Keramik, Terracotta, Fayence, Porzellan aus Berlin

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ISBN: 9783925653001  

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Beschreibung

Dietmar Jürgen Ponert
Berlin Museum Kunstgewerbe I - Keramik
Hafnerkeramik und Terracotta, Fayence, Porzellan

Die keramischen Bestände des Berlin Museums setzen sich vor allem aus Erzeugnissen der Hafner-Keramik, Terrakotta, Fayence und des Porzellans zusammen, die in Berlin und der Mark Brandenburg hergestellt wurden, oder aber inhaltlich in diesen lokalen Bezug gestellt werden können, und sei es, dass sie auf Grund von Darstellung oder Abbildung einen hiesigen Käuferkreis als Publikum ansprechen oder durch Form und Preis mit den einheimischen Produkten konkurrieren wollten. Zusammengetragen wurde der gegenwärtige Bestand vorwiegend durch Ankäufe einzelner Stücke, sowie - ausschließlich auf dem Gebiet des Porzellans - durch Stiftungen; sie halten den bürgerlichen Gebrauchsumkreis - vor allem bei den Einzeltassen aus der Zeit des Biedermeier - auf charakteristische Weise lebendig.

Die einzelnen Stücke dieser jungen Sammlung sind vom Autor zum ersten Male wissenschaftlich behandelt worden, es gab außer der inventarmäßigen Bearbeitung einiger Objekte durch Christina Thon keinerlei Vorarbeiten, wie sie die über lange Zeit und sorgfältig geführten Objekt-Karteien in älteren kunstgewerblichen Sammlungen anbieten. Diese Tatsache mag Unsicherheiten bei der Bestimmung einzelner Stücke, wenige noch ausstehende Recherchen zu Personen und Tatbeständen verständlich werden lassen.

Problematisch bleiben die Lack-Fayencen (Kat. 24, 25) in ihrer Beziehung zu der in vielen Motiven abweichenden bisher zusammengefassten Gruppe, die wohl auch technologisch untersucht werden müsste; schwierig die Deutung des technischen Befundes der Famagruppe aus der KPM Berlin (Kat. 29) und anderes mehr.

Die Marken der Berliner und Märkischen Zinngießer sind bisher noch nicht publiziert, so dass eine genaue Bestimmung der Zinnmontierung einiger Fayencekrüge offenbleibt.

Für die Bearbeitung der KPM-Porzellane vor allem der Epochen nach dem Tode Friedrichs des Großen (1786) bleibt die kritische Edition der teilweise noch in der Manufaktur aufbewahrten Quellen ein unabweisbares Desiderat, zumal einige Stücke, die von Lenz und Köllmann noch benutzt wurden, inzwischen offenbar abgegangen sind. Die Identifikation der Modelle des Klassizismus wie des Biedermeier, die hier nach der von Scheffler verdienstvoll doch unvollständig vorgeschlagenen Typologie benannt sind, ist anders nicht zu leisten; denn Verwirrung wird allein durch die offensichtlichen und wiederholten Umbenennungen z. B. bei den Vasen in der Manufaktur selbst gestiftet. Die Feststellung des Jahresbuchstabens für Porzellane der KPM nach 1900 ist offenbar noch nicht endgültig geklärt; zumindest würden einige Datierungs-Abweichungen zwischen Ausformung und Bemalung überflüssig werden, wenn der Buchstabe A für das Jahr 1900 und nicht, wie bisher bei v. Treskow angegeben, für 1901 stehen würde (Kat. 316).

Jedes Objekt ist abgebildet und unter einer eigenen Nummer selbständig und für sich ausführlich behandelt, lediglich Stücke gleicher Form und Dekoration oder Service, vollständig oder teilweise erhalten, wurden zusammenfassend bearbeitet; dadurch kann jede Katalognummer mit Anmerkungen und Literaturangaben für sich gelesen werden und ein Zugang über die Abbildung allein, nicht nur über den fortlaufenden typologischen und chronologischen Zusammenhang möglich sein; dazu kommen Querverweise. Auf eine möglichst detaillierte Beschreibung wurde nicht verzichtet, weil sie häufig zu künstlerischen, funktionalen und bedeutungsmäßigen Erkenntnissen führt.

Abkürzungen vor allem bei den Literaturangaben sind vermieden, damit auch der nicht wissenschaftlich geschulte Besucher und an der Sammlung Interessierte eine Orientierungshilfe für Studium findet. Allerdings sind Vergleichsstücke und -literatur nicht immer vollständig angerührt, sie können jedoch aus den angegebenen Titeln und Hinweisen erschlossen werden. Es wurde bis auf Einzelhinweise davon abgesehen, eine Modell- und Dekor-Typologie der KPM Berlin in Abhängigkeit von anderen Manufakturen - vor allem Meissen, Wien und Sevrès - und Einfluss auf wiederum andere - vor allem Fürstenberg - im Vergleich mit den bearbeiteten Stücken durchzuführen. Auf eine Abbildung der Marken auf den einzelnen Objekten des Kataloges musste aus Kostengründen verzichtet werden.

