenformen oder Lebewesen bei der Gestaltung von Tischen und Stühlen (Niere, Schmetterling, Knochen, Äste, Arme, etc.) findet sich weltweit.

Körperhüllen - Raumskulpturen

Viele der Werke von Protagonisten organischer Formgestaltungen zeichnen sich durch ihre skulpturale Qualität aus: zu ihnen zählen Entwürfe des Ehepaars Eames ebenso wie diejenigen des Bildhauers Isamu Noguchi oder des Designers George Nelson. In den 1950er Jahren setzen Künstler und Architekten wie Arne Jacobsen, Harry Bertoia und Egon Eiermann das Bemühen um eine ergonomische, dem Körper folgende oder ihn umhüllende Gestaltung fort; als Materialien dienen Holz oder Drahtgeflecht, Kunststoff oder Peddigrohr. Oft tragen die Objekte signifikante Titel: Swan, Egg, Tulip, Womb, Tropfen, Muschel; aus den USA stammt der berühmte „Nierentisch". Mit Gestaltern wie Verner Panton beginnt um 1960 eine neue Ära.

Leuchten und Gefäße

Einen eigenen Schwerpunkt bilden Leuchten und Gefäße: Akari-Leuchten aus Papier von Isamu Noguchi, Plexiglas-Leuchten des Bauhaus-Schülers Hanns Hoffmann-Lederer und Porzellan-Glas-Leuchten von Wilhelm Wagenfeld; die Gefäße, Vasen und Schalen stammen von wichtigen skandinavischen Gestaltern und wiederum von Wilhelm Wagenfeld.

Ausstellungsgestaltung

Für eine angemessene Umsetzung des anspruchsvollen Vorhabens konnte der in Weil am Rhein ansässige Gestalter Jakob Gebert gewonnen werden. Mit einem neuartigen Konzept wird er die Exponate im Wilhelm Wagenfeld Haus inszenieren. Die Leihgaben kommen aus dem Vitra Design Museum, Weil am Rhein, dem Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg, zahlreichen weiteren öffentlichen und privaten Sammlungen sowie von einigen Herstellern.

Inhaltsverzeichnis

Autor Inhalt Seite
  Vorwort 07
Klaus Struve Auf Biegen und Brechen
Einblicke in die Entwicklung und Produktion von Sitzmöbel aus gebogenem Buchenholz
09
Mathias Remmele Organisches Möbeldesign
1930-1960
21
Kathrin Hager Die Sprache der Holzfaser
Alvar Aalto als Gestalter
55
Beate Manske leicht, spielerisch, poetisch ...
Organische Leuchten von Hoffmann-Lederer, Noguchi und Wagenfeld
69
  Literaturverzeichnis 92-94
  Bildnachweis

Zu den Autoren
95
  Impressum 96

Details

Autor: Klaus Struve
Herausgeberin: Beate Manske für Wilhelm Wagenfeld Stiftung, Bremen
Auflage: Erstauflage
Jahr: 2003
Seitenanzahl: 96 Seiten
Buchart: Hardcover
Abbildungen: 61 zumeist farbige Abbildungen
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-00-010993-5
ISBN 13: 978-3-00-010993-5
Größe: ca. 285 x 207 x 13 mm
Gewicht: ca. 600 Gramm
Zustand: neu, ungelesen
Besonderheiten: sehr seltenes, gesuchtes Buch zum reduzierten Preis