Ludwigsburger Porzellan - Glanz des Rokoko

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ISBN: 9783897902862  

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Beschreibung

Dr. Reinhard Jansen
Glanz des Rokoko
Ludwigsburger Porzellan aus der Sammlung Jansen.

Die herausragende Plastik der Ludwigsburger Porzellanmanufaktur spiegelt den Luxus der herzoglichen Tafelzier und führt die Kultur und Geisteswelt des Rokoko eindringlich vor Augen.

Die letzte der großen deutschen Porzellanmanufakturen des 18. Jahrhunderts wurde durch Herzog Carl Eugen von Württemberg am 5. April 1758 in Ludwigsburg gegründet. Anlässlich des 250-jährigen Jubiläums der Manufaktur erscheint diese Publikation und das Museum für Angewandte Kunst Köln präsentiert die bundesweit einzige Sonderausstellung. Das Buch ist ein echter „Augenschmaus“.

Der Herzog ernannte im Februar 1759 den erfahrenen Arkanisten Joseph Jakob Ringler zum ersten Direktor. Dank hervorragender Fachleute erlebte die Manufaktur ihre Blütezeit schon im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens (1760 bis 1770). Aufgrund fehlender Geldmittel wurde die Manufaktur im Oktober 1824 aufgelöst. Mehr als ein Drittel der rund 150 Objekte aus der Blütezeit der Ludwigsburger Manufaktur sind bislang noch nie gezeigt worden. Neben Beispielen des prunkvoll mit Rocaille-Ornamenten, Schuppenmuster, Genre- oder Blumenmalerei verzierten und delikat bemalten Tafelgeschirrs werden vor allem Figuren gezeigt. Den Schwerpunkt der Sammlung bilden die außergewöhnlichen Miniaturen der sogenannten „Venezianischen Messe“, die das rege Treiben auf dem Ludwigsburger Jahrmarkt nach der Mitte des 18. Jahrhunderts evozieren.

 

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Vorwort

Rokoko, als Begriff von der Rocaille, dem Hauptornament der Epoche abgeleitet, ist der Inbegriff, das ästhetische Leitbild der modisch-luxuriösen dekorativen Künste einer im Glanz der gefühlten eigenen Bedeutung sich spiegelnden höfischen Gesellschaft des späten Absolutismus. Das asymmetrische, schwungvolle, höchst extravagante Muschelornament überwuchert Palastwände, Mobiliar und die fürstliche Tafel, mit ihm wird das Rokoko auch materiell zum glänzendsten, aufwändigsten und prächtigsten aller repräsentativen Stile des Ancien regime. Neben dem ornamentalen Überschwang umkreisen zahlreiche figürliche Darstellungen in Malerei und Plastik eine Welt des Schönen und Eleganten, des Geistreichen und Satirischen, der Mythologie und Geschichte, des Amourösen, Exotischen und des vermeintlich einfachen, leichten, volksnahen Lebens als sehnsuchtsvolles Gegenbild zur realen, von Etikette, Ritual und Anpassungszwängen bestimmten Lebenswelt bei Hofe. Wie kaum ein anderes Material ist es dabei das im 18. Jahrhundert neu entwickelte, als große Kostbarkeit europaweit begehrte Porzellan, das sich hier nicht nur für das prachtvoll dekorierte Tafelgeschirr, sondern vor allem für eine neue, höchst fein ausgearbeitete und, nicht zuletzt, farbige Plastik anbietet. Gerade sie hat nicht nur die Kleinplastik generell, sondern auch die hoch entwikkelte Kultur der thematisch komplexen Tafelaufsätze - oft sind es ganze theatralische Szenarien - revolutioniert. Überreich ist diese kleine, ursprünglich aus der vergänglichen Zuckerbäckerei der Hofkonditoreien hervorgegangene Welt: antike Götter und mythische Helden, sinnfällige Allegorien wie Jahreszeiten, Elemente oder Tugenden, Schäferinnen und Schäfer (hinter denen die verkleideten Höflinge beim amourösen Spiel kaum zu übersehen sind), Handwerker und Händler, Gaukler oder Tänzer.

Diese kleine Welt, Anlaß für gelehrte oder spielerische Konversation, für geistreiche Allusion und Wortspiel und zweifelsohne auch Reflex des zeitgenössischen Theaters, offenbart in der künstlerischen Qualität nicht selten Züge der besten großen Bildwerke der Epoche. Tatsächlich waren es stets in ihrer Zeit renommierte Bildhauer, die die Modelle für dieses seinerzeit nach dem Gold kostbarste Material geschaffen haben - Gegenstand der Leidenschaft einer fast überfeinerten, raffinierten Kultur der europäischen Fürstenhöfe - und faszinierend bis heute.