Bei den katalogmäßigen Angaben ist vorausgesetzt, dass sich die Blaumarken für den Scharffeuer­brand unter der Glasur und die Malereimarken und Malersignete für den Muffelbrand über der Glasur befinden; zwischen Ritz- und Preßmarken konnte nicht immer genau unterschieden werden Fehlen einer Malerei-Marke bedeutet nicht zwingend, dass das betreffende Stück in Hausmalerei dekoriert wurde; ebenso gibt es eher bescheidene Malerei, die durch Markung für die Manufaktur autorisiert wurde, und wiederum hervorragende ohne eine solche, so dass auch das Kriterium Qualität keine unbedingte Entscheidungshilfe bietet.

Die Blätter der Vorlagen-Graphik für die Ansichten-Malerei sind oft exakt zu bestimmen, oft aber auch nur als Vergleich heranzuziehen, sei es, dass es noch weitere genauer zu bestimmen gibt - denn auch die Graphiker variieren untereinander immer wieder die bekannten und berühmten Sujets-, sei es, dass die Maler selbst Abweichungen in die Komposition der Vorlagen brachten. Auch muss ange­nommen werden, dass sie oft selbst die farbige Fassung - aus der eigenen Anschauung - vorzuneh­men hatten, denn viele der Blätter des KPM-Archives sind nicht koloriert. Weiter ist in diesem Zusammenhang nicht deutlich, ob und in welchen Fällen die Porzellan-Maler nach den graphischen oder den gezeichneten, aquarellierten oder gemalten - wiederum als Vorlage für die Graphik-Serien benutzten — Vorbildern gearbeitet haben; denn nicht wenige von ihnen waren auch außerhalb der Manufaktur als Stadtbild-Maler tätig. Von den Gemälden Freydancks ist hingegen anzunehmen, dass sie allein in ihrer Funktion als Vorlage in der KPM-Malereiwerkstatt geschaffen wurden. Größere Klarheit könnte hier die dringend erforderliche kritische Neubearbeitung von Kiewitz' „Berlin in der graphischen Darstellung" als bebildertes Werkverzeichnis bringen.

Die Porträt-Reliefs des Leonhard Posch, der als entwerfender Künstler beim Königlich Preußischen Bergwerks- und Hüttendepartement beschäftigt war und von daher seine Modelle für die Preußi­schen Manufakturen - die Eisengießereien in Gleiwitz und Berlin wie auch die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin - lieferte, sind bisher lediglich in den Serien der Gleiwitzer Hütte von Erwin Hintze publiziert; da eine entsprechende Veröffentlichung der Arbeiten in Bisquit-Porzellan fehlt -die Sammlung der KPM selbst ist verschollen, die Modelle im Münzkabinett der Staatlichen Museen Berlin (Ost) schwer zugänglich - wurden die Modell-Typen nach Hintze zitiert. Zum Charakter des vorliegenden Bestandskatalogs ist abschließend zu bemerken, dass er sich in seiner Benutzbarkeit zuförderst an den „Durchschnittsbesucher" des Berlin Museums, den „interes­sierten Laien" wenden will, ihm vor allem gelten die Informationen über den Gebrauchszusammen­hang der Objekte des „Kunstgewerbes", über die Intentionen der Hersteller, wie die Erwartungen der Käufer; doch mögen die darüber hinaus mitgeteilten Ergebnisse der Forschung nicht zuletzt von den Spezialisten, den Kennern und Sammlern wohlwollend kritisiert werden.

Herzlich danken möchte ich neben Rolf Bothe für Geduld und Verständnis bei der Fertigstellung des Kataloges - für vielfältige Hinweise den Professoren Helmut Börsch-Supan, Franz-Adrian Dreier, Brigitte Klesse, Erich Köllmann, Margarethe Kühn und Gisela Zick, den Kollegen Winfried Baer, Gerd Bartoschek, Barbara Beaucamp-Markowsky, Stefan Bursche, Tjark Hausmann, Klaus Merten, Barbara Mündt, Renate Pirling, Margret Stuffmann, Konrad Vanja; besonders Ilse Baer, die für mich das im Augenblick noch auf Grund des schlechten Erhaltungszustandes stark gefährdete und schwer benutzbare KPM-Archiv im Schloss Charlottenburg Berlin nach Vorlagen durchgesehen und mir zudem wichtige Quellen zugänglich gemacht hat; Marianne Ouvrier-Böttcher, die mir vorab Einsicht in ihre Dissertation gewährte; und Ingeborg Preuss, die mir bei der Identifizierung von Vorlagen-Graphik half; Walter Schiefner, dem Malereivorsteher der KPM Berlin; Hans und Edith Mischell für kenntnisreiche Unterstützung; und Henk van der Schaaf, der mit mir gemeinsam die Berliner Theaterzettel, Carl Adam Bader betreffend, unermüdlich und findig sichtete; Carl-Wolfgang Schümann für freundschaftlichen Rat und kritische Durchsicht meines Manuskriptes und Frank Hell für seine liebevolle Ermunterung.

Dietmar Jürgen Ponert

 

Details

Autor: Dietmar Jürgen Ponert
Herausgeber und Verlag: Stiftung Stadtmuseum, Berlin
Auflage: Erstauflage
Jahr: 2004
Seitenanzahl: 283 Seiten
Abbildungen: zahlreiche farbige und s/w-Abbildungen
Sprache: Deutsch
Buchart: Paperback
ISBN 10: 3-925653-00-7
ISBN 13: 978-3-925653-00-1
Größe: ca. 280 x 210 x 21 mm
Gewicht: ca. 1.250 Gramm
Zustand: neu, ungelesen