Von Pfauen, Libellen und Fledermäusen, Jugendstil

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Beschreibung

Ingeborg Becker und Vanessa Sigalas
Von Pfauen, Libellen und Fledermäusen
Geheimnisvolle Tierwelt im Jugendstil

Im allgemeinen Bewusstsein wurde die Flora zum Synonym des Jugendstils, doch die Tierwelt war nicht weniger artenreich und nicht minder Inspiration für die Künstler der Zeit. Die thematische Sonderausstellung im Bröhan-Museum zeigt erstmalig etwa 300 Tierplastiken und Objekte des Kunsthandwerks mit animalischen Applikationen und Dekoren aus verschiedenen Materialien wie Porzellan, Metall, Glas, Fayence, Leder oder Holz. Grafik und Gemälde sind ebenfalls zu sehen. Die umfassende Schau aus eigenem Bestand verdeutlicht, dass neben dem Farben- und Formenreichtum auch oftmals eine versteckte Symbolik durch den Jugendstil transportiert wurde.

Die Gründe, weshalb vor allem im Kunsthandwerk bestimmte Tiere motivisch verarbeitet wurden, waren unterschiedlicher Natur. Schwäne wurden um ihrer wellenförmigen Hälse willen gewählt, die Schlange auf Grund ihres langen, sich windenden Körpers, während Pfaue wegen ihrer ausgefallenen Federn und schillernden Farben interessant waren. Schmetterlinge und Libellen inspirierten wegen ihrer filigranen Flügel; Fledermäuse, Krebse, Quallen oder Seepferdchen bestachen durch ihre sonderbaren Formen. Zunehmend wurden auch Tiere bevorzugt als dekorative Motive verwendet, die bisher von der europäischen Kunst vernachlässigt worden waren, wie beispielsweise Insekten. Der aufkommende Japonismus spielte hierbei eine nicht unwesentliche Rolle, denn die Vorliebe für Schwäne, Libellen oder Kraniche teilte der Jugendstil mit der ostasiatischen Kunst, aber auch der genaue Blick für Kleintiere hatte hier eine seiner Ursachen.

Genauso wie die Kunst des Jugendstils sich auffallend für alles Organische, Pflanzliche und Kreatürliche interessierte, sind auch Tiere von großer Bedeutung. Zudem liebt der Jugendstil die Metamorphose, die Mischwesen, die aus Tier und Mensch oder aus Mensch und Pflanze entstehen. Ebenso kann diese Verwandlung aber auch zu einer eigentümlichen Verlebendigung der Dinge führen. Das Dunkle und Abgründige fasziniert und so sind es auch die Tiere der Nacht oder der Finsternis, die sogar oft mit einer Phobie verbunden werden wie Schlange und Fledermaus, Eule, Rabenvögel, Lurche, die sich als Applikationen, Dekore oder Bilder auf Gegenständen des täglichen Gebrauchs finden lassen. Dieser „Nachtseite“ des Jugendstils steht eine hellere, freundliche Seite gegenüber. Heimische und exotische Tiere werden in vielfältiger Weise von bekannten Tierbildhauern dargestellt. Das Tier verkörpert eine andere, fremde zugleich aber auch verwandte Evolutionsstufe.

 

Zur Ausstellung

Bröhan Museum, Berlin in der Zeit vom 08. Oktober 2009 bis 14. Februar 2010

Von Pfauen, Libellen und Fledermäusen - Geheimnisvolle Tierwelt im Jugendstil

Überlebensgroß beäugt Emil Pottners Kakadu den Besucher. Aus seiner Vitrine richtet er den Blick auch auf seine Artgenossen. Es sind Kleintierplastiken aus Porzellan und anderen Materialien, die im Obergeschoss des Bröhan-Museums die schmucke Sonderausstellung „Von Pfauen, Libellen und Fledermäusen“ zieren. Der thematische Blick auf die Bestände fördert rund 300 Objekte des Kunst­handwerks zutage, animalische Applikationen und Dekore in bezaubernden Farben und Formen. Eine Ausstellung für die ganze Familie, die auch die Kleinen begeistert. Wenn Hirschkäfer sich balgen oder Tiere Menschen gleichen und in Gestalt eines Hundes mit Hut auftreten, darf geschmun­zelt werden. Ge­staunt sowieso, etwa angesichts des Frosches im Kampf mit der Ringelnatter auf einem Schreibgeschirr. Direktorin Ingeborg Becker hat Por­zellan mit Unterglasur­bemalung, Fayencen mit Pudergold, Zinn und dergleichen mehr zutage gefördert. Es posieren Exoten wie der stoische Marabu oder die um 1900 beliebten Urahnen von Eisbär Knut. Zu den häufigen Vertretern der Zeit zählen Pfauen, Schwä­ne, Schmetterlinge, Libellen und auch Eulen als doppeldeutiges Sinnbild von Gut und Böse. Der Pfau wurde, ebenso wie die Schlange und der Schwan, zu einem Wahrzeichen des Art Nouveau.