Nur wenige Jahre nach der Gründung der ersten - und nach wie vor bekanntesten - europäischen Porzellanmanufaktur im sächsischen Meissen 1710 wurde es oft teure Prestigesache zahlreicher europäischer Fürsten, an ihren Höfen eigene Porzellanwerkstätten einzurichten. Nach Wien, Fürstenberg und vielen anderen wurde schließlich am 5. April 1758 durch Herzog Carl Eugen von Württemberg in Ludwigsburg per Dekret die letzte der großen deutschen Porzellanmanufakturen des 18. Jahrhunderts als "Herzoglich ächte Porcellain Fabrique" für die fürstliche Hofhaltung gegründet. Anläßlich des 250-jährigen Gründungsjubiläums präsentiert das Museum für Angewandte Kunst Köln, als einen der Höhepunkte in der Reihe der in den vergangenen Jahren vorgestellten Privatsammlungen, das vorliegende Werk und die gleichnamige Ausstellung. Um einen Höhepunkt handelt es sich nicht nur aufgrund der Wertschätzung, die seit jeher dem Porzellan entgegengebracht wird, sondern vor allem wegen der Rarität und Qualität der in dieser außergewöhnlichen Sammlung vereinigten Werke. Mehr als ein Drittel der rund 150 wertvollen Exponate aus der Blütezeit der Ludwigsburger Manufaktur sind bislang noch nie ausgestellt worden; viele Porzellane sind als einzige bisher bekannte Exemplare nur in der Sammlung von Reinhard Jansen belegt. Das Museum, selbst Besitzer einer bedeutenden, zum Teil von keinem Geringeren als Erich Köllmann zusammengetragenen Porzellansammlung, schätzt sich glücklich, dieses aufsehenerregende Ergebnis einer rund 35 Jahre währenden (Sammel-) Leidenschaft erstmals allen Kunstliebhabern, Kennern und Fachleuten vorstellen zu können. Daß das Jubiläum der berühmten Manufaktur in Köln und nicht im heimischen Ludwigsburg gefeiert wird, ist das Ergebnis für uns glücklicher Umstände. Der freundschaftliche Kontakt von Reinhard Jansen mit unserem Museum ist dafür ebenso wichtig wie das Vertrauen, das er uns und insbesondere Patricia Brattig als Sammlungskuratorin entgegenbrachte. Ohne seine profunde Kenntnis vom Porzellan allgemein und den Kunstwerken der Ludwigsburger Manufaktur im besonderen wären Buch und Ausstellung natürlich nicht zustande gekommen. Wir sind froh, daß er ebenso bereitwillig wie lange auf die Gegenstände seiner Leidenschaft zu Gunsten einer beglückten Öffentlichkeit zu verzichten bereit war. Seiner Begeisterungsfähigkeit, seinem Engagement und seiner stets hilfsbereiten Unterstützung verdanken Buch und Ausstellung viel. Dafür möchten wir herzlich Dank sagen.

Auch seine Fachkompetenz, seine Umsicht und sein Einfühlungsvermögen waren entscheidend: Tobias Friedrich, Diplom-Restaurator für Glas und Keramik, hat die Einrichtung der Ausstellung und den Umgang mit den ebenso schönen wie empfindlichen und fragilen Kunstwerken übernommen, darin unterstützt von den übrigen Restauratoren unseres Hauses. Herrn Matthias Hamann und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Museumsdienstes Köln verdanken wir das reichhaltige museumspädagogische Begleitprogramm zur Ausstellung, das sich natürlich an Erwachsene, aber auf besondere Art auch an Kinder und Jugendliche wendet, um ihnen spielerisch den Zugang zur vielfältigen Kultur und Geisteswelt des Rokoko, vor allem aber zur Welt des Porzellans zu eröffnen. Auch den ehrenamtlichen Mitgliedern des Arbeitskreises am Museum für Angewandte Kunst sei an dieser Stelle gedankt, die, unter der Leitung von Frau Carola Horster, zahlreiche Führungen zur Ausstellung ausgearbeitet und angeboten haben. Unter der Leitung von Herrn Michael Albers haben die Mitarbeiter des Rheinischen Bildarchivs unter hohem Zeitdruck mit großer Hilfsbereitschaft dem Museum zugearbeitet. Dem geschulten Auge der Photographin Marion Mennicken verdanken wir die herausragenden Aufnahmen und zahlreichen Detailabbildungen der oft kleinformatigen, komplex aufgebauten Figuren und Gruppen. Fachkollegen zahlreicher nationaler und internationaler Institutionen und Museen steuerten Neuaufnahmen und Reproduktionen ihrer Ludwigsburger Porzellane sowie von Vorzeichnungen und Druckgraphiken für den Katalog bei. Ihnen allen gilt unser wärmster Dank. Der Graphiker Helmuth Malzkorn vom Graphikstudio der Kölner Museen hat die brillante Gestaltung des Kataloges und aller mit der Ausstellung verbundenen Drucksachen besorgt - eine außergewöhnliche, mit großer Anteilnahme, Engagement und Begeisterung erbrachte Leistung, für die ihm große Anerkennung und Dank gebührt. Der mit besonderer Sorgfalt edierte Katalog spiegelt den hohen Qualitätsanspruch seines Verlegers, Herrn Dieter Zühlsdorff, wider, aber auch dessen Begeisterung für Themen aus den Grenzbereichen zwischen Kunst und Handwerk. Wir wissen die verlegerische Fachkompetenz der Mitarbeiter der Arnoldsche Art Publishers insgesamt sehr zu schätzen.

Ohne die großzügige Unterstützung einiger langjähriger Freunde und Förderer des Museums für Angewandte Kunst wäre dieses Buch jedoch in diesem Umfang und in der vorliegenden Ausstattung nie erschienen. Wir danken ganz besonders herzlich Frau Brita Gerling-Koehne, Frau Lissy Bräckerbohm, Herrn Hermann R. Müller (Frühkunst Köln), Frau Karin Ohlenburger-Bauer und Herrn Horst Wolff. Mit bewundernswertem und unermüdlichem Einsatz hat Patricia Brattig die Gesamtleitung des Projekts sowie als Herausgeberin der vorliegenden, umfassenden und aufwändig gestalteten Publikation Lektorat und Redaktion übernommen. In einem eigenen wissenschaftlichen Beitrag weist sie nach, daß die Bildhauer- und Maler in Ludwigsburg mit sehr genauem Blick Mode und Habit ihrer Zeit erfaßt und wiedergegeben haben; wo sie sich nicht allein auf die eigene Anschauung verließen, vermittelten Kupferstiche literarische und theatralische Themen und Szenen. Zuverlässig und verantwortungsbewusst hat Frau Brattig überdies für die praktische Umsetzung und die anregende Gestaltung der Ausstellung gesorgt. Ihr sei an dieser Stelle besonders gedankt. Möge den genannten, ebenso wie den vielen ungenannten Helfern die positive Resonanz und der Erfolg der Ausstellung sowie der Publikation schließlich als schönster Dank zuteil werden.

Gerhard Dietrich
Stellv. Museumsdirektor

Klappentext

Die letzte der großen deutschen Porzellanmanufakturen des 18. Jahrhunderts wurde durch Herzog Carl Eugen von Württemberg per Dekret am 5. April 1758 in Ludwigsburg als "Herzoglich ächte Porcellain Fabrique" gegründet.

Der Herzog ernannte im Februar 1759 den erfahrenen Arkanisten Joseph Jakob Ringler zum ersten Direktor der Manufaktur; Ringler hatte schon die Manufakturen in Höchst, Straßburg und Nymphenburg in ihrer Anfangszeit begleitet. Ringler war es auch, der schon 1759 bewährte Modelleure, Bossierer und vor allem Künstler, so zum Beispiel Gottlieb Friedrich Riedel, als Mitarbeiter für den Ludwigsburger Porzellanbetrieb gewinnen konnte. Dank dieser hervorragenden Fachleute erlebte die Manufaktur ihre Blütezeit schon im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens (1760 bis 1770). Trotzdem konnte sie ohne finanzielle Unterstützung durch Herzog Carl Eugen nicht bestehen. Sein Nachfolger, Herzog Friedrich, späterer Kurfürst und als Friedrich I. auch König von Württemberg, ermöglichte einen Neuanfang durch die Tilgung der Schuldenlast, dennoch wurde die Manufaktur im Oktober 1824 aufgelöst.