Bereits 1876/77 gestaltete James McNeill Whistler einen Raum von Haus Leyland in London mit dem goldfarbenen Vogel auf dunkelblauem Grund. Fortan reizte er die Jugendstilkünstler. Texttafeln erläutern den Wandel von Symbolik und Anziehungskraft der Tiere, die oft Gegenstände des täg­lichen Gebrauchs bereichern. An Tellern oder Vasen lassen sich die Unterschiede der Manufakturen – Nymphenburg, KPM, Kopenhagen – studieren. Kindliche Gemüter können den Anblick von Porzellanpekinesen oder lus­tigen Pinguinen ein­fach nur genießen.

Verzeichnis der Firmen und Künstler

In dem Buch sind Objekte folgender Hersteller abgebildet:

Haagsche Plateelbakkerij Rozenburg, Den Haag
Metallwarenfabrik J. P. Kayser & Sohn, Krefeld
Glasfabrik Joh. Lötz Wwe., Klostermühle
Royal Copenhagen, Kopenhagen
Gebr. Pallme König & Habel, Steinschönau und Kosten bei Teplitz
Amphora-Werke, Turn-Teplitz
Koninklijke Porselein- en Aardewerkfabriek Rozenburg, Den Haag
Galluba & Hofmann, Ilmenau
Königliche Porzellan-Manufaktur, Berlin
Königliche Porzellan-Manufaktur Meissen, Meißen
Mogens Ballin, Tuborg
Bing & Grøndahl, Kopenhagen
Kallmeyer & Harjes, Gotha
Porzellanfabrik Rörstrand, Stockholm
Großherzogliche Majolika-Manufaktur, Karlsruhe
Königlich Bayerische Porzellan-Manufaktur Nymphenburg, München
Gebrüder Heubach, Lichte
Georg Hulbe, Hamburg
La Maison Moderne, Paris
Beck & Schou, Fajencefabriken Aluminia, Kopenhagen
Metallwarenfabrik für Kleinkunst Walter Scherf & Co., Nürnberg
P. Bruckmann & Söhne AG, Heilbronn

Die Objekte stammen von folgenden Künstlern:

Maurice Pillard Verneuil
Aubrey Beardsley
Emile Gallé
Rene Lalique
Hugo Leven
Diana Chiné
Christian Thomsen
L. Boll
Jacobus Willem van Rossum
Sigismund Wernekinck
J. Jacobsen
Theodor Hermann Schmuz-Baudiss
Adolf Amberg
Arnold Emil Krog
Jacob Aall Heuch
G. Appel
Gerhard Heilmann
Pietro Købke Krohn
Mogens Ballin
Otto Pilz
Nils Emil Lundström
Erik Nielsen
E. Linck
A. Cristensen
Konrad Hentschel
Carl Frederik Liisberg
Emil Pottner
Maria Prinzessin von Dänemark
Anton Puchegger
Edmund Otto
Johann Hahrer
Joseph Wackerle
Knud Kyhn
Paul Walther
Otto Jarl
Valdemar Engelhardt
Søren Bech Jacobsen
Wilhem Theodor Fischer
Marianne Høst
Emmanuel Orazi
Alf Wallander
Harald Slott-Møller
Eduard Klablena
Heinrich Lang
Michael Mörtel
Hermann Hubatsch
Emmerich Oehler
u. a.

Details

Autoren: Ingeborg Becker und Vanessa Sigalas
Herausgeber und Verlag: Bröhan Museum, Berlin
Erstauflage: 07.10.2009
Auflage: Erstauflage
Jahr: 2009
Seitenanzahl: 64 Seiten
Buchart: Paperback
Abbildungen: 77 zumeist farbig Abbildungen
Sprache: Deutsch
ISBN 10: 3-941588-02-8
ISBN 13: 978-3-941588-02-8
Größe: ca. 240 x 170 x 5 mm
Gewicht: ca. 200 Gramm
Zustand: neu, ungelesen