Neben Entwürfen von Gottlieb Friedrich Riedel, der zunächst die künstlerische Produktion in Ludwigsburg maßgeblich lenkte und als Maler von z. B. Landschaften und Figurenszenen seine herausragenden Fähigkeiten unter Beweis stellte gab es weitere bedeutende Künstler: Johann Wilhelm Götz schuf grazile Figuren, Gottheiten und Allegorien der Jahreszeiten. Charakteristisch für Joseph Nees sind die in ihren zierlichen Proportionen gelängten Tänzer. Jean Jacques Louis entwarf Vögel und Tiergruppen. Die oft eng am Körper anliegende, etwas unordentliche Kleidung findet sich bei den Figuren von Johann Christoph Haselmeyer. Die Jäger-, Schäfer- und Fischerpaare von Johann Christian Wilhelm Beyer sind in allen Details vollendet gebildet; einen Höhepunkt stellt die Folge der "Musik-Soli" dar.

Den Schwerpunkt der Sammlung bilden allerdings die außergewöhnlichen Miniaturen der sogenannten "Venezianischen Messe", die das rege Treiben auf dem Ludwigsburger Jahrmarkt nach der Mitte des 18. Jahrhunderts evozieren.

Mehr als ein Drittel der rund 1 50 Objekte aus der Blütezeit der Ludwigsburger Manufaktur sind bislang noch nie gezeigt worden; viele Porzellane sind als einzige bisher bekannte Exemplare nur in dieser Sammlung belegt. Neben Beispielen des prunkvoll mit Rocaille-Ornamenten, Schuppenmuster, Genreoder Blumenmalerei verzierten und delikat bemalten Tafelgeschirrs sind vor allem Figuren zu sehen. Gerade die herausragende Plastik der Ludwigsburger Porzellanmanufaktur spiegelt den Luxus der herzoglichen Tafelzier und Innendekoration wider und führt dem Leser die vielfältige Kultur und Geisteswelt des Rokoko eindringlich vor Augen.

Zur Ausstellung

Museum für angewandte Kunst, Köln
29. März bis 29. Juni 2008

Glanz des Rokoko
Ludwigsburger Porzellan aus der Sammlung Jansen

Die letzte der großen deutschen Porzellanmanufakturen des 18. Jahrhunderts wurde durch Herzog Carl Eugen von Württemberg per Dekret am 5. April 1758 in Ludwigsburg als „Herzoglich ächte Porcellain Fabrique“ für die fürstliche Hofhaltung gegründet. Anlässlich des 250-jährigen Gründungsjubiläums präsentiert das Museum für Angewandte Kunst Köln die bundesweit einzige Sonderausstellung, die ausschließlich den Werken der Ludwigsburger Manufaktur gewidmet ist.

Der Herzog ernannte im Februar 1759 den erfahrenen Arkanisten Joseph Jakob Ringler zum ersten Direktor der Manufaktur; Ringler hatte schon die Manufakturen in Höchst, Straßburg und Nymphenburg in ihrer Anfangszeit begleitet. Er blieb 43 Jahre im Amt bis zu seinem Tode im Jahre 1804. Ringler war es auch, der schon 1759 bewährte Modelleure, Bossierer und vor allem Künstler, so zum Beispiel Gottlieb Friedrich Riedel, als Mitarbeiter für den Ludwigsburger Porzellanbetrieb gewinnen konnte. Dank dieser hervorragenden Fachleute erlebte die Manufaktur ihre Blütezeit schon im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens in den Jahren von 1760 bis 1770. Trotzdem konnte sie ohne finan­zielle Unterstützung seitens des Herzogs nicht bestehen; nach dem Tode Carl Eugens 1793 versiegte die Geldquelle. Herzog Friedrich, späterer Kurfürst und als Friedrich I. auch König von Württemberg, ermöglichte einen Neuanfang durch die Tilgung der Schuldenlast und die Einstellung französischer Fachkräfte. Nach seinem Tode 1816 blieben die Zuschüsse aber erneut aus; die Manufaktur wurde schließlich im Oktober 1824 aufgelöst.

Die letzte der großen deutschen Porzellanmanufakturen des 18. Jahrhunderts wurde durch Herzog Carl Eugen von Württemberg per Dekret am 5. April 1758 in Ludwigsburg als „Herzoglich ächte Porcellain Fabrique“ für die fürstliche Hofhaltung gegründet. Anlässlich des 250-jährigen Gründungsjubiläums präsentiert das Museum für Angewandte Kunst Köln die bundesweit einzige Sonderausstellung, die ausschließlich den Werken der Ludwigsburger Manufaktur gewidmet ist.

Der Herzog ernannte im Februar 1759 den erfahrenen Arkanisten Joseph Jakob Ringler zum ersten Direktor der Manufaktur; Ringler hatte schon die Manufakturen in Höchst, Straßburg und Nymphenburg in ihrer Anfangszeit begleitet. Er blieb 43 Jahre im Amt bis zu seinem Tode im Jahre 1804. Ringler war es auch, der schon 1759 bewährte Modelleure, Bossierer und vor allem Künstler, so zum Beispiel Gottlieb Friedrich Riedel, als Mitarbeiter für den Ludwigsburger Porzellanbetrieb gewinnen konnte. Dank dieser hervorragenden Fachleute erlebte die Manufaktur ihre Blütezeit schon im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens in den Jahren von 1760 bis 1770. Trotzdem konnte sie ohne finan­zielle Unterstützung seitens des Herzogs nicht bestehen; nach dem Tode Carl Eugens 1793 versiegte die Geldquelle. Herzog Friedrich, späterer Kurfürst und als Friedrich I. auch König von Württemberg, ermöglichte einen Neuanfang durch die Tilgung der Schuldenlast und die Einstellung französischer Fachkräfte. Nach seinem Tode 1816 blieben die Zuschüsse aber erneut aus; die Manufaktur wurde schließlich im Oktober 1824 aufgelöst.

Neben Entwürfen von Gottlieb Friedrich Riedel, der zunächst die künstlerische Produktion in Ludwigsburg maßgeblich lenkte und als Maler von Landschaften und Figurenszenen sowie von Putten, Vögeln und Blumen seine herausragenden Fähigkeiten unter Beweis stellte, sind in der Ausstellung ebenfalls zahlreiche exquisite Porzellane aus der Hand von weiteren bedeutenden Künstlern der Manufaktur vertreten. Johann Wilhelm Götz schuf grazile Figuren, Gottheiten und Allegorien der Jahreszeiten, aber auch Komödianten und Bauern. Charakteristisch für Joseph Nees sind die in ihren zierlichen Proportionen gelängten Tänzer mit kleinen Köpfen, spitzen Nasen und kaum angedeuteten Mündern. Jean Jacques Louis entwarf Vögel und Tiergruppen, so beispielsweise Hund und Katze sowie die Bärin mit ihren Jungen am Bienen­korb, die in der Ausstellung zu bewundern sind. Seine „Satire auf das Schneiderhandwerk“, eine kaum versteckte erotische Anspielung, ist lebensnah modelliert. Die oft eng am Körper anliegende, etwas unordentliche Kleidung mit den meist herabgerutschten Strümpfen findet sich auch bei den Figuren von Johann Christoph Haselmeyer wieder; herausragend ist dessen enigmatische Gruppe der „Magd mit Mohr“. Die Jäger-, Schäfer- und Fischerpaare von Johann Christian Wilhelm Beyer sind in allen Details vollendet gebildet; ihre feingliedrigen und geschmeidigen Körper fügen sich harmonisch in die angedeuteten Land­schaften, wobei der Gesichtsausdruck eine liebliche Melancholie ahnen lässt. Der Höhepunkt von Beyers Schaffen in Ludwigsburg stellt die Folge der „Musik-Soli“ dar: leger gekleidete Damen und Herren, die sich mit voller Hingabe dem Spiel ihrer Instrumente widmen. Den Schwerpunkt der Sammlung bilden allerdings die außergewöhnlichen Miniaturen der sogenannten „Venezianischen Messe“, die das rege Treiben auf dem Ludwigsburger Jahrmarkt nach der Mitte des 18. Jahrhunderts evozieren. Zu sehen sind die Jahrmarktsbuden und –stände der Kaufleute, Handwerker, die ihrem Beruf nachgehen, Szenen des alltäglichen Lebens, so die Apothekerin, die Schröpfköpfe reinigt, aber auch galante Unterredungen, maskierte Edelleute sowie Schauspieler und Komödianten.

Details

Autor: Dr. Reinhard Jansen
Herausgeber: Patricia Brattig
Illustratorin: Marion Mennicken
Verlag: Arnoldsche Art Publishers, Stuttgart
Auflage: Erstauflage
Jahr: 04/2008
Seitenanzahl: 335 Seiten
Abbildungen: über 650 farbige Abbildungen
Buchart: Hardcover mit Schutzumschlag
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-89790-286-9
ISBN 13: 978-3-89790-286-2
Größe: ca. 290 x 230 x 28 mm
Gewicht: ca. 1.900 Gramm
Zustand: neu, ungelesen, eingeschweißt